Shin Megami Tensei: Strange Journey

Cover von Shin Megami Tensei: Strange Journey

Review

Strange Journey sollte ursprünglich der vierte offizielle Teil der Reihe werden, doch hat man sich wohl während der Entwicklung umentschieden, was vielleicht daran liegen könnte, dass dieser Ableger nicht in Tokyo spielt. Am Ende hat man diesen Teil Shin Megami Tensei: Strange Journey genannt. Er ist dieser leider nie in Europa erschienen. Deshalb habe ich ihn mir dieses Jahr relativ günstig als Import zugelegt.

 

Handlung

In naher Zukunft leben gut sieben Milliarden Menschen auf unseren Planeten (ja, das Spiel ist nicht mehr so neu), da erscheint eine schwarze Kuppel - genannt Schwarzwelt - mitten in der Antarktis und ist dabei den Planeten Stück für Stück zu verschlingen. Als Gegenmaßnahme entsenden die Regierungen der Welt eine Sondereinheit aus Soldaten und Forschern in die Schwarzwelt, um diese zu untersuchen und zu vernichten, bevor die ganze Welt verschlungen wird.

Bei dem Versuch die Schwarzwelt zu betreten geht leider etwas gehörig schief unddie einzelnen Schiffe werden von einander getrennt. Gleich danach wird man von Visionen geplagt und noch schlimmer, von Dämonen angegriffen, die man zuerst nicht sehen kann. Und ohne groß an dieser Stelle zu Spoilern: Die Aufgabe des Spielers ist es, ums nackte Überleben zu kämpfen und dabei die Geheimnisse der Schwarzwelt zu lüften.

Fragen, woher die Dämonen kommen, aus welchem Grund die Schwarzwelt die eher dunklen Seiten unserer Gesellschaft zeigt und was aus den anderen Teammitgliedern geworden ist, müssen beantwortet werden und so warten gut 50-60 Stunden Spielzeit auf den Spieler, der sich bald in einem Machtkampf zwischen Menschen, Engeln und Dämonen wiederfindet, in der mehr als einmal fluchend der Nintendo DS/3DS zur Seite geworfen wird.

Shin Megami Tensei: Strange Journey Schwarzwelt

Grafik

Strange Journey spielt sich komplett in der Forced First Person (FFP) ab und selbst wenn diese Ansicht in einem RPG mittlerweile altbacken erscheint, sind die einzelnen Abschnitte, die man besuch, thematisch und äußerlich so abwechslungsreich und die für Nintendo DS Verhältnisse nette Grafik so hübsch, das mich das überhaupt nicht gestört hat. Einmal sucht man den Ausgang in einem gigantischen Einkaufszentrum und viele Stunden später rennt man durch ein idyllisches Gartenlabyrinth oder beobachtet im Hintergrund in einem weiteren Abschnitt ein Gewitter.
Die liebevoll gestalteten Dämonen und Charakterporträs in und außerhalb der Kämpfe versprühen ihren ganz eigenen Charme. Diese serientypische sterile Welt weiß, wie man den Spieler (oder Fanboy) fesselt.

Sicherlich gewinnt Strange Journey in puncto Grafik keine Preise, aber zum einen waren meine Erwartungen wesentlich geringer und hat man auf den Nintendo DS schon Schlimmeres gesehen.

Shin Megami Tensei: Strange Journey Grafik

 

Sound

Shoji Meguro geht mit Strange Journey einen komplett anderen Weg als mit den Vorgängern und Nachfolgern. Weder ertönt es rockig wie in Lucifer's Call, noch poplastig wie in Persona 4 und von Hip-Hop à la Persona 3 fehlt jede Spur. Denn diesmal dominiert die Choralmusik.

Zuerst hatte ich die Befürchtung, dass Atlus dieses eine Mal auf's falsche Pferd gesetzt hat und wurde schließlich eines besseren belehrt. Vielmehr unterstreicht der Soundtrack das bedrohliche Setting inklusive der allgegenwärtigen Hoffnungslosigkeit innerhalb der Schwarzwelt und jedes einzelne Battle Theme schreit einen nahezu an, wie episch dieser Kampf doch sei, nur sollte man ordentliche Kopfhörer aufsetzen, schließlich reden wir hier von einem Nintendo DS Spiel.

