Secret of Evermore

Cover von Secret of Evermore

Review

Anno 1995 brachte Square USA einen Ableger der Seiken-Densetsu-Reihe heraus, der sich "Secret of Evermore" nannte. Als Basis diente dem Spiel zwar die Secret-of-Mana-Engine, ansonsten gab es zwischen dem Action-RPG und der Seiken-Densetsu-Saga aber keine inhaltlichen Gemeinsamkeiten.

Der Junge folgt seinem Hund Die Story beginnt in Podunk, USA (oder in den entsprechenden Städten der Übersetzungen, z.B. Großostheim in Deutschland). Ein recht normaler, B-Movie-liebender Teenager und sein Hund verlassen das Kino wie gewöhnlich. Der Vierbeiner erspäht eine Katze und verfolgt sie, woraufhin er euch zu einem verlassenen Herrenhaus führt. Als ihr eine alte Maschine im Inneren des Anwesens untersucht, werdet ihr in eine weltraumartige Station teleportiert. Ein Mann führt euch schließlich in eine Kammer, die wiederum in eine prähistorische Gegend in der parallelen Welt Evermore führt.

Die Maschine wurde nämlich von Professor Sidney Ruffleberg gebaut, der selbst in der Fantasiewelt Evermore lebt. Eure Aufgabe ist es nun, ihn zu finden, um wieder nach Hause zurückzukehren. Dabei werdet ihr neben der prähistorischen Welt noch in eine antike und gotische geführt, um eure Suche schließlich in einem Zukunftsszenario zu beenden.

Leider geht die Story nicht über euer Anfangsziel hinaus. In jeder der Welt findet ihr zwar einen freundlich gesinnten Charakter, der mit dem Professor nach Evermore gelangte, und seine böse Zwillingsgestalt, mit der Hauptstory hat das aber kaum etwas zu tun. So müsst ihr z.B. die böse Schwester von Fire Eyes in der ersten Welt besiegen, weil sie die Herrschaft über Prehistoria übernehmen möchte. So geht das Ganze bis in die letzte Welt weiter, wo sich schließlich der wahre Bösewicht zu erkennen gibt, den ihr allerdings schon bei der ersten Begegnung als eben diesen erkannt haben solltet. Charakterentwicklung, interessante Wendungen oder intelligente Dialoge sucht man dabei vergeblich. Noch dazu kommen eher peinliche Witze des Hauptcharakters, die wohl kaum einen begeistern können.

Mehr Mühe gab man sich beim Gameplay, das vor allem mit einem mehr oder weniger motivierenden Alchemie-System aufwarten kann. In der Evermore-Welt finden sich nämlich an allen Ecken und Enden verschiedene Ingredienzien, von einfachem Wasser über Schwefel bis hin zu Trockeneis. Die Zutaten könnt ihr kaufen, in diversen Töpfen und Gefäßen finden sowie am Boden, in Blattwerk oder anderen Stellen suchen. Da das auf gut Glück wenig erfolgsversprechend wäre, wird euer Hund automatisch oder auf Knopfdruck nach diesen Ingredienzien suchen, um euch an die richtige Stelle zu führen.

Zauber werden euch im Verlauf der Story von verschiedenen Personen beigebracht; einige davon sind natürlich versteckt. Habt ihr genügend Zutaten, könnt ihr bestimmte Magien wirken - aus einem Häufchen Asche und drei Tropfen Wasser wird so z.B. "Acid Rain", ein Kristall und ein Klumpen Lehm erzeugen einen "Hard Ball". Gleichzeitig kann man immer nur eine begrenzte Anzahl an Zaubern parat haben - die Auswahl lässt sich an diversen Stellen im Spiel immer wieder ändern und auf die aktuellen Umstände anpassen.

Besonders starke Zauber gibt es von den vier bereits erwähnten Charakteren in den verschiedenen Welten, welche man nur durch seltene Zauberperlen verwenden kann.

Hoho - ein Reim Der bereits erwähnte Hund dient euch darüber hinaus als zweiter Charakter im Kampf. Leider ist Secret of Evermore kein Multiplayer-Spiel, ein Freund von euch kann also nicht die Kontrolle über euer Hündchen übernehmen. In jeder Welt verändert der Vierbeiner zwar sein Aussehen, seine Fähigkeiten - Schnüffeln und Beißen - bleiben aber gleich. Für ihn und euch könnt ihr neue Rüstungen sowie Waffen kaufen oder finden, insgesamt ist das Equipment-Management allerdings nicht besonders ausgefeilt.

