ClaDun x2

Cover von ClaDun x2

Review

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ClaDun x2: This is a Review!

Selten war der Titel eines Videospiels so aussagekräftig! ClaDun x2, der Nachfolger von ClaDun: This is an RPG! bietet all das, was schon der Vorgänger geboten hatte - nur einfach doppelt soviel davon! Doppelt so viele Dungeons, doppelt so viele Items, doppelt so viele Klassen ... aber auch doppelt so viel Spaß? Nun, was ist ClaDun überhaupt? ClaDun oder auch Classic Dungeon, wie der japanische Originaltitel lautet, ist eine Action-RPG/Dungeon-Crawler-Serievon System Prisma, einer Tochterfirma von Nippon Ichi Software (NIS). Bisher sind zwei Teile dieser Serie für PSP erschienen und mit Legasista auch ein spiritueller Nachfolger für die PS3. Neben dem Playstation Network bietet Nippon Ichi Software zusätzlich dazu seit dem 14. August 2012 ClaDun x2 auch auf der Plattform Steam als digitalen Download für den PC an. Die Spiele zeichnen sich durch ihr innovatives und kaum mit anderen Crawlern vergleichbares Gameplay sowie durch ihre minimalistische Präsentation aus. Gekämpft wird hierbei in Echtzeit und neben zahlreichen mehr oder weniger wertvollen Schätzen, die man in den Gewölben finden kann gilt es auch, zahlreichen Fallen geschickt auszuweichen und Monster zu besiegen, um den Verliesen entkommen zu können.

Cover Japanisch Cover
 

Erster Eindruck: Retro-Charme oder Pixelmatsch?

Wenn man die Pixel-Grafik von ClaDun sieht, mag man sich an Half Minute Hero erinnert fühlen, welches es gekonnt schaffte, den Charme und die Atmosphäre älterer RPGs einzufangen. Wer dies auch von ClaDun erwartet, wird allerdings enttäuscht. Die Geschichte um Arcanus Cella, der Welt von ClaDun x2, ist belanglos. Während der erste Teil wenigstens noch durch eine Vielzahl illustrer Personen und alberner Nebengeschichten ab und zu noch Anspielungen auf diverse Rollenspielklischees liefern konnte, obwohl diese bei weitem nicht das Niveau eines Half Minute Hero erreichten, versucht es ClaDun x2 erst gar nicht, den Spieler mit einem ansprechenden Retro-Erlebnis zu unterhalten. Die Grafik weckt eher das Gefühl von Zweckmäßigkeit um möglichst einfach Dungeons generieren und verschiedene Typen von Spielfiguren entwerfen zu können; sind ja alles nur grob gezeichnete Sprites. Das ist für das Spielgefühl allerdings nicht sonderlich störend. ClaDun x2 ist ein reinrassiges Gameplay-Spiel, das nicht viel Wert auf Atmosphäre beim Crawlen legt. Die Motivation wird allein durch die innovative Spielmechanik erzeugt.

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Magic Circle: Can I really be the Main Character?

Das einzigartige Magic-Circle-System aus dem Vorgänger ist zum Glück auch bei ClaDun x2 wieder mit dabei. Doppelt so viele Magic Circles und doppelt so viele verschiedene Ausrüstungsgegenstände für diese haben auch hier wieder zur Folge, dass man viele Stunden damit beschäftigt sein wird, verschiedene Kombinationen und Spezialisierungen für seine Charaktere auszuprobieren. Ohne Zweifel eine der spaßigsten Komponenten des Gameplays. Doch was ist dieser Magic Circle überhaupt?

Jederzeit während des Spiels kann man einen seiner Charaktere zumHauptcharakter erklären. Dies ist die Figur, die direkt gesteuert wird und mit der man durch die Dungeons rennt, Monster metzelt sowie Schätze findet. Dem Hauptcharakter kann ein Magic Circle zugewiesen werden. Dieser bestimmt auf welche Art und Weise Status- und andere Bonusitems auf bestimmten dafür vorgesehenen Feldern ausgerüstet werden können. Um diese nutzen zu können müssen vorher andere Charaktere auf dem Circle „ausgerüstet“ werden. Diese sogenannten Untercharaktere begrenzen durch ihren Manawert, welche Items auf den Feldern des Circles ausgerüstet werden können, denn fast jedes Item kostet beim Ausrüsten Mana. Außerdem sind diese Untercharaktere diejenigen, welche bei einem Angriff durch ein Monster verletzt werden! Untercharaktere können auf jeder Seite des Hauptcharakters equippt werden; Charaktere mit weniger HP sollten dann vielleicht besser dem Hauptcharakter nur den Rücken stärken, denn sobald ein Charakter alle seine HP verloren hat, verliert der Protagonist auch alle Boni, die dieser auf dem Magic Circle aktiviert hatte.

