The Last Remnant

Cover von The Last Remnant

Review

The Last Remnant ist der neueste Streich aus der Schmiede von Square-Enix. Bei den Entwicklern handelt es sich jedoch größtenteils um Mitarbeiter, welche an den Teilen der "SaGa" Reihe gewirkt haben, was man im Spiel selbst deutlich wahrnehmen kann. Dies macht sich vor allem am relativ happigen Schwierigkeitsgrad, einem etwas anderen Kampfsystem und allgemein der Vielfalt an Möglichkeiten bemerkbar. Nichtsdestotrotz ist es ein eigenständiges Spiel bzw. eine neues Franchise, das bezüglich der Story keine Verbindungen zu SaGa hat.

In den nächsten Zeilen werde ich aber genauer auf die jeweiligen Punkte eingehen.

 

Story/Charaktere

Das Spiel beginnt mitten in einer großen Schlacht, in der Rush, der Protagonist, annimmt, seine Schwester Irina gesehen zu haben, welche vor kurzem von einer unbekannten Gruppe entführt wurde. Letztendlich gerät er selbst in den Kampf und es stellt sich heraus, dass es sich um eine Verwechslung handelt. Dennoch schließen sich aufgrund dieser Ereignisse der Marquis von Athlum und seine Generäle Rush an und helfen ihm auf der Suche nach seiner Schwester.

Das mag zunächst nach nichts Besonderem klingen, aber nach und nach wird mehr von der Welt, den Intrigen und Zielen der Charaktere enthüllt. Die Suche nach Irina findet auch hauptsächlich auf der ersten von zwei Discs statt und gerät somit noch in den Hintergrund.

Die Story ist insgesamt dennoch nichts Überragendes, aber ziemlich solide und hat hier und dort ihre Wendungen.
Zusätzlich gibt es einige wirklich tolle in Szene gesetze Sequenzen, die auf jeden Fall zum Weiterspielen motiveren, auch wenn die wahre Stärke meiner Meinung nach im Gameplay liegt.

Die Charaktere sind alle abwechslungsreich und entwickeln sich im Laufe des Spiels mal mehr, mal weniger weiter.

Es gibt 4 Rassen:

  • Mitra (Menschen)
  • Sovani (Humanoide Katzen mit 4 Armen; lange Lebensdauer)
  • Qsiti (froschähnliche Kreaturen)
  • Yama (fischähnliche, große Wesen; ein bisschen vergleichbar mit den Seeqs in FFXII)

Diese sind relativ fantasievoll gestaltet, auch kann man selbst entscheiden, ob man Qsitis, Mitras oder Yamas als generische Soldaten im Verband mitnimmt. Sovanis sind leider sehr selten, außer 5 oder 6 Anführern kann man keine in den Kampf führen.

 

Grafik

Visuell kann sich das Spiel auf einem LCD Fernseher wirklich sehen lassen, Square-Enix nutzt die Unreal-Eninge viel farbfroher und fantasievoller als "Epic Games", aber im Gegensatz dazu fehlt es etwas an Feinheit, was sich nicht zuletzt durch die geringen Ruckler und das Nachladen von Texturen kurz bemerkbar macht. Dennoch lassen sich ein guter Teil der technischen Probleme mit einer Festplatteninstallation beheben, diese wäre also in diesem Falle sehr sinnvoll, nach einiger Zeit fallen einem die Mängel und Ladezeiten überhaupt nicht mehr auf. Insgesamt also ein schönes Rollenspiel, dass etwas unter technischen Problemen leidet.

 

Sound

Die Soundkulisse ist definitiv der beste Aspekt des Spiels. Die Musikuntermalung ist einfach nur gelungen und sehr abwechslungsreich. Von ruhigen Melodien bis hin zu richtig rockigen Battle Themes fehlt es an nichts, auch bei der Quantität hat man nicht gespart. Je nach Verlauf eines Kampfes ändert sich die Kampfmusik, was sehr zu Atmosphäre beiträgt. Positiv anzumerken ist noch, dass jede Stadt ihr eigenes Thema hat und davon gibt es nicht wenige.

