Final Fantasy II

Cover von Final Fantasy II

Review

Das Spiel

Nach dem großen Erfolg von Final Fantasy in Japan und den USA folgte 1988 der Nachfolger. Trotz des Erfolges im Ausland beschloss man bei Square, den zweiten Teil nur in Japan zu veröffentlichen. Final Fantasy II zeigte schon, dass Square recht experimentierfreudig ist und setzte schon die Tradition fest, dass es in jedem Final Fantasy Teil eine neue Spielwelt, neue Charaktere, eine neue Story und natürlich auch ein neues Kampfsystem gibt. Des Weiteren gab es in Final Fantasy II die ersten Todes- und Liebesszenen zu sehen, den ersten Chocobo gab es zu entdecken und es tauchte auch zum ersten Mal ein Herr namens Cid auf. Wie einige schon gemerkt haben taucht seitdem in jedem weiteren Teil immer eine Person mit diesem Namen auf.

 

Grafik und Sound

Die technischen Änderungen gegenüber dem Vorgänger sind nicht sonderlich groß. Die Grafik ist etwas detaillierter und im Kampfbildschirm werden Statuswerte, Gegner, Helden und Kampfmeldungen nicht mehr wie in Final Fantasy durch einzelne Rahmen abgetrennt. Wie in den folgenden Final Fantasy Teilen ist unten lediglich ein Fenster zu sehen, in dem man die Statuswerte der Charaktere einsehen und Befehle erteilen kann.

Der Soundtrack gehört zu den düsteren der Reihe, daher finden sich nicht mehr so viele entspannte und lockere Stücke wie im Erstling. Dafür passt die Musik sehr gut zu der bedrückenden Stimmung, die im Spiel vorherrscht, doch dazu später mehr. 

 

Gameplay

Die gravierensten Änderungen fanden im Kampfsystem statt: Das Levelsystem wurde komplett abgeschafft, man kriegt für gewonnene Kämpfe also keine Erfahrungspunkte mehr. Stattdessen muss man alle Werte einzeln hochpowern, je nachdem wie und mit welchen Konditionen man die Kämpfe meistert steigen bestimmte Werte: Wer von den acht Waffentypen immer nur einen Typ einsetzt, wird immer geschickter im Umgang mit dieser Waffe, der Waffenlevel steigt und man kann damit mehr Schaden anrichten als mit den anderen Waffen. Gleiches gilt natürlich auch für Zauber, deren Level nach überwiegendem Einsatz steigen. Je nachdem, ob man öfter mit der Waffe zuschlägt oder lieber zu Zaubern greift, steigt auch der Stärke- oder der Intelligenz Wert. Allerdings können diese Werte auch fallen: Stetiger Stärkeanstieg wird nach einer Weile durch eine Senkung der Intelligenz bestraft, während überwiegender Einsatz von Magie zur Senkung des Stärkewertes führt. Klingt interessant, allerdings kann es auch ziemlich ärgerlich sein, zum Beispiel wenn einem Magier mitten in einem Dungeon die MP ausgehen, er dann im Kampf auf seine Waffe zurückgreifen muss und ihm deshalb dann gleich der Intelligenz Wert gesenkt wird. Ebenfalls entscheidend für die Wertesteigerung sind die Bedingungen im Kampf: Ein Held mit niedrigen HP und MP bekommt zum Beispiel viel eher eine Steigerung der maximalen HP und MP als ein völlig geheilter Charakter, so muss man beim Aufleveln möglichst viele MP verbraten und auf seine eigenen Leute zu schlagen, damit ihr HP Wert sinkt (das geht natürlich auch, indem man Treffer vom Gegner einsteckt, was nebenbei den Vitalitätswert steigen lässt. Allerdings machen die Gegner so wenig Schaden, dass es schneller geht, wenn man seine eigenen Leute angreift).