Das System ist weniger kompliziert als es sich vielleicht anhört aber dank der Fülle an verschiedenen Bonusitems durchaus komplex und es ermöglicht eine Vielzahl an verschiedenen Strategien, seine Charaktere anzupassen. Manche Felder vergeben einen Malus, wie zum Beispiel 80% weniger HP bei Aktivierung durch ein Item. Aktiviert man es und lebt mit dieser Schwächung oder lässt man es lieber bleiben? Die Möglichkeiten eines Magic Circles sind vielfältig und je mächtiger dieser ist, desto mehr schlechte Nebenwirkungen wird er ebenso mit sich bringen.

Interessant ist auch, dass Haupt- und Untercharaktere unterschiedliche Stat-Gains beim Level-Up bekommen. Wie schon erwähnt sind für Untercharaktere nur Mana und HP wichtig, für den Hauptcharakter hingegen vorrangig Stärke, Verteidigung und MP zum Einsetzen seiner Skills. Der Hauptcharakter bekommt allerdings bei jedem Level einen Bonus auf Mana und HP, die Untercharaktere hingegen auf Stärke, Verteidigung und MP … also genau verkehrt herum! Klingt vielleicht etwas nervig, ist allerdings in der Praxis ein interessantes Konzept, da es den Spieler dazu zwingt, die Hauptcharaktere ständig zu wechseln und so andere Taktiken auszuprobieren.

Jeder Charakter gehört einer Klasse an. Diese bestimmt die Gewichtung der Stat-Gains beim Level-Up sowie die Magic Circles, die immer wieder beim Erreichen bestimmter Level freigeschaltet werden. Ab Level 20 kann man die Klasse wechseln, im Idealfall sollte man dies bei Level 99 tun. Beim Klassenwechsel behält man die freigeschalteten Magic Circles, aber man büßt etwas an Statuswerten ein, fängt dafür aber auch wieder bei Level 1 an. Mit der richtigen Strategie an Klassenwechsel und Positionierung als Haupt- oder Untercharakter kann man über einen längeren Zeitraum mächtige Krieger trainieren. Aber keine Sorge, es gibt immer Dungeons, die eine Herausforderung darstellen.

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Auf ins Abenteuer: Dungeons & Rangeons

Es gibt zwei Typen von Dungeons: Story- und Zufallsdungeons. Das erfolgreiche Beschreiten ersterer treibt die Handlung voran. Die Storydungeons sind nicht zufällig sondern so konstruiert, dass der Spieler dazu gezwungen wird, Elemente des Gameplays intelligent und geschickt einzusetzen um das Zieltor zu erreichen. In ClaDun x2 wird die Qualität der Dungeons zwar nicht von denen aus dem Vorgänger erreicht, dafür gibt es nun aber doppelt so viele und nichtsdestotrotz wurden einige sehr interessante Ideen in ihnen umgesetzt. Dann gibt es noch die Zufallsdungeons, auch Rangeons genannt. Im ersten Teil gab es einen Typ von Rangeons, nun gibt es ... zwei! Der Newgeon entspricht dem aus dem Vorgänger bekannten Typ Rangeon. Es gibt insgesamt 100 Ebenen, die Gegner und die Wahrscheinlichkeit für Items fangen auf der niedrigsten Stufe an und durch geschicktes Aussuchen verschiedener Portale zur nächsten Ebene können diese Werte manipuliert werden. Die Trigeons sind etwas interessanter. Es gibt drei verschiedene Arten von Ebenen in den Trigeons: Normal, Heavenund Chaos. Die Ebenen in Heaven sind sehr leicht und bieten eine hohe Wahrscheinlichkeit sehr gute Items zu finden. Leider lässt es das Design der Trigeons nicht zu, dort länger zu bleiben. Die Monster und Fallen in Chaos sind absolut tödlich und jeder Abenteurer sollte so schnell wie möglich versuchen, dort wieder herauszukommen. Dazu kommt, dass das Startlevel der Monster an das Level der eigenen Party angepasst wird. Außerdem ist es leicht möglich beim Erkunden der Trigeons eine große Anzahl an Ebenen zu überspringen um schneller in interessantere Bereiche vorzudringen, was ideal ist um zu leveln oder Items zu suchen. Aber man sollte besser aufpassen, dass man nicht versehentlich in Chaos landet ...