Klangtechnisch überzeugt das Spiel ebenfalls, man spürt regelrecht den Unterschied, wenn man von einer großen Lanze oder einem Schwert getroffen wird, auch der Klang beim Aufeinandertreffen der Waffen weiß zu gefallen.

Die englische Sprachausgabe ist mit ganz wenigen Ausnahmen ebenfalls gelungen und man hört einen deutlichen Unterschied zur z.B. bei weitem weniger guten Synchronisation von Infinite Undiscovery heraus.

 

Gameplay / Kampfsystem

Zum Spielprinzip muss man eigentlich nicht viel sagen, es spielt sich im Grunde wie die meisten anderen japanischen Rollenspiele, man bewegt sich von einer Stadt oder einem Dungeon zum nächsten, verfolgt dabei die Story und kämpft gegen Monster. Eine begehbare Weltkarte gibt es nicht, sondern man wählt den Bestimmungsort wie bei Lost Odyssey auf einer großen Karte selbst.
Dabei ist das Spiel dank der zahlreichen Sidequests dennoch nicht zu linear. Diese erweisen sich größtenteils als ziemlich spaßig und werden mit Geld oder anderen Items belohnt, die zum Teil auch um einiges sinnvoller sind als in anderen Spielen. Dazu lassen sich auch neue Anführer freischalten, wo wir nun auch beim Kampfsystem wären.

Generell ist dieses vor allem am Anfang relativ komplex, es wird hier zu wenig erklärt und man braucht ein wenig Feinarbeit beim Auswählen der Anführer, Soldaten und Formationen.
Die Anzahl dieser erhöht sich im Verlauf des Spiel, am Ende können defakto 6 Anführer aktiv am Kampf teilnehmen und der Rest mit generischen Soldaten aus Athlum gefüllt werden.

Es gibt bei Last Remnant kein klassisches Levelsystem, man steigt nach einigen Kämpfen im "Battle Rank" und je nach Gegner bekommen eure Mitglieder Statuserhöhungen.

Man sollte versuchen, seinen Battle Rank durch Verlinkung mit mehreren Gegnern nicht unnötig in die Höhe zu treiben, da die Gegner dadurch bessere Fähigkeiten bekommen und einem eventuell selbst die Statuserhöhungen dafür fehlen. Diese bekommt man nämlich nur gegen Gegner, wo die Moral am Anfang des Kampfes auf der Seite der Gegner größer oder zumindest in der Mitte ist bzw. wird man im Spiel bestraft, falls man die ganze Zeit nur gegen schwache Monster kämpft. Auch erweist es sich als sinnvoll, die Gegner, welche Stat-UPs geben, einzeln zu töten, da so gesichert wird, dass der Battle Rank nicht zu schnell hochsteigt. Im Endeffekt hat man selbst also viele schöne Statuswerte, die Gegner aber sind nur minimal gestärkt. Als Richtwert für das Ende der ersten Disc würde ich Battle Rank 40-60 geben, mit ein wenig Grinding auf der zweiten Disc dürfte man damit keine Probleme haben. Nichtsdestotrotz bleibt das Spiel eines der etwas schwierigeren RPGs von dieser und letzter Generation.

Das Kampfsystem an sich ist zwar rundenbasiert, aber etwas völlig Neues und auf alle Fälle anders als gewohnt. Man kämpft erst einmal in Kampfgruppen bzw. Verbänden, in der bis zu 5 Einheiten sind, die alle verschiedene Aktionen durchführen. Hier hat man meistens die Wahl zw. normaler Attacke, "Combat Arts" oder "Mystic Arts". 
Je nach Verlauf und der HP kriegt man auch die Möglichkeit, sich zu heilen oder z.B. die anderen wiederzubeleben, falls sie fallen sollten. Anfangs ist es sicherlich gewöhnungsbedürftig, aber nach einiger Zeit macht es richtig viel Spaß, auch wenn die Kämpfe zum Teil etwas dauern können. In seltenen Fällen kommen auch nicht die Befehle, die man möchte, aber meistens machen die Einheiten dann von selbst doch ganz sinnvolle Sachen, wenn auch nicht immer...

