The Granstream Saga

Cover von The Granstream Saga

Review

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In dieser Welt sind zwischen Anfang und Ende
alle Ereignisse, Kapitel für Kapitel, im
Buch des Allmächtigen verzeichnet.
Und jedes einzelne der dort verzeichneten
Ereignisse entspringt dem Willen des Verfassers.
Die Seiten, aus denen jedes Kapitel besteht,
nennen wir Zeit.
Doch wer weiß, wann und ob die
Geschichte endet.
Und diese Welt nahm ein Ende...
wie ein Buch, das zugeschlagen wird...
Doch das Böse, das in dem Buch hauste,
zerfetzte das letzte Kapitel - und die
Wiederholung konnte beginnen...

 

Das Spiel

Das Spiel, das von einigen als der vierte Teil der Soul Blazer-Reihe bezeichnet wird. Mal sehen: Story über Schöpfung und Vernichtung? Ja. Echtzeit-Kampfsystem? Ja. So gut wie nutzlose Magie? Jein, mit deutlicher Tendenz zum Ja. Kurze Durchspielzeit? Ja. Sammel-Nebenquest? Ja. Hund namens Turbo? Nein. Nicht wirklich glückliches Ende? Das werdet ihr schon selbst sehen müssen ;). Hm, ob einem diese Gemeinsamkeiten reichen, um von einer Fortsetzung der SB-Reihe zu sprechen, muss wohl jeder selbst entscheiden.

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Die Story

100 Jahre vor Beginn des Spiels wurde die Granstream-Nebula (dabei scheint es sich um die Welt, in der TGS spielt zu handeln - allerdings muss man sich das nicht merken, nach dem Intro wird der Begriff nie wieder erwähnt, aber immerhin weiß man damit, woher der Name des Spiels kommt) von einem Krieg erschüttert. Das böse Imperium gegen die gute Allianz. Weil das Imperium am Verlieren war, setzten sie eine „von beiden Seiten geächtete” Superwaffe ein, die aufgrund eines Berechnungsfehlers einen Großteil des Planeten unbewohnbar gemacht hat. Jetzt besteht der Planet nur noch aus einem großen Meer und vier fliegenden Kontinenten, die magisch am schweben gehalten werden.

Das alles erfährt man bereits im Intro. Danach springt die Handlung in die „Gegenwart” und zu einem Jungen namens Eon, der als Waisenkind aufgefunden wurde und seither bei dem Archäologen und Magier Valos lebt. Die Welt steckt gerade in einer Krise, da die weisen Männer, die dafür zuständig sind, die Kontinente am schweben zu halten, verschwunden sind. Aufgrund dessen suchen die Menschen auf allen Kontinenten nach Möglichkeiten, den Absturz ihres Kontinents aufzuhalten. Außerdem scheint sich das Imperium wieder zu regen.

Der Grund, aus dem ausgerechnet Eon sich aufmachen muss, um die Kontinente vom Abstürzen abzuhalten und das Imperium aufzuhalten, liegt in einem Gegenstand, den Eon bei sich hatte, als er gefunden wurde: Sein Zepter, ein altes magisches Artefakt. Dieses Zepter hat ziemlich viele Funktionen. Es kann alle möglichen Gegenstände reproduzieren (und falls sie beschädigt sind, sogar reparieren), aus Steinen Zauber extrahieren, Eons Ausrüstung verwalten und noch ein paar andere Dinge.

Kurz nach Beginn des Spiels schließen sich Eon außerdem zwei Gefährten an: Arcia, die Nachfahrin eines der Weisen und die einzige, die den Kontinenten ihre Schwebekraft zurückgeben kann, und Laramee, ein Mitglied der Desbat-Piraten, die quasi einen Rebellengruppe im Kampf gegen das Imperium darstellen. Leider sind die beiden recht klischeehaft geraten. Arcia ist die kleine Miss „Wir sollten uns alle liebhaben statt gegeneinander zu kämpfen”, und Laramee soll wohl die harte Piratenbraut darstellen, kommt meistens aber einfach als launisch rüber. Darüberhinaus wäre da noch Korky, Laramees Haustier ein Geistertier, das den größten Teil des Spiels in Eons Tasche verbringt und damit zu kämpfen hat, dass jeder, der es zum ersten Mal sieht, es für einen einfachen Vogel hält. Obwohl Eon alles andere als ein stummer Held ist, bekommt man zuweilen durchaus das Gefühl, dass Korky mehr Text in dem Spiel bekommen hat, als Eon selbst.