Das Ganze klingt sicher originell, das Leveln gestaltet sich aber im Endeffekt genauso stumpfsinnig wie im Vorgänger. Wenn man dann noch den hohen Schwierigkeitsgrad dazu nimmt ist das Gameplay ein ganz schön harter Brocken. Zumindest wurden die Zufallskämpfe etwas erträglicher gemacht als im ersten Final Fantasy. Die sind zwar noch genauso zahlreich vorhanden und Helden, deren anvisiertes Monster flieht oder von einem anderen Partymitglied getötet wird, schlagen immer noch fehl, dafür ist die Wahrscheinlichkeit geringer, einen Gegner nicht zu treffen. So können sich die Kämpfe nicht mehr so in die Länge ziehen wie im Vorgänger. Die Helden halten jetzt auch mehr aus und man braucht nicht mehr mit 99 Heal Potions durch die Gegend zu laufen, um unterwegs die HP aufzufrischen. Auch Pures sind überflüssig geworden, da Vergiftungen nur einige Runden andauern und nach dem Kampf auch wieder kuriert sind. Ein weiteres gutes Merkmal am Final Fantasy II Kampfsystem ist, dass die Klassen nicht mehr vorgegeben sind. Man kann eigentlich jeden Charakter zu einem Krieger oder Magier machen, ebenso sind Allrounder möglich, die ganz gut zuschlagen können und die Party gleichzeitig mit Magie unterstützen können. In Final Fantasy II gibt es noch ein Feature, das in keinem anderen Final Fantasy Spiel vorkommt (obwohl man es zu einem durchaus interessanten Spielelement hätte weiterentwickeln können): Bei bestimmten Dialogen taucht ein Menü mit den Befehlen Speak, Learn und Item auf, mit denen man die Dialoge beeinflussen kann. Mit dem Learnbefehl kann man sich Stichwörter und Themen merken, die in dem Dialog vorkommen und andere Leute mit dem Speakbefehl auf diese Themen ansprechen. Dann gibt es natürlich noch den Itembefehl, mit dem man einer Person ein Item zeigen oder geben kann. Damit lassen sich bei manchen Personen bestimmte Effekte erzielen, meistens ist der Einsatz dieses Systems auch zum Weiterkommen erforderlich.

 

Die Geschichte

Kommen wir nun zur Story. Es geht um das Paramekh Imperium, das mit einer Dämonenarmee die ganze Welt beherrschen will. Um das zu verhindern hat sich unter der Führung von Sarah eine Rebellengruppe formiert, die gegen das Imperium vorgeht. In diesen Kampf verwickelt werden die vier Waisenkinder Frioniel, Guy, Maria und Lionheart, die bei einem Angriff auf die Stadt Phin nach Altea fliehen und dort von den Rebellen in Sicherheit gebracht werden. Nach kurzer Zeit stellt sich heraus, dass Marias Bruder Guy verschwunden ist. Schnell steht für die Helden fest, dass sie den Rebellen beim Kampf gegen Paramekh helfen werden. Wie man sieht ist die Story um einiges komplexer als die simple „vier Helden werden kommen, das Böse vernichten und die Orbs wieder in ihrem ursprünglichen Glanz erstrahlen lassen&rdquo-Geschichte des Vorgängers. Auch die Charaktere haben sich etwas weiterentwickelt, sie haben jetzt alle Namen, schon etwas Hintergrundstory und endlich nehmen sie auch bei den Gesprächen teil, statt wie in Final Fantasy die ganze Zeit über zu schweigen. Final Fantasy II hat wohl den ersten, auf jeden Fall aber den düstersten „Rebellen gegen Imperium&rdquo-Plot, den ich kenne. Das Paramekh Imperium hat den Titel Evil Empire redlich verdient, es verursacht zahlreiche NPC-Tode (und im Gegensatz zu Final Fantasy IV bleiben die Leute auch tot) und rottet ganze Dörfer aus, gnadenloser wurde Krieg wohl in keinem anderen NES Rollenspiel dargestellt. Und gerade diese finstere Grundstimmung ist es, die die Final Fantasy II Story so interessant macht.

 

Fazit

Abschließend kann man sagen, dass die Reize von Final Fantasy II die dramatische Story und die Herausforderung ist, die durch den hohen Schwierigkeit entsteht. Auch die neuen Spielelemente sind recht interessant, aber insbesondere beim Kampfsystem sind diese nicht sehr ausgereift, was das Leveln ziemlich gewöhnungsbedürftig macht.