Viele Kämpfe wirken durch das System in Verbänden auch sehr episch, man kämpft sich durch Horden von Monstern und verfeindeten Einheiten durch, um dann einen gut inszenierten Boss zu plätten, sodass man nach dem Sieg richtig zufrieden mit sich sein kann. Auch enden die Kämpfe teilweise so knapp, dass es eben manchmal wirklich um "Alles oder Nichts" geht und die Befehle gegen Ende wahrlich nicht unüberlegt ausgewählt werden müssen. Frust kann dabei auch entstehen, aber man sollte sich nicht unterkriegen lassen.

Neben all diesen Möglichkeiten kann man noch wie gewohnt Waffen kaufen, seltene Monster für Belohnungen und Materialien töten sowie seine Ausrüstung bei einem Schmied verbessern, was für Rush, den Hauptcharakter, welchen ihr steuert, fast essentiell ist. Alle anderen upgraden ihre Waffe von selbst, sobald ihr einen bestimmten Battle Rank erreicht habt.

Was mir persönlich missfällt, ist das Suchen nach seltenen Monstern. Diese sind durch eine grüne und keine weiße Schrift gekennzeichnet, wenn ihr sie mit dem Steuerkreuz auf dem Feld anvisiert. Für das Erledigen dieser speziellen Monster bekommt ihr nette Komponenten und hin und wieder Preise für das Lösen eines Gildenauftrages. Gildenaufträge sind übrigens ähnlich wie Sidequests, können aber jederzeit ohne Anprechen einer bestimmten Person gemacht werden.

Was nun wirklich sehr frustrierend wird, ist das "Spawning" der seltenen Monster, d.h. sie erscheinen nicht immer ein einem Dungeon. Manchmal müsst ihr 10-50 Versuche starten und dabei immer wieder raus zur Weltkarte und dann wieder rein zum Dungeon. Dementsprechend ist es extrem zeitaufwendig. Glücklicherweise ist dieser Teil komplett optional, ihr könnt also auch ganz normal das Spiel genießen und die Jagd ignorieren.

Speichern kann man übrigens jederzeit, was man durchaus ausnutzen sollte.

 

Fazit

Ich hatte mit dem Spiel wirklich so viel Spaß wie schon lange bei keinem RPG mehr, das letzte war vermutlich Shin Megami Tensei: Nocturne/Lucifer's Call, das ebenfalls teilweise recht schwierig sein kann und grenzenlose Möglichkeiten bietet.

Die audio-visuelle Untermalung ist toll, die Story solide und das Kampfsystem abwechslungsreich und episch, was alles definitiv zum Positiven beiträgt. Die ganze Viefalt, die einem das Spiel bietet, ist zwar zum Teil fast erdrückend, aber leider erweist sich am Ende doch, dass man lieber mehr Anführer als normale Soldaten rekrutieren möchte, da es hier gewisse Begrenzungen gibt.

Negativ wäre wie gesagt zu nennen, dass das Spiel durch seine Komplexität nichts für Genre-Neulinge ist, auch Spieler, die es lieber gemütlich haben und sich nicht viel mit dem System beschäftigen möchten, sollten die Finger davon lassen. Allen anderen, vor allem RPG-Veteranen, kann ich es absolut ans Herz legen. Die technichen Mängel sind für mich nur anfangs wirklich aufgefallen, werden aber durch die Installation fast gänzlich verschwinden und sich zumindest nicht mehr groß bemerkbar machen.

Anmerkung: Das Spiel besitzt eine sehr hohe Spielzeit, falls ihr alle Sidequests machen möchtet, werdet ihr mindestens auf 100-150 Stunden kommen, teilweise sogar noch mehr. Durch die vielen Möglichkeiten kann auch ein weiterer Durchgang Spaß machen, vor allem, wenn man nun endlich mit dem Gameplay vertraut ist.