Das Kämpfen und Erkunden der Dungeons ist relativ simpler Hack&Slay-Standard. Ein interessantes Feature ist aber zum Beispiel der Einsatz eines Schilds, der die Verteidung um ein Drittel anhebt, aber den Hauptcharakter um die Hälfte langsamer voranschreiten lässt. Er kann auch rennen, dafür büßt er allerdings die Hälfte seiner Verteidigung ein. Zusammen mit verschiedenen Arten von Bodenfallen, die in den Dungeons verstreut liegen, verlangt das Erkunden immer etwas Vorsicht und Geschick und bleibt so trotz der Einfachheit der Spielmechanik kurzweilig.

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Arcanus Cella: What did I do to deserve this?

Aber welchen Grund hat man eigentlich, die verschiedenen Dungeons aufzusuchen? Nun, die Story ist schnell erzählt. Irgendwo im Universum existiert eine Welt namens Arcanus Cella, welche das Portal zu einer unendlichen Anzahl von Dungeons ist. Viele Abenteurer werden von Arcanus Cella angezogen und machen sich zur Aufgabe diese Dungeons zu erforschen. Doch einmal in Arcanus Cella angekommen, kann man nicht mehr in die eigene Welt zurückkehren, denn Arcanus Cella hat keinen Ausgang. Es ist ein Gefängnis, in dem die Gestrandeten auf ewig für ihre Sünden büßen sollen. Klingt ja doch ganz interessant? Ist es aber nicht.

Was eine nette Rahmenhandlung zum Dungeoncrawling hätte sein können, ist in der Ausführung nur eine Farce. Das fängt schon damit an, dass Arcanus Cella nur vier Einwohner hat; einer langweiliger und nerviger als der andere. Und im Unterschied zum ersten Teil gibt es auch keinen vorgefertigten Player Character, der als Protagonist fungieren könnte. Der Spieler wird schon bei Spielbeginn dazu aufgefordert einen Custom Character zu erschaffen, der für die ersten Minuten dann als Hauptperson herhält. Da Hauptcharaktere jederzeit ausgewechselt werden können und die Dialoge sich dementsprechend anpassen (das heißt, der Name des stummen Protagonisten wird einfach ausgetauscht), findet auch nie eine Art Immersion mit der Geschichte statt.

Das ist aber auch nicht weiter tragisch. Der Spieler wird ohnehin im Verlauf der Geschichte aufgrund fehlender spielbarer Storycharaktere dazu gezwungen, sich eine Party aus Custom Characters zusammenzustellen um die verschiedenen Storydungeons meistern zu können, sodass er sich wahrscheinlich ohnehin eine eigene Geschichte für seine erstellten Charaktere ausdenkt; warum sie in Arcanus Cella gelandet sind und was sie dort suchen. Das ist garantiert auch interessanter als das, was das Spiel selber zu erzählen hat.

Nachdem die Main-Story abgeschlossen wurde, also nachdem man mit seiner hochgelevelten und spezialisierten Gruppe aus selbsterstellten Charakteren über mehrere Stunden Dungeons erforscht hat, treten übrigens die vier uninteressanten Storycharaktere der Party bei. Auf Level 1. Was für eine Belohnung!

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Selber kreativ werden: Custom Characters

Wenn auch die Grafik nicht viel zur Atmosphäre beiträgt, so ist sie doch ohne Zweifel sehr hilfreich für das Erschaffen eigener Charaktere. Die Möglichkeiten in ClaDun x2 zum Gestalten der Custom Characters sind sehr groß. Wer im Pixeln bewandert ist, der kann versuchen seine Charaktere von Grund auf selbst zu gestalten. Oder aber man greift auf eine große Anzahl von Vorlagen zurück und passt nur die Farbe und andere Details an. Oder man macht es sich noch einfacher und lädt einfach einen der vielen fertigen Charaktere im Internet runter, welche andere Spieler erstellt haben. Und wer auf das alles keine Lust hat, kann auch einfach einen Charakter nur aus Vorlagen im Spiel erstellen. Auch ohne Veränderungen fühlen sie sich dank der Vielzahl an Auswahlmöglichkeiten individuell an.