Zur Verwaltung nutzt das Spiel das aus der Seiken-Densetsu-Reihe bekannte Ring-Menü, das um den Charakter erscheint. Hier kann man diverse Statuswerte einsehen, Equipment anlegen, Strategien für den nicht gesteuerten Charakter einstellen oder eben Items und Zauber benutzen.

Während der Junge und sein Hund sich RPG-klassisch mit mehr Erfahrung, die man durch das Besiegen von Gegnern erhält, aufleveln, muss man Zaubersprüche und Waffen oft benutzen, um sie zu stärken. Die in verschiedene Kategorien wie Schwerter oder Speere eingeteilten Waffen können mit einem höheren Level zudem aufgeladen werden, um eine jeweils stärkere Attacke hervorzurufen. Auch sonst muss die Waffe erst von 0% auf 100% aufgeladen werden, indem man eine Weile wartet, um wirklich Schaden anrichten zu können - ganz wie bei Secret of Mana.

Im Übrigen gibt es in jeder der vier Welten unterschiedliche Geldeinheiten, die man an Wechselständen umtauschen kann. Eine etwas größere Sehenswürdigkeit ist hingegen der Markt in Noblia, bei dem man an verschiedenen Ständen Dinge kaufen und mit diesen wieder an anderen handeln kann. Auf diese Weise kann der Spieler mit genug Ausdauer einige wertvolle Items ergattern.

Die verschiedenen Gegner passen vom Aussehen her in ihre jeweilige Welt, sind aber kaum eine Herausforderung für den Helden und seinen Hund. Auch der Großteil der Bosse lässt sich durch bloßes Anwenden der stärksten Zauber und einige Treffer mit der Waffe recht schnell besiegen; bei den meisten reicht eine einfache Im-rechten-Moment-ausweichen-Strategie, um ihnen den Garaus zu machen. Rätsel in den Dungeons gibt es nicht allzu viel, und der Großteil ist schnell gelöst.

Die Grafik des Spiels ist insgesamt nicht schlecht, bleibt aber hinter Secret of Mana & Co. aufgrund ihrer Eintönigkeit zurück. Secret of Evermore weist zwar insgesamt eine düstere Atmosphäre auf, das entschuldigt aber nicht für die geringe Abwechslung und die wenigen Farben, die benutzt werden. Dennoch können sich einige Bossgegner, Zaubersprüche und manche Hintergründe durchaus sehen lassen, wodurch die Grafik zumindest nicht negativ auffällt, aber eben monoton erscheint. Die unterschiedlichen Welten bieten für ihr Thema entsprechend designte Städte und Charaktere, was zusammen mit Gebieten wie Wälder, einem Kolosseum und Pyramiden für etwas Abwechslung sorgt.

Ein Zauber wird in Gothica benutzt Ähnlich mittelmäßig ist die Musik. Komponist Jeremy Soule ("Beauty and the Beast", "Unreal II", "Neverwinter Nights" usw.) hat einige nette Stücke geschrieben, von denen sich aber kaum eines besonders bemerkenswert anhört. Die vielen Ambiente-Stücke klingen für sich genommen langweilig, passen aber zumindest an den entsprechenden Szenen im Spiel. Die Musikstücke an sich sind dafür recht vielfältig und unterstreichen meist den graphischen Eindruck der verschiedenen Situationen.

An Soundeffekten gibt es größtenteils nichts Besonderes, v.a. die Geräusche des Hundes sowie Zauber- und Item-Sounds hören sich kaum spannend oder realistisch an. Andere sind zum Verstärken der Atmosphäre aber relativ passend eingesetzt.

Insgesamt gesehen ist Secret of Evermore nichts für jemanden, der eine interessante und spannende Story erwartet. Das hauptsächlich durch das Alchemie-System gekennzeichnete Gameplay entschädigt dafür ein wenig, zusammen mit der teilweise recht gelungenen Atmosphäre kann das Spiel in dieser Hinsicht auch überzeugen. Einen besonders hohen Wiederspielbarkeitsfaktor weist Secret of Evermore zwar nicht auf, für das einmalige Durchspielen benötigt man aber schon ein paar Stunden.

So ist das RPG insgesamt Mittelmaß und am Square-Maßstab gemessen eher enttäuschend. Als eines von wenigen Square-Spielen hat es Secret of Evermore seinerzeit im Übrigen auch nach Europa geschafft - die deutsche Übersetzung ist mit ihrer Ungenauigkeit und vielen Namensänderungen allerdings nicht zu empfehlen.