Final Fantasy X

Cover von Final Fantasy X

Review

Ähnlich wie seinerseits bei Final Fantasy VII auf der PlayStation, waren auch die Erwartungen von Final Fantasy X, als erstes Final-Fantasy-Spiel auf der PlayStation 2, sehr hoch. Um eines gleich vorwegzunehmen: Final Fantasy X kann diese Erwartungen erfüllen, wenn auch mit kleinen Abstrichen.

So ist die Grafik, ganz ohne Übertreibungen, wahrhaft sensationell. Man steuert den Blitzballer Tidus (Blitzball ist eine Mischung aus Fuß- und Handball, nur unter Wasser) durch die, komplett in Echtzeit berechnete, Welt Spira. Die Lichteffekte, Umgebungen und architektonischen Leistungen sind wirklich sehr schön. Leider kann man die Kameraposition nicht verändern, und die Monster sind nach wie vor nicht auf dem Spielfeld sichtbar. Aus Fairness sollte man aber erwähnen, dass auch die PlayStation 2 noch nicht komplett ausgereizt ist, und man so eventuelle Ruckler - die den Spielspaß bei weitem mehr gebremst hätten, als genannte fehlende Features - geschickt umging. Die Charaktere sehen besonders gut aus, auch wenn die Animationen ab und an doch ziemlich steif wirken. Dies sind aber Faktoren, die den Spaß und Gesamteindruck nicht unbedingt schädigen.

Neben der Grafik, die zwar eindeutig sofort das Auffälligste ist, bietet Final Fantasy X aber wieder eine packendere Geschichte. Während jene im letzten Teil der Saga zweispältige Meinungen hervorrief, ist der zehnte einen Großteil des Spieles über spannend, und lässt immer wieder Fragen offen, die zum Weiterspielen motivieren. Mit der Mannschaft um Yuna hat Square auch einen echten Glücksgriff gelandet. So kann man keinen der Charaktere als schlecht, oder grob oberflächlich konstruiert bezeichnen. Teilweise gehen sie sogar im Verlauf eine Entwicklung ein, die aber sicher hätte stärker ausfallen können, denn wenn Wakka anfängt, an den Lehrsätzen Yevons zu zweifeln, ist das zwar ganz nett, aber nicht wirklich tiefgründig. Diesen Punkt hätte man bestimmt besser machen können, aber es steht zu bezweifeln, ob er tatsächlich viele Spieler stört.

Nachdem nun die Grafik und die Story behandelt wurden, muss man den dritten der wichtigen fünf Kritikpunkte betrachten: das Kampfsystem. FFX hat sich von den ATB-Kämpfen distanziert, was ein enormer Schritt nach vorne war, und ein rundenbasiertes System eingeführt, bei dem man sich alle Zeit der Welt, bzw Spiras, lassen kann. So sind die Charas und Monster der Reihe nach dran, und je nachdem, welche Aktion sie ausführen, sind sie in der nächsten Runde eher, oder später am Zug. Es ist dem Spieler möglich, jederzeit auf diese Verteilung Einblick zu nehmen, und seine Angriffe mehrere Runden im voraus zu planen. Eine weitere, sehr positive Möglichkeit, ist das direkte Einwechseln nicht am Kampf beteiligter Partymembers. Es ist also möglich, mit allen 7 Charakteren zu spielen, anstatt wie in den vorherigen Teilen nur mit den 3 oder 4 vorher ausgewählten. Direkt am Kampfgeschehen beteiligt sind in FFX übrigens jeweils 3 Kämpfer, steht dann der Chara der Wahl auf dem Schlachtfeld, gibt es genügend Aktionen, die getätigt werden können. Neben dem normalen Angriffs- und Magierepertoire stehen besondere Fähigkeiten der jeweiligen Person zur Verfügung, diese hängen von dem Ausbau des Charakters auf dem Sphärobrett ab.

Eine besondere Bedeutung kommt den Bestia zu. Sie können nicht nur über mehrere Runden angreifen, sondern sind ebenfalls in der Lage zu zaubern, Spezialtechniken anzuwenden, und wie die Charas Ekstase-Techs (ähnlich den Limits aus FFVII) auszuführen.

Aufgrund seiner vielzähligen Möglichkeiten gehört das Kampfsystem von FFX zu den besten der Saga.

Immer mehr Bedeutung in den Spielen kommt heute der akustischen Umsetzung zu. Aus diesem Grund, und dem Versuch, eines komplett neuen Elements in der Geschichte von Final Fantasy, bauten die Entwickler eine Sprachausgabe ein. Deutsche Spieler kommen leider nicht in den vollen Genuss ihrer Sprache, sondern müssen sich mit dem Englischen zufriedengeben. Dabei ist etwas unglücklich, dass die FFX-Untertitel aus der japanischen in die deutsche Version übersetzt wurden, die englische Sprachausgabe aber doch eher frei übersetzt wurde. So kommt es teilweise zu unschönen Disharmonien zwischen den beiden Komponenten, diese sind aber insgesamt nicht ausschlaggebend. Positiv wirkt sich die Synchronisation der Dialoge auf den Storyverlauf aus, der nun ähnlich einem Kinostreifen mit Kameraschwenks und innovativen Szenarien daherkommt, was ohne Sprachausgabe kaum möglich, oder zumindest unschön gewesen wäre.

Der Soundtrack des zehnten Teils fügt sich prima in das Spiel ein, kann "stand alone" aber nicht überzeugen. Das liegt daran, dass die Titel sehr gut in das aktuelle Geschehen und die Handlung hineinspielen, aber aufgrund fehlender Abwechslung beim bloßen Hören etwas einfallslos wirken. Zu bemängeln ist das Battle-Theme, das arg langweilig ist. Sehr innovativ ist hingegen das Metal-Stück "Other World". Jenes kann echten Metal-Veteranen zwar nur ein müdes Lächeln abgewinnen, passt aber gut ins Spiel.

Die PAL-Anpassung, das leidige Kind Squares. Zwar ist die Anpassung nicht so schlecht, wie sie behandelt wird, demjenigen der es sich nicht einbildet sie zu sehen, der wird sie sicher gar nicht groß bemerken, aber sie ist in der Tat vorhanden. Das größte Manko sind wohl die PAL-Balken, die das gesamte Bild drücken, und alles etwas rundlicher erscheinen lassen. Wie erwähnt, es ist nicht wirklich dramatisch, und wenn man keinen Bezug zu einer anderen Version herstellen kann auch nicht auffällig, aber sicher etwas, an dem Square noch arbeiten muss.

Fassen wir also zusammen: Final Fantasy X, das erste Final Fantasy auf der PlayStation 2, kann auf den Gebieten Story, Grafik und Kampfsystem überzeugen; der Soundtrack ist passend, die Sprachausgabe für uns Deutsche leider nicht allzu perfekt, und die PAL-Anpassung ziemlich daneben, obwohl sie sicher dem einen mehr ins Auge sticht als dem anderen. Stellt man diese Faktoren gegenüber, so ist FFX zweifellos ein überzeugender Final-Fantasy-Titel, der es an Technik und Tiefe mit allen anderen bisher erschienen Saga-Teilen zumindest aufnehmen kann. Wer von beiden dann jeweils gewinnt, muss jeder für sich entscheiden.