Final Fantasy IV

Cover von Final Fantasy IV

Review

Das Spiel

Nachdem Square mit Final Fantasy III einen würdigen Abschluss für die Final Fantasy Reihe auf dem NES abgeliefert hatte wechselte man 1991 mit dem Franchise auf die neue Nintendo Konsole über, dem Super Nintendo. Einige Zeit nachdem Final Fantasy IV in Japan erschienen war wurde eine zweite Version des Spiels veröffentlicht, in dem einige Szenen aus dem Originalspiel entschärft und die Anzahl der Fähigkeiten und Zufallskämpfe gesenkt wurde. Sie erschien dort als „Easy Type Version”, die für jüngere Spieler bestimmt war. 

Dreisterweise wurde diese Version für die US-Version des Spiels benutzt. Ebenso kritisierungswürdig ist die Übersetzung: Wie im ersten Final Fantasy scheinen die Charaktere alle nur gebrochenes Englisch reden zu können. Da in Amerika nur Final Fantasy veröffentlicht wurde und Teil II und III in Japan blieben, kam Final Fantasy IV unter dem Titel Final Fantasy II heraus, um das amerikanische Publikum nicht zu verwirren. 

Später wurde die japanische Originalversion für die PlayStation konvertiert und dort mit zwei Rendersequenzen versehen. Es erschien als Einzelspiel und zusammengefasst mit den PlayStation Remakes von Final Fantasy V und VI als Final Fantasy Collection in Japan. Zusammen mit Chrono Trigger erschien diese Version von Final Fantasy IV als Final Fantasy Collection auch in den USA, nur um schlussendlich zusammen mit Final Fantasy V auf der Final Fantasy Anthology endlich auch in Europa zu erscheinen, zehn Jahre nach dem japanischen SNES-Release! 

Leider kann man die PlayStation Version von Final Fantasy IV aufgrund der langen Ladezeiten mehr oder minder knicken. Glücklicherweise ist mit Final Fantasy IV Advance eine überarbeitete und lokalisierte Fassung des Titels für den Gameboy Advance erschienen. Für die Virtual Console der Wii ist inzwischen auch die amerikanische SNES-Fassung des Spiels erhältlich, sogar unter dem irreführenden Titel Final Fantasy II. 

Soviel zur verschlungenen Veröffentlichungshistorie, kommen wir zum eigentlichen Spiel: Grafisch hat sich einiges verbessert, alles ist etwas detaillierter und farbenfroher geraten als beim Vorgänger. Besonders der Kampfbildschirm wartet mit vielen schönen Effekten und einem Hintergrund, der jetzt endlich den gesamten Kampfbildschirm ausfüllt, auf. Dagegen erinnern die Charaktersprites und die Städte noch an die NES Zeit. Insgesamt ist die Grafik von Final Fantasy IV dafür, dass es Squares erstes SNES Spiel war, aber recht gelungen. Nur aus heutiger Sicht ist sie natürlich schon ziemlich angestaubt. Aber ein echter Fan wird sich wohl kaum daran stören. Über die Musik sind nicht viele Worte zu verlieren: Uematsu hat hier wieder ganze Arbeit geleistet und einen klassischen Final Fantasy Soundtrack abgeliefert. 

Neben der Grafik haben sich noch viele andere Dinge geändert: Dazu gehört natürlich erstmal das Kampfsystem. Jeder Charakter ist einer bestimmten, nicht veränderbaren Klasse zugeordnet, dazu hat jeder noch neben den Befehlen Angriff und Item einige Spezialbefehle (in der japanischen Version sind es mehr als in der US-Version). Magie können nur einige Charakter benutzen, neue Sprüche werden schlicht durch Levelaufstieg erlernt. Magieläden wie in den Vorgängern gibt es nicht mehr. 

Erstmals in der Reihe taucht hier auch das Active Time Battle System auf, das heißt, dass die Kämpfe nicht mehr rundenweise basiert sind, sondern in einer Art von Pseudo-Echtzeit ablaufen. Das Ganze macht die nicht mehr ganz so zahlreichen Zufallskämpfe wesentlich spannender. Dazu muss man auch nicht mehr so viel aufleveln wie in den bisherigen Teilen, was Final Fantasy IV ein sehr flüssiges Gameplay verleiht. Eine Besonderheit bei dem Spiel ist, dass man hier fünf Charaktere auf einmal in der Party haben kann. 

In Sachen Charaktere und Story hat sich Final Fantasy IV weiterentwickelt: Die Anzahl der Hauptcharaktere wurde auf zehn aufgestockt, von denen jeder auch eine eigene Hintergrundgeschichte hat. Leider sind davon nicht alle brauchbar, da einige Charaktere fast nur aus typischen Fantasy Klischees bestehen. Ähnlich verhält es sich mit der Story: Die ursprünglich simple Kristallstory wurde mit überraschenden und tragischen Wendungen bereichert, etwas Kitsch und Trash ist aber immer noch vorhanden. Dazu zählen die übertrieben vielen „Ich-opfere-mich-für-das-Gute”-Szenen (die wenige Spielstunden später durch „Hey-ich-lebe-ja-doch-noch”-Szenen ergänzt werden) und eine äußerst dreiste Star Wars Anleihe für den Bösewicht. Ob man nun die Klischees im Charakterdesign und den Kitsch in der Storyline schwach oder absolut kultig findet bleibt aber Geschmackssache. Für die damalige Zeit war die Geschichte auf jeden Fall ambitioniert.

 

Fazit

Der SNES-Einstieg ist den begabten Jungs von Square durchaus gelungen. Wer über angestaubte 16-Bit Grafik, eine scheußliche Übersetzung und einige Schwächen in Charakterdesign und Story hinwegsehen kann, genießt mit Final Fantasy IV einen sehr unterhaltsamen und heute kultigen Teil der Reihe. Es lohnt sich definitiv, in aktuellere Portierungen des Klassikers reinzuschauen.