Final Fantasy VI

Cover von Final Fantasy VI

Review

Die Story

Mit dem sechsten Teil der Saga merkte man Square nun endgültig an, dass sie eine cineastische Art des Storytellings beabsichtigten. Durch Final Fantasy VI wurde der Serie in diesem Aspekt ein großer Schritt nach vorne geschenkt. Es geht um den War of the Magi. Die Magi waren die drei Götter Doom, Poltergeist und Goddess, die mit unvorstellbarer Macht einen magischen Krieg gegeneinander führten.

Jeder unbedeutende Mensch, der ins Kreuzfeuer dieser Magie geriet, wurde selbst in ein magisches Wesen mit besonderen Fähigkeiten verwandelt, welche später Esper genannt werden würden. Doch schon bald realisierten die Magi, dass die von ihnen erschaffene Welt und alles darauf existierende zu Grunde gehen würde, wenn sie den fürchterlichen Krieg nicht auf der Stelle beenden. Vernünftigerweise taten sie das dann auch, indem sie sich alle drei in eine steinerne Statue mit all ihrer magischen Energie auf einer Insel versiegelten. Die verzauberten Esper taten dem nach einigen Jahren ganz ähnlich, als sie bemerkten, wie die Menschen ihnen wegen ihrer magischen Kräfte nach dem Leben trachteten. Sie erschufen sich ihre eigene Dimension und versiegelten den Eingang, um in Frieden leben zu können...

Eines Tages findet sich das menschliche Mädchen Madonna Branford hinter dem Eingang in der Dimension der Esper wieder. Sie wird von dem Esper Maduin gefunden und versorgt, bis sich beide verlieben und ein Kind namens Terra geboren wird.

Doch die Menschheit hatte nicht gelernt. Der Anführer des Imperiums, Imperator Gestahl, macht das Gate ausfindig und bricht das Siegel. Er möchte um jeden Preis die Kräfte der Espers für seine dunklen Zwecke missbrauchen. Noch bevor er alle von ihnen einfangen konnte, schafft es der Älteste der Esper, den Eingang erneut zu versiegeln, jedoch werden auch Madonna und ihr Baby Terra geschnappt. Naiverweise vertraut Madonna in ihren letzten Atemzügen Gestahl ihr Kind an und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Auch die Hintergrundstories wurden zusehens länger. Auch hier weiß man zu Anfang des Spiels nichts von alledem und kommt nach und nach hinter die erschreckende Wahrheit, besonders was die Experimente des Imperiums angeht. FFVI spielt ca. 20 bis 30 Jahre nach diesen Ereignissen. So sehr es anfangs darum geht, wie das Imperium auf der Suche nach den Esper dabei ist, die Fehler von damals zu wiederholen und eine junge Rebellengruppe in einer verwüsteten Welt dagenen ankämpft, ist das nur die eine Seite der Medaille. Die Entwicklung des Plots geht dahin, dass Kefka, die rechte Hand Gestahls aufgrund seines Magi-Überflusses aus seiner Kindheit und der Freude am Schmerz und Leid anderer langsam aber sicher größenwahnsinnig wird, seinen Imperator tötet und die drei heiligen Statuen aus dem Gleichgewicht bringt, die die Welt zusammenhalten. Das ganze artet in einem spektakulären Armageddon aus, herübergebracht durch eine Reihe von tollen Effekten und den bewegenden Worten:

On that day, the world was changed forever ...

Der Planet wird so wie er war vernichtet und man kämpft für das, was noch davon übrig blieb und die Hoffnung, die langsam dahinschwindet.