Das Spiel ermöglicht es außerdem auch das Aussehen von Ausrüstung zu verändern. Man möchte mit einer Etna herumlaufen, die statt Pfeile mit ihrem Bogen Prinnys verschießt? Kein Problem! …Talent im Pixeln vorausgesetzt. ClaDun x2 bietet auch einige etwas sinnlose Features an, die keinen Einfluss auf das Gameplay haben. Beispielsweise kann man für seine Charakteren Monologe schreiben, die sie sagen, wenn man sie als NPC anredet oder aber man kann Beziehungen zwischen seinen Charakteren etablieren und diese sich sogar vom Spiel als Pfeildiagramm visualisieren lassen. Nutzlos, aber trotzdem sehr nett. Besonders, wenn man wirklich kreativ sein und sich seine eigene Geschichte mit seinen eigenen Figuren in Arcanus Cella kreieren möchte.

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BGM: Real VS 8-Bit

Auch die Bandbreite an Hintergrundmusik wurde verdoppelt. ClaDun x2 verfügtüber 23 neue Tracks, welche leider nie einen offiziellen Soundtrack-Release erfahren haben. Zizz Studio (ClaDun, Atelier Elkrone) ist auch hier wieder für die Musik zuständig und überrascht mit einer sehr atmosphärischen Untermalung, die man bei einer so vereinfachten Präsentation gar nicht erwartet hätte. Neben einigen neuen Stücken, welche die ansonsten belanglosen Zwischensequenzen etwas aufwerten, gibt es auch viele schöne Melodien, die das routinierte Dungeoncrawling kurzweiliger machen, darunter auch einige gesungene Stücke. Für die Rangeons hat der Spieler sogar die Möglichkeit bestimmte BGMs aus- oder anzuschalten, die dann in zufällig bestimmten Ebenen des Dungeons gespielt werden. Bei einem schönen Lied macht das Erkunden gleich doppelt so viele Freude! Wie schon beim Vorgänger gibt es auch hier wieder das Feature, mit welchem schon Half Minute Hero versuchte, den Retro-Charme der Pixelgrafik noch zu verstärken; eine 8-Bit-Version des Soundtracks. Das klingt aber leider in der Theorie besser als es sich im Spiel anhört. Die 8-Bit-Version versucht mit den Retro-Sounds die Klänge des Originals zu imitieren, aber die Musik hört sich dabei nie nach einem authentischen und homogenen Chiptune-Soundtrack an. Die Melodien klingen seltsam und unharmonisch. Während deswegen also für den Großteil des Spiels die Originalmusik zu bevorzugen ist, stellt die 8-Bit-Version nichtsdestotrotz eine willkommene Abwechslung während der vielen Stunden Dungeoncrawling dar. Außerdem hat der Spieler auch die Möglichkeit mithilfe einer angepassten Music Macro Language (MML, eine Beschreibungssprache für Chiptunes) selber kreativ zu werden und Musik für die Rangeons zu komponieren.

Das Opening des Spiels wird von Kanako Itou (Chaos;Head) interpretiert und schafft es sehr gut mit mysteriösen und spannenden Klängen auf die Abenteuer in Arcanus Cella einzustimmen und weckt damit Erwartungen, welche die Geschichte zwar nicht erfüllen kann, die wirklich atmosphärische Musik des Spiels allerdings schon. Selbst wer mit ClaDun x2 nichts anfangen kann, sollte unbedingt einmal in den Soundtrack reinhören.

 

Trailer

 

 

Cladun x2: Doppelt so gut wie der erste Teil?

Bietet ClaDun x2 dem Spieler denn nun auch doppelt so viel Spaß? Dies vielleicht nicht, aber dank der konsequenten Fortführung und an den richtigen Stellen eingesetzte sinnvolle Erweiterungen der innovativen Spielmechanik dürfte jedem Fan des ersten Teils sehr viele Stunden an spaßigem Grinden, Farmen und Dungeoncrawling bevorstehen. Gelegenheitsspieler werden allerdings wahrscheinlich eher enttäuscht von der sehr schwachen Geschichte und oft frustriert von dem auf erfahrene Spieler ausgelegten Schwierigkeitsgrad und dem hohen Grad an zum Teil unfairer Zufälligkeit in den Rangeons sein.