Ebenfalls relativ früh erhält man sein Luftschiff, die Airlim, eine fliegende Festung mit einem eigenen Bewusstsein. Abgesehen davon, dass sie für das Schweberitual der Kontinente benötigt wird, dient sie auch als Eons Transportmittel während des Spiels.

Die Story entwickelt sich relativ vorhersehbar - man muss den Kontinenten ihre Schwebekraft zurückgeben und das Imperium davon abhalten, die Welt zu erobern. Erst ganz am Ende gibt es noch eine Storytwist, der die ganze Geschichte in einem anderen Licht erscheinen lässt. Leider kommt er aber zu spät, um den mäßigen Gesamteindruck der Story zu verbessern, und wirkt mehr wie am Ende noch hinzugefügt als wie eine lang vorbereitete Wendung.

Die Story ist nicht besonders neu und krankt leider auch an einer mäßigen Präsentation: Während des gesamten Spiels hat man nie das Gefühl einer großen Bedrohung. Vom Sinken der Kontinente bekommt man überhaupt nichts mit, und bei dem großen Imperium hat man weniger das Gefühl, es mit einer gewaltigen Armee zu tun zu haben als mit einer kleinen Bande von Soldaten, die gerne die Welt erobern würden, und zudem die meiste Zeit durch Abwesenheit glänzen. Einerseits haben sie ein Luftschiff, und andererseits eine Festung auf dem letzten Kontinent, den man erreicht. Und das war’s dann auch schon. Zwar versuchen sie an die Kristalle zu kommen, die sich in Eons Besitz befinden, und unter anderem für die Kontrolle der Airlim benötigt werden, aber warum das so ist, oder warum diese Truppen so gefährlich sein sollen, geht aus dem Spiel nicht wirklich hervor. Ein Beispiel: Gegen Ende flieht ein Deserteur vor seinen Kameraden und versteckt sich dazu in einem Gebäude, in dem sich auch gerade Eon befindet. Allerdings sieht man keinen einzigen der Verfolger, die dem Soldaten angeblich dicht auf den Fersen sind, und ein weiterer Deserteur, der schon länger da ist, läuft seelenruhig weiter in der Stadt herum.

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Gameplay

Wie bereits eingangs erwähnt verwendet TGS ein Echtzeit-Kampfsystem. Allerdings unterscheidet es sich in einigen Punkten von anderen Vertretern dieses Genres.
Zunächst einmal gibt es (sowohl für Eon als auch für die Gegner) zwei Werte für die Lebensenergie. Zum einen die HP, die ganz klassisch abnehmen, wenn man getroffen wird, zum anderen die LP. Jedesmal, wenn man seine sämtlichen HP verloren hat, kippt der Betroffene kurz um, steht aber gleich wieder auf und die LP-Leiste nimmt um eins ab, aber dafür werden die HP wieder auf den Maximalwert aufgefüllt. Um das ganze etwas anschaulicher zu machen: Wenn man 50 HP und 6 LP hat, hat man insgesamt 350 HP (die ursprünglichen fünfzig plus bis zu 6 Auffüllungen).

Wenn man Gegner besiegt, erhält man keine Erfahrungspunkte. Es gibt in TGS zwar ein Charakterlevel, aber dieses steigt nur an vorbestimmten Punkten in der Story. Ein solcher Levelaufstieg beschert die genreüblichen Boni auf HP, Angriffs- und Verteidigungskraft, wobei letztere nicht leicht zu verfolgen sind, da sie nirgendwo angezeigt werden (man kann lediglich die Werte seiner aktuellen Ausrüstung einsehen). Die LP lassen sich ebenfalls erhöhen, allerdings unabhängig vom Level durch sogenannte Kraftquellen, die man, ebenso wie neue Ausrüstung (Waffe, Rüstung und Schild), meist in Truhen findet.