Einige kleine Schattenseiten gibt es dennoch. Und zwar wurden die Dialoge nicht vertont und da es Strange Journey nie bis nach Europa geschafft hat, muss man sich wie bei fast allen MegaTen Spielen mit englischen Untertiteln zufrieden geben. Zwar stört das persönlich weniger, aber es hätte dem Spiel nicht geschadet, es wenigstens etwas zu vertonen.

 

Gameplay

Mögt ihr Dungeon Crawler? Nein? Dann kauft euch dieses Spiel nicht.

Strange Journey ist in dieser Hinsicht so klassisch wie es nur sein könnte und ihr werdet das gesamte Spiel damit verbringen einen Dungeon zu meistern, dann den Endgegner zu bezwingen, um anschließend die Möglichkeit zu erhalten in den nächsten Bereich zu gelangen, nur damit es gleich wieder von vorne beginnt.
Es gibt keine Stadt, keine offene Weltkarte und könnt ihr höchstens die bereits aufgesuchten und aktuellen Dungeons oder eure Basis sowie einige wenige Speicher- und Heilpunkte aufsuchen, die ihr unterwegs findet.

Die permanent stärker werdenden Dämonen, plus die immer verschachtelter gestalteten Dungeons, die mit unzähligen Fallen gespickt wurden, sorgen für einen heutzutage sehr hartnäckigen Spießrutenlauf.
So landet man manchmal auf Förderbändern, die einen mehrere Etagen nach unten befördern, dann ist es plötzlich komplett dunkel oder es gibt Bereiche, wo man die richtige Reihenfolge von Teleportern wählen muss, um ans Ziel zu gelangen.

Gleichzeitig könnt ihr jede einzelne Stelle im Dungeon überprüfen und ggf. auf Geheimgänge, Türen, Schätze oder Gegner scannen.
Manchmal ist es sogar notwendig und wenn eine Tür verschlossen sein sollte oder ihr bestimmte Dämonen nicht finden könnt, bleibt das vielleicht bis zum Ende so, weil ihr den passenden Gegenstand nicht erstellt/gefunden habt und somit nie über deren Dasein informiert wurdet.

Das alles kann sehr anspruchsvoll und frustrierend werden und wenn ein Dungeon 10 Stunden Spielzeit verschlingen sollte, dann seid nicht überrascht.

Shin Megami Tensei: Strange Journey Charakterübersicht

Während der obere Bildschirm euch das Spielgeschehen näher bringt, dient euch der untere Bildschirm in den Dungeons als Automap oder in den Kämpfen als Gegnerstatusanzeige und im Menü als euer Demonica, wo wir gleich den nächsten wichtigen Punkt hätten.
Euer Demonica ist die goldene Maske, die jeder Soldat innerhalb der Schwarzwelt tragen muss um zu überleben und dient euch gleichzeitig als Menü, was somit für die Story und Gameplay eine wichtige Rolle einnimmt. Hier verwaltet ihr eure Items und Dämonen, rüstet euch für den nächsten Kampf oder überprüft Haupt- und Nebenmissionen und deckt euch mit Apps ein, die den Spieler neue Fähigkeiten wie in etwa weniger Feindkontakte oder mehr HP-Punkte ermöglichen.

Denn während ihr euch durch die Schwarzwelt einen Weg bahnt, könnt ihr wie in Persona 3 oder 4 oder Shin Megami Tensei 4 Nebenmissionen annehmen: Sei es durch Dämonen, die bestimmte Gegenstände benötigen oder weil ihr euren von Liebeskummer geplagten Kameraden unter die Arme greifen wollt. Die Belohnungen sind es alle mal wert sich näher damit zu beschäftigen und können all die Quests gut und gerne mehrere Stunden in Anspruch nehmen, weil z.B. Gegenstand X und Dämon Y sich nicht finden lassen.

 

Formas oder warum reicht meint Geld nicht aus?

