Dragon Quest V (roh)

Cover von Dragon Quest V (roh)

Review

„Dragon Quest V“ war der erste Teil der Serie, der für das Super Famicon (SNES) herauskam. Zum Leidwesen vieler Amerikaner und Europäer wurde dieser Teil leider nie für den ausländischen Markt lokalisiert, so dass viele Nicht-Japaner erst durch eine Fanübersetzung in den Genuss dieser RPG-Perle kamen.

Die Story ist eine der Stärken des Spiels. Man begleit den Helden durch insgesamt 3 Kapitel, die durch 3 verschiedene Generationen gekennzeichnet sind. Am Anfang erleben wir den Helden, wie er mit seinem Vater zusammen durch die Welt reist. Zu dieser Zeit ist der Held noch ein kleiner Junge. Später erleben wir ihn, wie er erwachsen wird, und schließlich als Vater zweier Kinder. Dabei bleibt die Perspektive immer die selbe, nämlich die des Helden. Dabei entwickelt sich nicht nur die Persönlichkeit des Helden, sondern auch die der unzähligen Non-Player-Charaktere. Trifft man als kleiner Junge auf Charaktere, die einem etwas über ihre momentane Situation erzählen, trifft man sie später eventuell wieder, mit anderen Lebenseinstellungen in anderen Städten. Es gibt auch Charaktere, die als Kind unausstehlich wirken, aber als Erwachsene dicke Freunde mit dem Helden sind.

Das Gameplay unterscheidet sich kaum von den vorhergehenden Teilen der Serie. Man kämpft, steigt irgendwann einen Level auf, erhält neue Fähigkeiten, findet neue Waffen und Rüstungen usw. Doch gibt es eine interessante Neuerung in diesem Teil der Serie: das erste Mal kann man in „Dragon Quest V“ Monster rekrutieren. Zu einem Zeitpunkt im Spiel erhält man eine Art Karawane, mit der es möglich ist, gegnerische Monster in seine Party aufzunehmen.
Die Wahl bleibt jedoch völlig zufallsgesteuert. Ab und an fragt nach einem gewonnenen Kampf ein Monster, ob es der Party beitreten kann. Danach hat der Spieler die Möglichkeit, das Gesuch abzuweisen, oder das Monster tatsächlich in seine Party aufzunehmen. Die Karawane fasst 5 Monster plus 3, die an der Seite des Helden kämpfen. Hat man einen Kampf gewonnen, so erhalten alle 8 Monster Erfahrung und können, genügend Erfahrungspunkte vorausgesetzt, neue Fähigkeiten lernen. Mehr als 8 Monster kann man in einer Örtlichkeit abgeben, und so regelrecht „sammeln“.

Die Graphik des Spiels ist im Durchschnitt anzusiedeln. Die Möglichkeiten des Super Famicons wurden noch nicht ganz ausgereizt, was man aber aufgrund des Alters des Spiels auch nicht erwarten kann. Viele der Monstergraphiken z.B. sind verbesserte Versionen der alten Famicon-Äquivalente. Das Charakterdesign stammt, wie auch bei allen Vorgängern der Serie, wieder von Akira Toriyama („Dragon Ball“). Effekte im Kampf sind nett gemacht, und entschädigen für die Wiederholung von Sprites in den verschieden Städten.

Interessant ist, dass es im Spiel einen Tag- und Nachtwechsel gibt. Städte zeigen bei Nacht ein anderes Gesicht als bei Tag. Nachts sind Bars offen und man sieht viele Leute sich dort amüsieren, oder in ihren Häusern schlafen. Bestimmte Ereignisse können nur bei Nacht, bzw. Tag geschehen, und zwingen den Spieler somit, Lokalitäten zu beiden Tageszeiten aufzusuchen, was dem Spiel eine enorme Tiefe verleiht. Auf der Landkarte merkt man den Wechsel ebenfalls.

Hat man das Spiel einmal durchgespielt, so kann man sich dran versuchen (insofern einem die Story behagt), das Spiel noch einmal anzufangen. In der Welt von „Dragon Quest V“ kann man sich optional auch auf die Suche nach 2 versteckten Höhlen machen, die mit reichhaltigen Schätzen aufwarten. Auch ist es möglich, verstreute Medaillen zu finden, die man schließlich für Gegenstände eintauschen kann.

Für Kurzweil sorgen weiterhin die in „Dragon Quest V“ integrierten Mini-Spiele. Das umfangreichste ist wohl das Casino. Dort kann man sich mit einarmigen Banditen begnügen, auf Monsterkämpfe wetten, oder sein Geld beim Slime-Rennen verlieren. Je mehr Münzen man sammelt, desto besser werden die Preise. Auf diese Weise können einige der besten Gegenstände im Spiel erhalten werden.

Die musikalische Untermalung des Spiels ist ebenfalls sehr durchschnittlich. Nette Musik, die aber keine Referenz in der Zeit darstellte, und heute wohl keinen mehr groß vom Hocker haut. Gemessen an den damaligen Möglichkeiten ist die Musik aber mittelmäßig bis gut.

Fazit: Für viele Spieler ist es der beste Teil der Serie, wenn nicht sogar eines der besten Rollenspiele, die sie je gespielt haben. Man sollte es auf jeden Fall einmal gespielt haben, denn es kann sehr süchtig machen. Obwohl einige Aspekte des Spiels heute schon sehr veraltet wirken, ist „Dragon Quest V“, nicht zuletzt wegen der epischen Story, eine echte Perle unter den Rollenspielen.