Eine weitere (äußerst ärgerliche) Besonderheit ist, dass man außerhalb der Kämpfe nicht rennen kann. Ich weiß nicht, ob das Absicht ist, damit man den Gegnern nicht ständig davonrennt, oder es sich einfach um einen Designschnitzer handelt, aber auf jeden Fall nervt es im Verlauf des Spiels immer mehr, besonders, wenn man sich an gegnerfreien Orten befindet.

Zauber werden ganz klassisch mit MP bezahlt. Eon startet mit hundert, kann sie aber von Anfang an auf den Maximalwert von 999 erhöhen. MP steigen durch Magietränke oder (zufällig) nach Kämpfen.

Die Magie ist leicht durchwachsen. Zunächst einmal ist sie in Feldmagie und Kampfmagie unterteilt. Während die Heilzauber in beiden Varianten zur Verfügung stehen, sind offensive Zauber logischerweise dem Kampf vorbehalten. Zu den Feldzaubern gehören dann z.B. einer, der einen zum Eingang eines Dungeons zurückbringt oder einer, der als Schatztruhen getarnte Gegner enthüllt. Neue Zauber erlernt man entweder an vorgegeben Stellen der Handlung oder man kann sie in Truhen finden.

Die Kampfzauber sind anfangs recht mächtig, verlieren im Verlauf des Spiels jedoch zunehmend an Bedeutung. Zum einen steigen die Kosten äußerst hoch an (der mächtigste Kampfzauber verbraucht 300 MP), zum anderen kann jeder Zauber maximal sämtliche HP auf einmal abziehen, oder anders ausgedrückt: einen einzigen LP! Da die Gegner im Spielverlauf immer mehr LP zur Verfügung haben, bedeutet das logischerweise, dass man die Zauber immer öfter einsetzen muss, um damit etwas zu erreichen. Außerdem gibt es noch einen Grund, auf die Benutzung von Zaubern zu verzichten, auf den ich weiter unten eingehen werde. Abgesehen von den offensiven und Heilzaubern gibt es außerdem noch Supportzauber (wie z.B. Erhöhung der Angriffskraft oder Unverwundbarkeit für einige Sekunden).

Der Kampfbeginn läuft ähnlich ab wie bei Chrono Trigger: Sobald man auf der Karte einen Gegner berührt, zoomt die Kamera an das Geschehen heran und man beginnt mit dem Kampf. Dafür wechselt man nicht in einen separaten Kampfbildschirm, sondern bei dem Schlachtfeld handelt es sich um das ganz normale Gebiet, allerdings nur bis zu einem gewissen Umkreis um Eon herum. Diesen Bereich kann Eon nicht verlassen. Bei jedem der Kämpfe handelt es sich um einen Zweikampf, d.h. Eon tritt jedes Mal gegen einen einzelnen Gegner an, selbst wenn sich in einem Gebiet noch mehrere weitere Gegner befinden sollten. Eine Möglichkeit, aus einem begonnenen Kampf zu fliehen, existiert nicht.

