Trinity: Souls of Zill O'll

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Review

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Das Spiel

Relativ unbemerkt und ohne jede Werbekampagne kam Anfang 2011 ein Spiel mit merkwürdigem Namen in Europa auf den Markt. Kritiken auf wenigen Onlineplattformen versprachen ein "Nier des Jahres 2011", was mich nach kurzem Überlegen und Ansehen einiger mehr oder weniger vielversprechender Gameplayvideos zu einem Kauf bewegte - aber auch, wenn es hier ebenfalls ums Verhauen zahlloser Gegner geht, stellte sich dieser Titel als grundverschieden zu 'Nier' heraus.
Als erster Teil der in Europa völlig unbekannten, da nie erschienenen, Zill-O'll-Reihe (Kenntnis der anderen Spiele nicht vonnöten) brachte "Trinity" auch gleich einen Genrewechsel mit sich - vom rundenbasierten Rollenspiel zum Action-RPG nach Art von Dynasty Warriors.

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Die Handlung

Ich bin mir nicht sicher, ob viele Leute ein Spiel kaufen würden, auf dessen Hüllenrückseite kein Wort zum Inhalt der Spielhandlung steht. Höchstwahrscheinlich würde ich es nicht tun - die Alternative wäre jedoch, dem potentiellen Käufer eine Handvoll Rollenspielklischees der ersten Stunde zu präsentieren: In der ersten Spielszene erlebt man, wie die drei Helden des Spieles gegen den bösen Herrscher eines Königreichs kämpfen - eine einführende Sequenz erklärt daraufhin die Hintergrundgeschichte: Da dem Herrscher des Königreichs von Dyneskal prophezeit wurde, dass er durch seinen Enkel sterben würde, lässt dieser kurzerhand seine schwangere Tochter töten, ohne zu merken, dass die Frau seines Sohnes in dieser Zeit ein Kind zur Welt gebracht hat. Als er es herausfindet, will er sowohl Sohn, als auch Enkelkind töten, was in ersterem Fall gelingt, während der kleine Areus mit seiner Mutter entkommt. Einige Jahre später kämpft Areus als Gladiator in der Arena von Liberdam - und hat natürlich eines getan: Rache geschworen für den Tod seines Vaters. Soweit verspricht die Handlung mal wieder überhaupt nichts neues, sondern klingt eher nach deutlichem "Klischee, komm raus". Interessanterweise rückt die Handlung daraufhin jedoch fast komplett in den Hintergrund und wird dem Spieler nur gelegentlich durch kurze Sequenzen oder Dialoge in Erinnerung gerufen.

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Gameplay

Was macht man nun mit einem Spiel, dessen Handlung so klischeehaft ist, dass selbst hartgesottene Ost-RPG-Spieler Reißaus nehmen und die auch ansonsten niemanden vor seine Konsole lockt? Man gibt ihm ein paar interessante Charaktere und stopft es mit Nebenaufgaben voll. Aus letzteren besteht eigentlich ein Großteil des Spiels: Diverse, teilweise schlauchartige Gebiete können aufgesucht, viele unterschiedliche Gegner besiegt und unterschiedliche Fähigkeiten erlernt werden.
Positiv fallen zuerst die Kämpfe im Spiel auf, wobei sie sowieso das sind, womit man den Großteil seiner Spielzeit verbringt. Es gibt drei steuerbare Charaktere, zwischen denen man im Kampf schnell per Knopfdruck wechseln kann und die jeweils unterschiedliche Fähigkeiten haben - Aureus kennt sich z.B. besonders gut mit Magie aus, während sein Begleiter Dagda dank seiner schwereren Statur eher auf starke, physische Angriffe ausgerichtet ist. Selene beherrscht dagegen schnelle Angriffe aus der Luft. Zwischen diesen drei Kämpfern zu wechseln (und es geht wirklich verdammt schell) verleiht den Kämpfen eine ordentliche Dynamik und es macht richtig Spaß, sich von einem Gebiet ins nächste zu Kämpfen, während unzählige Gegner deiner Klinge zum Opfer fallen. Das schnelle Kampfsystem, verbunden mit dem Einsammeln von Erfahrungspunkten, die tote Gegner hinterlassen, erinnert sogar ein wenig an 'Kingdom Hearts' (mit einem Hauch Dynasty Warriors) - und das war doch ziemlich unterhaltsam. Hinzu kommt hier noch, dass man Teile des Geländes nutzen kann, um Feinde zu erledigen - Gerüste können z.B. eingerissen und Steppenläufer (diese Strohbälle in Westernfilmen) in Brand gesetzt werden.