Strange Journey bedient sich den Formas. Das ist ein Material, welches nur in der Schwarzwelt vorhanden ist und euch ermöglicht Waffen, Schlüssel, Detektoren und/oder Items herzustellen. Diese Formas erlangt ihr in den verschiedensten Variationen durch das Besiegen von Dämonen oder findet diese in den Dungeons. In der Basis werden die Formas dann weiterverarbeitet und zusammen mit euren Ersparnissen könnt ihr dann Gegenstände erwerben. Dabei kann eine regelrechte Jagd nach besonderen Formas entstehen und wer in den darauffolgenden Kämpfen nicht möchte, dass seine Heilitems ausgehen oder seine Ausrüstung keinen ausreichenden Schutz mehr bietet, der sollte ein wenig Zeit in die Suche investieren. Die Kombi aus Formas und Geld macht das Spiel zudem ein wenig schwieriger, da eins von beiden immer fehlen könnte.

 

Demon Fusion System

Strange Journey gibt dem Spieler endlich die Möglichkeit überall Dämonen miteinander zu fusionieren. Zum einen bringt das eine leicht taktische Note ins Spielgeschehen, da man sich in schwierigen Situationen aus mehreren und beinahe kampfunfähigen Dämonen einen neuen und somit gestärkten Dämonen fusionieren kann. Gleichzeitig könnte der Schuss aber nach hinten los gehen.
Denn einmal fusionierte Dämonen können höchstens über das Demon Compendium gegen eine hohe Gebühr wieder erlangt werden, sofern diese vorher registriert wurden. So kann man sich in gefährlichen Dungeons durchaus bis zum nächsten Speicherpunkt mit dieser Funktion retten. Eventuell ruiniert man sich so aber auch seinen gesamten Dämonentrupp, da beim fusionieren mal ein faules Ei bei herum kommen kann.

Ansonsten ist das Demon Fusion System dank den so genannten Demon Sources die man von seinen Gegnern erhält - und die deren Fähigkeiten beinhalten - recht facettenreich, da einige Fähigkeiten hiermit zusätzlich zu den geopferten Dämonen übertragbar sind. Außerdem bietet die Special Fusion die Möglichkeit, besondere Dämonen – die man zuvor besiegt hat – zu fusionieren, was wiederum eine bestimmte Anzahl von bestimmten Dämonen erfordert, die in verschiedene Klassen unterteilt wurden.
Abgerundet wird all das mit einer nicht festgelegten Skillvererbung. Denn durch mehrere Versuche kurz vor der Fusion und in Kombination mit Demon Sources, kann man mit ein wenig Geduld individuell entscheiden, welche Fähigkeiten der neue Dämon von seinen Vorgängern erlernen soll.

Mich hat das Fusionssystem zig Stunden gekostet und es war immer wieder eine Herausforderung, sich sein perfektes Team zu erschaffen.

 

Kampfsystem

In Strange Journey hat man sich vom Press Turn Battle System verabschiedet, was eine enorme taktische Note vermissen lässt und ein weiterer Punkt war, den ich zuerst misstrauisch beäugt habe. Sp waren die ersten Fights recht eintönig. Das änderte sich aber bald.
So hat man stattdessen ein Demon Co-Op System eingeführt, welches dem Spieler ermöglicht bei einen Angriff auf die Schwäche seines Gegners, einen zusätzlichen Angriff mit Dämonen der selben Gruppierung auszuführen. Je mehr Dämonen also der gleichen Gruppierung angehören, desto höher der Schaden. Dabei bleibt das Ausnutzen der Schwächen und Stärken weiterhin wichtig, um mit stärkeren Gegnern klarzukommen. Denn das Spiel ist sofort vorbei, wenn der Hauptprotagonist stirbt.

Dieser nutzt Items, beschwört, geht in Verteidigung oder greift mit Schwert und Schusswaffe an, die wiederum verschiedene Fähigkeiten beinhalten. Diese Fähigkeiten sowie die Stärken und Schwächen werden einzig und alleine durch die Ausrüstung bereitgestellt und können nicht zusätzlich erlernt werden. Im Kampf können zum Ausgleich bis zu drei Dämonen gleichzeitig gerufen werden, die uns jeweils mit maximal sechs Fähigkeiten unterstützen können.
Bei einem erfolgreichen Stufenaufstieg könnt ihr Punkte auf verschiedene Attribute eures stummen Helden verteilen, während das bei euren Mitstreitern automatisch geschieht.
Höchstens bei der Verteilung und Änderung von Fähigkeiten habt ihr ein geringes Mitspracherecht.

