Shadow Hearts: Covenant

Cover von Shadow Hearts: Covenant

Review

Nach der etwas längeren Einleitungssequenz über Karins misslungenen Einsatz in Domremy, übernimmt der Spieler die Steuerung von Nicolai und Karin, die im Vatikan den Apoina-Turm genauer untersuchen. Schnell stellt sich heraus, dass sich mit dem Einstieg ins Spiel die Sequenzen und Dialoge häufen. Ebenso wurden nicht alle Konversationen vertont, da man größenteils mit Textboxen zu kämpfen hat. Auch fällt dem Spieler rasch der eine oder andere Rechtschreibfehler in Untertiteln oder in den Textboxen auf. Diese treten glücklicherweise nicht gehäuft auf, weshalb man sie mit Flüchtigkeitsfehlern gleichstellen kann, auch wenn manche Fehler schmerzhaft sind.

 

Das Spiel

Die Einleitung ins Kampfsystem ist hervorragend. Die ersten zwei Kämpfe werden ausführlich mit sämtlichen Möglichkeiten, die dem Spieler zur Verfügung stehen erläutert. Seien es nun Combos, der Urteilsring oder besondere Fähigkeiten, auf Wunsch wird nichts offen gelassen.
Ebenso wird der Spieler auch darüber unterrichtet, wie man Symbole ausrüstet und man den Urteilsring einstellen kann.

Ist die Geschichte schließlich erst einmal weiter voran geschritten wird dem Spieler schnell auffallen, dass das Spiel seine Ernsthaftigkeit verliert. Ob den Entwicklern die Ideen ausgegangen sind, und sie diese Leere füllen mussten oder nicht, der Humor ist klasse. Ganz egal, ob Yuri wieder einen sarkastischen Spruch loswerden musste, rosa Riesenmiezen euch nach dem Leben trachten oder ein fehlschlagender Anmachversuch, jeder humoristische Einschub kommt, wenn eine Szene auf ihren Höhepunkt zudriftet. Dazu wiederholen sich diese Einlagen glücklicherweise nicht, wie dies in „Tales of Symphonia“ der Fall ist.

Gegen Ende des Spiels wird dem Spieler aber leider auch auffallen, dass der Schwierigkeitsgrad unterste Schublade ist. Kaum ein Kampf ist eine ernsthafte Herausforderung, nicht einmal der stärkste Gegner im Spiel ist eine ernste Bedrohung.

Dies macht das Spiel geeignet für jeden Einsteiger, noch dazu ist die Story wirklich fesselnd, vorausgesetzt, man erwartet keine düstere und unheilvolle Handlung. Dazu fehlt einfach der nötige Ernst. Dennoch gibt es diverse Frustmomente, wie die Erforschung der Neam-Ruinen in Wales oder diverse nervige Minispiele die absolviert werden müssen, um wirklich 100% zu erreichen. Nicht zu vergessen, dass die gesamte Geschichte linear ist. Man muss zwar bestimmte Orte zu bestimmten Zeiten besuchen, glücklicherweise gibt es aber keine Oberweltkarte. Stattdessen gibt es eine Karte, auf der man verschiedene Orte anwählen kann. Also ideal, wenn man mal schnell ein Sidequest erledigen möchte, ohne durch die halbe Weltgeschichte gondeln zu müssen.

Apropos Weltgeschichte, interessant ist, dass das Spiel in der wirklichen Welt stattfindet, man wird daher durchaus historische Persönlichkeiten treffen, wie Rasputin, oder bekannte Städte und Ortschaften wie Paris besuchen. Größter Kritikpunkt an alle Ortschaften ist jedoch, dass diese zu klein sind, von diversen Dungeons mal abgesehen.

Nebenbei bietet das Spiel zwei verschiedene Enden an. Ob dies jedoch motivationsfördernd ist, bleibt fraglich, da eine Frage gegen Ende des Spiels darüber entscheidet. Außerdem wird die Kinogalerie freigeschaltet, in der man die Möglichkeit hat, alle vertonten Videosequenzen erneut zu bestaunen. Da das Spiel jedoch auf zwei CDs spielt, muss man leider auch gegebenenfalls zwischen beiden wechseln, was leider sehr schwach zu bewerten ist.