Die Besonderheit in dem gesamten Storygewusel von FFVI sind wohl, ganz im Gegensatz zum Vorgänger, die Charaktere. Es ist nicht wie in den meisten anderen FFs oder RPGs überhaupt, dass der Plot um eine Hand voll Figuren von Wichtigkeit aufgebaut ist. Nein, hier ist es gleich die ganze Party! Ganze 16 Charaktere gibt es, wovon die meisten, mal abgesehen von den geheimen Zusatzcharas, auch ihre eigene Geschichte und Motivation mitbringen, sei es aus einer verlorenen Liebe, auf der Suche nach Glück oder Rache, alles wird eingebaut. Square hat viel Wert darauf gelegt, das Spiel nicht zu sehr auf einige wenige Personen zu fixieren, sondern zur Abwechslung mal die Party als Ganzes zu betrachten und lediglich das Rampenlicht auf abwechselnd verschiedene Protagonisten zu lenken. Den Versuch kann man als durchaus gelungen betrachten, zumal man noch nichtmals klar einen Hauptcharakter in FFVI nennen kann. In der ersten Spielhälfte ist das wohl am ehesten noch Terra Branford, da sie den umfangreichsten Hintergrund hat. In der zweiten wechselt das dann eher auf die Ex-Commandantin des Imperiums, Celes Chere, über, die sich vor der Katastrophe den Rebellen anschloss.

Auch wurde jeder Charakter in irgendeiner Beziehung schonmal mit dem Imperium konfrontiert, was später noch bei FFVII eine wichtige Rolle spielen sollte. Es lief mal wieder auf die finale Schlacht gegen den Oberfiesling, hier Kefka, hinaus, gegen den man antritt, nachdem man seine Freunde in der sogenannten World of Ruin wiedergefunden (oder auch nicht) und sogar die drei wieder lebendig gewordenen Statuen besiegt hat.

Die Story von Final Fantasy VI war die damals beste der Serie und übertraf die von den ersten 5 Teilen, besonders wegen der bombastischen Inszenierung, um Längen. Auch kann man es ruhigen Gewissens als eine kleine Revolution des Genres betrachten, weil sich später viele Hersteller ein Beispiel daran nahmen. Typische FF-Elemente waren übrigens zu Hauf vorhanden, obwohl es, abgesehen von FFII, das erste Final Fantasy komplett ohne die altbekannten Kristalle war. Das "Alte Volk" manifestiert sich hier in der Rolle der Esper, welche die eigentlichen Summons in diesem Teil sind und hier die bisher größte Rolle in den Stories spielten.

Auch Chocobos, besonders aber die Moogles wurden ebensosehr eingebaut wie die Luftschiffe, eng verbunden mit der Backgroundstory des Charakters Setzer. Auch vom Umfang des Plots her wirkt Final Fantasy VI mit all seinen Details wesentlich größer im Vergleich zu den bisherigen Teilen und hat jede Menge Dramaturgie, Spannung und Tragik zu bieten.

Welches andere Spiel aus diesem Zeitrahmen behandelte schon Themen wie Rassenvernichtung, Jugendschwangerschaft und Selbstmord, das alles vor einem sozialkritischen Hintergrund?

Generell ist die Atmosphäre hier sehr dicht, im Vergleich zu den anderen Teilen allerdings auch ungewöhnlich düster aufgemacht. Der Abspann übrigens ist einer der schönsten der Videospielgeschichte und verlängert sich je nach dem, wie viele Charaktere man im Laufe der zweiten Spielhälfte eingesammelt hat.

Die Magie allerdings verschwand am Ende dennoch für ewige Zeiten vom Antlitz der Erde...

 

Das Spiel

Mit dem Erscheinen von Final Fantasy VI wurde ein neuer Stern am RPG-Himmel geboren - es setze damals neue Maßstäbe in vielerlei Hinsicht und war das bisher technisch aufwendigste RPG überhaupt.