Apropos Sprechen. Ein Balken, der sich zudem farblich ändert, zeigt euch den nächsten Zufallskampf an und die einzelnen Mondphasen bestimmen, wie gesprächig die Dämonen sind. Denn wenn ihr einen Dämonen ansprecht, könnt ihr mit den richtigen Antworten und einigen Geschenken euren ehemaligen Feind in euer Team rekrutieren. Bei einer Auswahl von bis zu 300 Dämonen ist somit für Abwechslung gesorgt, doch nicht immer meint ein Dämon es ehrlich mit euch. Vielleicht zocken die euch ab, fliehen oder sobald ihr Gnade zeigt, schlagen diese hinterhältig zurück.

Shin Megami Tensei: Strange Journey Kampf

Noch unbekannte Dämonen werden dafür als Nebelwolke dargestellt und erhalten erst nach erfolgreicher Schlacht eine Form. Danach wird der Dämon Stück für Stück analysiert. Und dann gibt es noch einen Dämonendetektor, der sich mehrfach aufrüsten lässt. Diese nette Funktion zeigt euch die selteneren Formas und Dämonen an. Wenn man aber richtig Pech hat und sich einem so entdeckten unbekannten Gegner stellt, kann es passieren, das man schnell den Game Over-Screen bestaunt, wenn sic hinter der Nebelwolke ein 20 Level höherer Dämon verbirgt und plötzlich die gesamte Gruppe mit einen Angriff auslöscht.

Ach ja, wer sich nach einen anstrengenden Dungeonbesuch in seiner Basis heilen möchte, muss ebenfalls dafür zahlen, denn in diesem JRPG ist nichts umsonst außer der Tod und ist der Schwierigkeitsgrad recht knackig.

Unterm Strich muss ich gestehen, dass mir das Press Turn Battle System in Strange Journey nicht gefehlt hat. Die Co-Op Angriffe sind vielleicht nicht genau so taktisch wertvoll, doch das macht die Kämpfe eine Ecke härter und bildet damit eine gelungene Alternative.

 

Welches Ende darf es sein?

Wie in den meisten anderen Ablegern auch, bietet Strange Journey den Spieler drei verschiedene Endings. Welches Ende ihr erreicht hängt von euren Entscheidungen, die ihr im Spielverlauf treffen müsst, ab und dient jeweils ein Nebencharakter für einen Pfad. Dabei sei erwähnt, dass es kein Good oder Bad Ending gibt, sondern nur andere Ansichten. Welche man davon teilt muss man selber entscheiden und es kann die Wahl zwischen Law, Neutral oder Chaos getroffen werden.

 

Trailer

 

Fazit

Strange Journey ist eine Hommage an die älteren Megami Tensei Teile und einer der weniger bekannten SMT Teile, wie mir scheint. Etliche Stunden an einem Dungeon zu sitzen, ist hier keine Seltenheit und diese sind gemeingefährlich mit all den Fallen und Gegnern. Das Spiel bietet also einen anspruchsvollen Schwierigkeitsgrad und fordert heraus. Es hat Suchtpontenzial² und hat mich mit der Suche nach Quests, Formas und Dämonen über 74 Stunden gefesselt und zeigt erstaunlich gut, wie sehr ein Spiel in vielen Bereichen punkten kann, auch ohne Sprachausgabe, geniale Grafik oder auf Hochglanz polierten Zwischensequenzen.

Die Handlung empfand ich als erfrischend unverbraucht und das überarbeitete Kampfsystem konnte nach einigen wenigen Stunden überzeugen. Dieser Teil darf meiner Meinung nach ganz oben bei den SMT Teilen mitspielen und stellt die restlichen neueren JRPGs nahezu vollständig in den Schatten. Das Strange Journey dabei sehr eigenwillig daher kommt steht außer Frage, doch mein Geschmack wurde damit direkt getroffen.

Pro Kontra
  • Spannende Handlung, die ein gewisses Maß an Gesellschaftskritik - neben den Serien bekannten Themen - durchschimmern lässt.
  • New Game+
  • Drei unterschiedliche Endings
  • Fesselnde Dungeons
  • Faires aber hartes Kampfsystem
  • Sehr umfangreich
  • Gelungener Mix aus Grafik und Sound
  • Facettenreiches Fusionssystem
  • Keine Vertonung
  • Dungeons an einigen Stellen zu heftig