Desweiteren kann man die typischen Elemente eines Rollenspieles finden. Minispiele, Sidequests und optionale Szenen. Das Übliche eben. Zudem kann man, mit genügend Zeit, das Spiel in knapp einer Woche durchspielen, inklusive Sidequests, andere benötigen etwas mehr Zeit, da sich die Story hinzieht, ohne besonders langweilig zu werden. Außerdem kann man für die Damen im Team Kostüme finden, die viel Haut zeigen, von Anastasia abgesehen.

 

Das Gameplay

Viele Worte kann man über die Steuerung nicht verlieren. Sie ist einfach zweckmäßig. Das übersichtliche Menü, altbewährte Menüauswahl, gute Steuerung. Nur die Kämpfe laufen anders ab. Dort verfügt jeder Charakter und jede Fähigkeit und jedes Item über seinen eigenen Urteilsring, der aus einer oder mehreren farbigen Flächen besteht. Diese müssen alle getroffen werden, damit der Charakter besagte Fähigkeit auch einsetzt. Verpasst dieser auch nur eine einzige Fläche, gilt der Angriff als misslungen und die Figur agiert nicht. Standardangriffe sehen hingegen etwas anders aus, bei denen ist es kein Beinbruch, sollte man die letzte Trefferfläche mal nicht erwischen.
Außerdem ist besagtes Kampfsystem eine Mischung aus dem von „Final Fantasy X“ und „Grandia 2“.

Am oberen Bildrand sind Charakter- und Feindesportraits zu sehen, wie beim CTB-System von FFX, wogegen viele diverse Angriffsmöglichkeiten einen Trefferradius beinhalten, wie in „Grandia 2“, außerdem bewegen sich die Figuren nach jedem Angriff an eine andere Stelle.
Stehen zwei Figuren nahe beieinander (was der Spieler auch selber veranlassen kann), sind sogar starke Combos möglich. Allerdings ist auch bei diesen besonders viel Reaktion gefragt.

Screenshot 1 Screenshot 2

  

Die Grafik

Die Darstellung des Spiels ist auch nicht übel und ist vielleicht besser als die von „Final Fantasy X“. Figuren sind schön anzusehen und sehr detailreich, Umgebungen wirken authentisch und die Monsterpalette ist sehr skuril. Viel zu bemängeln gibt es nicht, außer gewissen Gesichtsanimationen Yuris. Nichtsdestotrotz würde ich diese als überdurchschnittlich bezeichnen, wobei ich auf diesen Aspekt seltener acht gebe.

 

Der Sound

Hier haben wir es mit einem zweischneidigen Schwert zu tun. Die Musikuntermalung in Dungeons ist zwar düster angehaucht, aber nichts besonderes. Die unterschiedlichen Kampfthemen gehen auf ihre eigene Art direkt ins Ohr, aber auch dort vermisse ich den Tiefgang. Das Thema, das in den einzelnen Ortschaften gespielt wird ist leider stets das Gleiche, egal ob Metropole oder Kaff. Friedliches Gedudel, ohne aufzufallen. An sich genommen gibt es aber genug Spiele, die schlimmere Stücke beinhalten, wobei sich „Shadow Hearts 2“ auch hier eher im Durchschnitt bewegt.

Die Synchronisation hingegen ist sehr gut gelungen. Blanca klingt wie ein Wolf und jede Emotion ist sehr überzeugend. Bloß schade, dass Karin als Deutsche nicht ein Wort deutsch spricht.

Trailer

 

Fazit

Ich kannte den indirekten Vorgänger „Koudelka“, bevor ich dieses Spiel spielte, war aber von dessen Kampfsystem alles andere als begeistert. Hinzu kommt, dass ich Teil 1 nicht kenne und dieser schwer aufzutreiben ist. Daher wollte ich eigentlich einen Bogen um diesen Titel machen. Heute bin ich froh, das nicht getan zu haben. Den Spieler erwartet eine spannende Handlung mit viel Selbstironie, sympathischen Figuren und ein interessantes Kampfsystem, das den Spieler lange fesseln dürfte. Negativpunkte sind jedoch die Übersetzungsfehler und der kaum vorhandene Schwierigkeitsgrad.

Ich kann das Spiel jedem empfehlen, vor allem, da es in der Software Pyramide für grob 20 Euro erschien, weshalb man auch bei einem Fehlkauf wenig bereuen dürfte.

Mir hat das Spiel großen Spaß gemacht, nur dumm ist, dass ich jetzt auch den ersten Teil spielen will.