Neben der filmreifen Inszenierung der Story ist der herausragendste Aspekt wohl der Soundtrack, welcher von einigen hartgesottenen Otakus als der beste der Videospielgeschichte bezeichnet wird; und das nicht ohne Grund. Stücke wie das wundervolle Maintheme, welches gleichzeitig auch Terras Theme ist, die Oper (!) Aria Di Mezzo CarattereIn Search of Friends oder Dancing Mad gelten heute als absolute Klassiker. Aber auch jedes noch so kleine Dungeon- oder Towntheme wurde mit Bedacht komponiert und ausgewählt, auch hier wieder mit dem meisterhaften Uematsu als Verantwortlichen.

Da das Spiel um 1994 erschienen ist, was ein recht spätes Alter für ein SNES-RPG darstellt (ein Jahr später kam schon Sonys Playstation auf den Markt), war auch die Entwicklung recht weit vorangeschritten. Demnach gehört die Grafik mit zu den besseren auf der Plattform und würde nur noch von einigen RPGs wie Seiken Densetsu 3 oder Star Ocean übertroffen werden, die schön anzusehenden Effekte und die großen Charaktersprites trugen ihr Übriges zu der Atmosphäre bei.

Leider konnten sich auch in diesem Teil einige von Nintendo verlangte Zensurmaßnahmen durchsetzen, allerdings hatte sich seit damals schon einiges getan. Auch die englische Übersetzung war trotz einiger Fehlgriffe noch um Längen besser gelungen als die von FFIV.

Das Gameplay wurde im Vergleich zum fünften Teil wieder stärker eingeschränkt, was angesichts der Storyintensität aber auch verständlich passender war. Es geht darum, von den im Spiel gefundenen Esper Magie zu lernen und diese unter den Charakteren aufzuteilen. Dazu gesellt sich das Relic-System, spezielle Abilities bekommt man durch simples Anlegen verschiedener Items. Außerdem verfügt jeder Charakter über eine auf die Figur zugeschnittene Spezialfähigkeit ähnlich wie in Final Fantasy IV, die sich im späteren Spielverlauf noch ausbauen lässt. Diese 3-Teilung ist vergleichsweise recht einfach gehalten und kommt an das 5er Jobsystem oder das Materiasystem des siebten Teils nicht heran, lässt aber andererseits viele Möglichkeiten für Schätze und Secrets zum Aufpowern der Spielfiguren offen, die von Square auch zu Genüge ausgekostet wurden. Nicht umsonst ist ein Großteil der Esper im Spiel versteckt und wird nicht zum Durchspielen benötigt. Von letzteren gibt es übrigens ganze 27 Stück, mehr als in keinem anderen Teil der Final-Fantasy-Serie.

Wie in der Storybeschreibung angedeutet, findet innerhalb des Spiels der Wechsel von World of Balance zur World of Ruin, nach dem Armageddon, statt. In den Resten der ehemals blühenden Welt gilt es nun unter rotem Himmel in einer ganzen Reihe von Subquests seine Kameraden wiederzufinden, bevor es in die letzte Schlacht, hier Kefkas Tower, geht. Diese Subquests sind rein optional, aber es gehört nicht nur einfach zum Spiel, sie durchzumachen, sondern man benötigt schon eine gewisse Truppenanzahl, um den letzten Dungeon inclusive Final Boss überstehen zu können.

Diese "Sidequests" hatten den Nachteil, dass sie sehr wohl die Story vorantrieben, indem sie meistens im Nachhinein erzählen, was früher passiert ist, nicht aber den eigentlichen Plot. Man sollte es dennoch tun, um viele Hintergründe des Spiels zu verstehen, die anders keinen Sinn ergeben hätten.

Selbst die Luftschiffe wurde in diesem Teil so stark erweitert, dass man sogar gewisse Manöver fliegen kann, der Mode-7-Technik sei dank ! Deutliche Anleien sind hier im Vergleich zwischen dem Falcon aus FFVI und der Highwind aus FFVII zu erkennen.

Das, was für FFVII die Turks und für FFVIII Rai-Jin/Fu-Jin sind, ist für VI die lila Krake Ultros. Der großmäulige Möchtegernbösewicht kehrt im Laufe des Spiels des öfteren wieder, nur um ein weiteres mal zu verlieren...