Dass quasi unzählige Aufgaben angenommen werden können, ist trotz der Eintönigkeit des Spielprinzips ein ungeheurer Motivator, denn es sorgt dafür, dass man oft immer nur noch schnell eine Sache erledigen will - um in Anschluss noch eine Palette Aufgaben zu übernehmen. Unglücklicherweise neigten die Entwickler des Spieles deutlich zum Recycling und es kommt sogar ziemlich häufig vor, dass man, um eine Aufgabe zu erledigen, in ein Gebiet geschickt wird, in das man schon fünfmal geschickt wurde. Da das Kampfsystem ziemlich Spaß macht, gleicht es das ein wenig aus, aber mit der Zeit fällt dennoch immer mehr auf, dass man immer wieder die gleichen Wege abläuft und dass auch neue Landschaften den bereits erkundeten irgendwie ... ähneln.

Auch wenn man die Gebiete, in denen gekämpft wird, verlässt, fallen einige Schwächen an diesem Spiel auf: Städte können nicht zu Fuß erkundet werden, sondern werden nur als eine Art Menü dargestellt, dass dir die Wahl lässt, z.B. ein Geschäft zu besuchen oder in eine Taverne zu gehen, um möglicherweise neue Aufgaben zu erhalten. Tavernen sind ganz interessant, wenn man etwas zur Hintergrundgeschichte des Spiels erfahren will (dazu gibt es sogar ein Glossar, in dem sich hinterher einiges sammelt), bieten aber ansonsten nicht viel und während Dialogen darf man sich mit 2D-Standbildern der Charaktere begnügen, die außerdem nicht vertont wurden (was, bei der kleinen Schrift, die hier verwendet wird, oft ärgerlich ist). Gelegentlich darf man sich auch ein paar animierte Sequenzen ansehen, denen dann Ton spendiert wurde - diese sind verglichen mit den stummen Dialogen aber deutlich in der Unterzahl. Dadurch wirkt die Handlung oft einigermaßen platt und farblos, zumal einigen Charakteren nicht besonders viel Persönlichkeit verliehen wurde.
Außerdem ist es in der Stadt noch möglich, Kämpfe in der Arena zu bestreiten, bei denen es ein Zeitlimit und Preise zu gewinnen gibt, was zu motivieren weiß, sich aber ansonsten nicht besonders von den anderen Kämpfen unterscheidet.

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Grafik & Musik

Was einige Spieler anfangs sicherlich böse aufstoßen wird, ist die Kameraperspektive, die ständig gegen dich arbeitet. Es ist wirklich keine Seltenheit, dass man einen Feind eingreift, dieser auf einmal aus der Kamera herausläuft und man ihn erst wieder angreifen kann, wenn man die Kamera entsprechend geschwenkt hat. Es gibt zwar die Alternative, einen einzigen Feind dauerhaft anzuvisieren (inkl. automatisch schwenkender Kamera), aber das wird bei den Feindhorden, die gegen den Spieler anrennen, auf Dauer lästig und zudem schwenkt die Kamera so schnell, dass man dabei gerne den Überblick über einen Kampf verliert ... oder direkt auf eine Wand guckt.

Graphisch ist "Trinity" ansonsten 'nett', aber wirklich keine Augenweide, denn man sieht dem Spiel nur zu leicht an, dass keine Unsummen in seine Entwicklung gesteckt wurden. Die statischen Graphiken sind nett gemacht und die Charaktermodelle teilweise nicht übel, aber ansonsten wirkt alles so, als wäre es schon vor ein paar Jahren entwickelt wurden und Dungeons fehlt zudem die Abwechslung.

Die Musik im Spiel ist durchaus in Ordnung, denn es gibt einige Titel, die wirklich nett anzuhören sind - vor allem in den Städten bekommt man eine ansprechende Vielfalt zu hören. Sobald man jedoch offenes Gelände betritt, wird man von der immer gleichen, dudelnden Kampfmusik zugedröhnt, die oft aus nur einer Strophe und drei Tönen zu bestehen scheint. Was die Vertonung von Gesprächen angeht, haben sich die Entwickler jedoch größtenteils Mühe gegeben - auch, wenn man diese Gespräche nur selten hört.
Zu bemerken ist an dieser Stelle vielleicht noch, dass die Gespräche in Englisch ablaufen, das Spiel aber auch ansonsten nicht für Deutschland lokalisiert wurde.

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Trailer

 

Fazit

Auch wenn "Trinity: Souls of Zill O'll" keinesfalls mit dem brillianten 'Nier' von 2010 zu vergleichen ist, ist es ein unterhaltsames Action-RPG, an dem vor allem ein wirklich dynamisches Kampfsystem überzeugt, das das Besiegen großer Gegnerhorden zu einem großen Spaß macht. Auch die Möglichkeit, unzählige Nebenaufgaben zu erledigen, motiviert auf Dauer sehr - und es ist wirklich viel zu tun. Das geringe Budget, das hier einfloss, lässt einige Teile des Spiels zwar veraltet und repetitiv wirken, wer jedoch Spaß an Action-RPGs hat, gerne seine Charakere auflevelt und Quests erledigt und dabei auf eine ultramoderne ansprechende Präsentation verzichten kann, auf den warten einige Stunden Spaß mit "Trinity".