Threads of Fate

Cover von Threads of Fate

Review

Im Jahre 1999 versuchte sich Squaresoft an einem Spiel, das sich von den herkömmlichen RPGs unterscheiden sollte. Dies war die Geburtsstunde von "Threads of Fate", in Japan auch als "Dew Prism" bekannt. Die Story ist zwar teilweise etwas flach gehalten und sehr linear erzählt, jedoch entfaltet sich der eigentliche Reiz an dem Gameplay und der Charakterdarstellung.

Angefangen mit der Figurenauswahl bestimmt man die Storyline. Wählt man Rue, so erlebt man eine Geschichte voller Hoffnung, Liebe und Pflichtgefühl. Lustige Dialoge erlebt man höchstens in der Gegenwart von Mint, da beide sich im Spielverlauf des öfteren über den Weg laufen. So ernst und traurig Rues Geschichte auch beginnt, desto grotesker erscheint einem die Handlung, die sich um die junge Zauberin Mint strickt. Durch ihre tolpatschige Art und ihrem stetigen Wunsch, die Weltherrschaft an sich zu reißen, entpuppt sich ihre Suche nach dem [Relic] als das genaue Gegenteil zu Rue´s Part. Hat der Spieler das Spiel in der Rolle eines Hauptcharakters durchgespielt, so kann er mit selbigem Speicherstand ein neues Spiel mit dem zweiten Charakter anfangen. Bei erneutem Durchspielen behält man nun seine gesammelten Erfahrungswerte und fängt somit von Beginn an in hochgepowertem Zustand an.

Jeder der beiden Protagonisten hat eine besondere Fähigkeit, die ihm auf der Suche nach dem [Relic] von grosser Bedeutung sein wird. So hat Rue die Fähigkeit, sich in schon besiegte Monster zu verwandeln, und so von deren Fähigkeiten Gebrauch zu machen. Dafür sammelt er Monstercoins, die der Gegner im besiegten Status zurücklässt. Gleichzeitig kann Rue aber nur 4 aktive Monstercoins bei sich haben, da ein neu gefundener Coin den alten ersetzt. Mint, die ihre Wurzeln ja im Magiekönigreich "East Heaven" hat, wird im Spielverlauf immer neuere Magiearten erlernen und auch effektiv anwenden können. Derer gibt es insgesamt 7: Blau, Weiss, Rot, Grün, Schwarz, Gelb sowie Goldene Magie.

Um von den Fähigkeiten Gebrauch machen zu können, wird ein bestimmtes Mass an Zauberenergie (MP) vorausgesetzt. Die aktuelle MP steigt automatisch indem man Gegner erfolgreich attackiert, was den Gebrauch von Äther-ähnlichen Items überflüssig macht. Die maximalen MP steigen automatisch mit der gewonnenen EXP. Gleichermassen verhält es sich mit den Vitalwerten (HP). Alternativ kann man auch Items kaufen, die bestimmte Basiswerte erhöhen.

Die Graphik des Spiels ist für Playstation Verhältnisse relativ gut. Die Charaktere bestehen zwar aus recht wenigen Polygonen, jedoch wird dies durch das liebevolle Design schnell nebensächlich. Der grösste Teil der Umgebungsgraphik ist sehr detailliert und eine wahre Augenweide für RPG-Fans. Lediglich die Szenen unter freiem Himmel sehen etwas "vernachlässigt" aus, da dort teilweise das penetrant-monotone Himmelblau die Atmosphäre trübt.

Der Soundtrack ist fast immer der Situation angemessen, wenn auch des öfteren etwas nervig (Mel´s Atelier). Die meisten Songs sind sehr einprägsam und laufen somit Gefahr, schnell vom Spieler "überhört" zu werden.

Ein weiteres Manko stellt die kurze Spielzeit dar, bei der man mit 15 Stunden wirklich nicht der Schnellste ist. Allerdings bleibt einem ja die Möglichkeit, das Spiel mit dem anderen Charakter zu starten, worin sich eine leicht unterschiedliche Story offenbart. 
Die Schauplätze sind auch sehr begrenzt, und lassen sich an 2 Händen abzählen. Die einzige Stadt, die man in "Threads of Fate" betritt, ist Carona, von der aus man seine nächsten Aktionen plant, und man zu vorhergehenden Dungeons zurückkehren kann. Weiterhin existiert auch kein klassisches Level-Up System, wie bei Final Fantasy der Fall. Man erhält zwar für jedes erlegte Monster EXP, jedoch steigen die HP/MP-Werte mit der Zeit, ohne dass der Spieler davon sonderlich Notiz nimmt. Die zu kaufenden Items sind auch sehr begrenzt, und im Falle von Waffen oder Rüstungen werden diese automatisch angelegt und man ist selber nicht in der Lage, das Equipment zu tauschen.

Das Spielprinzip folgt dem eines Action-RPGs. Die Kämpfe finden in Echtzeit statt, sind aber nicht besonders schwer. Bis auf ein paar wenige Bossgegner sollte man auf keine grösseren Schwierigkeiten im Spiel treffen. Im Falle eines Game Overs hat man nahezu unendlich viel Continues. Geldprobleme dürfte man auch nicht so schnell haben, da jeder erlegte Gegner in der Stadt gegen ein Bündel Bares eingetauscht werden kann.

Fazit: Trotz der recht kindlichen Graphik, der linearen Storyline und dem einfachen Spielprinzip, bringt "Threads of Fate" frischen Wind ins RPG Genre. Die gut durchdachten Dialoge, die abwechslungsreich gestalteten Level, sowie das geniale Gameplay sollten "Threads of Fate" schon fast zu einem Pflichtkauf machen. Für fortgeschrittene Rollenspieler sehr leicht zu durchschauen, offenbart sich ein gutes Action/RPG, welches zwar keine Referenz darstellt, jedoch dem Spieler einige vergnügliche Stunden bereitet.