Das Design ist das gesamte Spiel über eine düster gehaltene Mischung aus SteamPunk und Fantasy, eher in Richtung SteamPunk gehend.

Der Umfang ist mit dem aus Final Fantasy V vergleichbar, wenn man allerdings alle Sidequests durchspielt kann es gut möglich sein, dass es noch so einige Stunden mehr in Anspruch nimmt.

 

Interpretation

Das Leitmotiv des 6. Teils ist Schuld, auch hier gibt es Belege zu Hauf. Allen voran das dunkle Imperium mit seiner erschreckenden Vergangenheit, aber auch viele der Partymitglieder bereuen Dinge, die sie u.a. in den zahlreichen Rückblicken falsch gemacht haben. Der Charakter Shadow bereut seine Vergangenheit sogar so sehr, dass er nie damit fertig wird und am Ende Selbstmord begeht, um endlich Ruhe finden zu können.

Auch das Logomotiv macht das deutlich. Es zeigt einen Magitek Armor der von Terra gesteuert wird, welcher wiederum symbolisch für das Imperium steht, das ja die Schuld in der Geschichte praktisch manifestiert.

 

Fazit

FFVI ist ein Meisterwerk und auch, wenn das Gameplay ein kleinwenig hinter der gut gemachten Story, dem grandiosen Soundtrack und der tollen Grafik hinterherhängt, sollte man es unbedingt mal gespielt haben, egal ob Retrogamer oder nicht.

 

Story.............4/5
Grafik............5/5
Gameplay....4/5
Sound...........5/5

 

Wissenswertes

Nummer 6 erschien am 2. April 1994 in Japan und diesmal recht schnell darauf als "Final Fantasy III" im Oktober in den USA, das letzte mal für das Superfamicom/Supernintendo. Schon in Japan ein großer Erfolg, war es in den USA das damals erfolgreichste RPG aller Zeiten.

Neuveröffentlicht wurde es neben dem Original-Release als...
- Re-Release 1998 für die PSX, nur in Japan
- in der FF Collection 1999 für die PSX, nur in Japan
- in der FF Anthology 1999 für die PSX, nur in den USA
- Europäische Erstveröffentlichung 2002 für die PSX

Weitere Remakes sind vorerst nicht angekündigt, Square hüllt sich was ihre Handheldpläne angeht, weiter in Schweigen.

Nintendo verweigerte Square damals die Spezialmodule mit mehr Fassungsvermögen und vergab diese unverständlicherweise sogar an die Konkurrenz, weshalb das eigentlich schon fertiggestellte FFVI gekürzt werden musste.

Das Spiel hat sich bisher japanweit ca. 2.700.000 mal verkauft.


Summonlist

Shiva, Ifrit, Bahamut, Ramuh, Alexander, Siren, Carbunkl, Odin, Raiden, Phoenix, Kirin, Unicorn, Sraphim, Starlet, Palidor, Maduin, Bismark, Shoat, Tritoch, Ragnarok, Terrato, Phantom, ZoneSeek, Golem, Stray, Fenrir
Ultimativer Summon: Crusader (insgesamt 27 Stück)


Traditionen

- Prelude/Prologue: Ja
- Kristalle: Nein
- Chocobos: Ja
- Moogles: Ja
- Luftschiff(e): Ja
- Cid: Ja (NPC)
- Jobsystem: Nein
- Klassische Black/White Mages: Nein


Infosheet

- erschienen auf 1 Cartrige Modul (24M)
- 16 Partymember (Maximum 4 im Kampf)
- ca. 50 Stunden Spielzeit
- Anzahl der Locations: 46
- Logomotiv zeigt die auf einem Magitek Armor reitende Terra
- Design: Steampunk und Klassische Fantasy, hauptsächlich Steampunk