An Waffen hat man die Auswahl zwischen Messern (schnell aber schwach und meistens mit Spezialfähigkeiten), Äxten (stark aber langsam) und Schwertern, die irgendwo dazwischenliegen und teilweise über elementare Eigenschaften verfügen. Messer sind hierbei die Klasse, die am schlechtesten wegkommt. Zwar sind sie am Anfang aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit nützlich, allerdings sind sie etwa ab der Mitte des Spiels so schwach, dass sich Kämpfe mit ihnen ewig hinziehen. Äxte hingegen leiden darunter, dass man mit ihnen nicht mehrere Schläge aneinanderreihen kann. Zusätzlich zur normalen hat man noch eine Rammattacke (wenn man mit genügend Abstand auf den Gegner zustürmt), die zwar keinen Schaden anrichtet, aber den Gegner bei dem unterbricht, was er gerade tut. Zuguterletzt gibt es Spezialtechniken, die besonders hohen Schaden anrichten, aber kompliziert einzugeben sind und eine Verzögerung haben, bevor sie starten, die die Gegner nutzen können, um den Angriff zu unterbrechen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Kampfsystems ist das Blocken. Die gute Nachricht ist, dass Eon (egal, welche Waffe er gerade trägt) immer einen Schild zur Verfügung hat, der praktisch alle Angriffe (sowohl physisch als auch magisch, die einzige Ausnahme bilden gegnerische Spezialattacken) des Spiels abwehren kann, wenn man in Abwehrstellung geht. Die schlechte Nachricht ist allerdings, dass nicht nur Eon über einen solchen Schild verfügt, sondern auch praktisch jeder Gegner im Spiel (bzw. eine andere Methode zu blocken)! Das führt oft dazu, dass die Kämpfe derart ablaufen, dass man mit erhobenem Schild wartet, bis der Gegner erfolglos angegriffen hat, dann schnell selber zuschlägt, aber selber nur den Schild des Gegners erwischt, und sofort wieder hinter seinem eigenen Schild in Deckung geht. Dadurch können sich die Kämpfe (besonders bei Gegnern, die häufig blocken) sehr in die Länge ziehen. Es gibt zwar eine einzige Spezialattacke, mit dem man Blocks durchbrechen kann, diese muss aber mit einer Axt ausgeführt werden und ist dementsprechend langsam, sodass die Gegner einen häufig unterbrechen, wenn man sie einzusetzen versucht.

Items findet man entweder in Truhen oder erhält sie von besiegten Gegnern. Zusätzlich zu den normalen Gegenständen, die man nach einem Kampf bekommen kann, gibt es noch die sogenannte Szepterkraft. Diese erhält man, wenn man einen Kampf gewinnt, ohne innerhalb des Kampfers die Waffen zu wechseln, Magie zu verwenden oder verwundet zu werden. Diese Szepterkraft kann man entweder öffnen oder belassen. Je mehr Kämpfe man am Stück gewinnt, ohne die Kraft zu öffnen, desto bessere Gegenstände erzeugt die Szepterkraft (darunter z.B. ein Gegenstand, der die MP auf 999 erhöht oder die Karten für das Sammelquest von TGS). Schafft man es allerdings nicht, einen Kampf auf die beschriebene Weise zu gewinnen, so löst sich die gesamte gesammelte Kraft auf und man erhält überhaupt nichts.
Grafisch hat TGS sowohl positive als auch negative Aspekte. Positiv zu erwähnen sind besonders die Zwischensequenzen in Animegrafik und die Charaktergesichter, die bei einigen Gelegenheiten in Gesprächen eingeblendet werden (seltsamerweise müssen selbst die Charaktere, die über Gesichtsgrafiken verfügen, in den meisten Gesprächen auf diese verzichten). Die eigentlichen Charaktermodelle gehören zu den eher negativen Eigenschaften. Die Charaktere wirken ein wie Legomännchen, auch wenn es nicht ganz so schlimm ist, wie etwa in Final Fantasy VII. Allerdings verfügt keines der Charaktermodelle über ein Gesicht. Wo diese sein sollten, ist bei sämtlichen Figuren einfach nur eine helle Fläche.

Einen großer Negativpunkt stellt die deutsche Lokalisierung dar, besonders die Sprachausgabe, die in den Zwischensequenzen sowie in einigen Gesprächen gegen Ende des Spiels zu hören ist. Die Charaktere sind weder passend besetzt, noch scheinen die Sprecher über allzu großes Talent zu verfügen. Daneben fallen die häufigen Fehler in den geschriebenen Texten auch nicht mehr weiter ins Gewicht.

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Trailer

 

Fazit

Eine klare Empfehlung für The Granstream Saga auszusprechen, ist schwer. Die Story ist (abgesehen von einer Wende gegen Schluss) ziemlich vorhersehbar, dem Kampfsystem fehlt es etwas an Dynamik und auch in anderen Aspekten kann das Spiel nicht gerade auftrumpfen. Zudem ist es recht kurz. Um es einmal durchzuspielen ist TGS ganz nett, aber zu mehr eigentlich nicht.