Radiata Stories (roh)

Cover von Radiata Stories (roh)

Review

Nach Star Ocean 3 - Till the of Time - folgt nun das nächste Action-RPG von Tri-Ace: Radiata Stories. Es wurde im Frühjahr 2005 in Japan, und im 3. Quartal des gleichen Jahres in Amerika veröffentlicht. Nach dem recht grossen Erfolg von Star Ocean 3, erwarteten viele Fans von Tri-Ace ein weiteres grossartiges RPG mit komplexem Kampfsystem. Die meisten wurden aber in einer Hinsicht enttäuscht, Radiata Stories ist kein Star Ocean 3, und setzt seine Akzente auf vollkommen andere Gebiete, wie Ihr im Gameplay Teil dieser Review lesen könnt.

Im Mittelpunkt der Handlung von Radiata Stories steht Jack Rusell, der Sohn eines berühmten Ritters, der in die Großstadt Radiata zieht um ein ebenso grosser Ritter zu werden, wie sein alter Herr. Jack ist jedoch alles andere als begabt, und schafft es nur durch Beziehungen in den Ritterorden. Aber auch da glänzt er nicht besonders. Jack ist wie die Hunderasse, die ihm seinen Namen leiht, ein abenteuerlustiger Kerl, der Herausforderungen sucht und dabei selten sein Köpfchen benutzt. So bringt er seine Brigade, die aus dem Kapitän Ganz Rothschild und der Tochter eines hohen Lord Ridley Silverlake, des öfteren in Schwierigkeiten. Radiata Stories ist ein witzige Geschichte, die stark auf Comedyeinlangen basiert. Im späteren Verlauft nimmt die Handlung eine eher ernstere Richtung, und Jack wird in einen Krieg zwischen die Fronten geworden, wo er sich für eine Seite entscheiden muss. Die glaubhafte Welt gibt den passenden Humoreinlagen, und den einfallsreichen Wendungen noch den richtigen Schliff und macht die Story von Radiata Stories zu etwas, von dem man sich nur schwer lösen kann.

Das Gameplay von Radiata Stories unterscheidet sich, wie im ersten Abschnitt erwähnt, stark von anderen Tri-Ace Titeln. Das Kampfsystem steht in Radiata Stories nicht im Vordergrund. Es wurde von daher ziemlich schlicht gehalten. In den Kämpfen, die durch das Berühren eines Gegners auf der Karte erzeugt werden, steuert man Jack über einen extra Kampfplatz, wie man es in den meisten östlichen RPGs findet. Da das Spiel als Action-RPG gilt, kann man Jack frei über das Feld bewegen, und ihn die Gegner angreifen lassen.
Das Basissystem basiert darin, den Gegner mit dem Schwert (Axt, Lanze, etc.) zu treffen, und bei einem gegnerischen Angriff auszuweichen, oder den Angriff zu blocken und per Knopfdruck zum richtigen Zeitpunkt zu kontern. Durch jeden Treffer, den Jack verursacht, lädt sich die Volty Leiste um einen Punkt. Die Punkte kann Jack verbrauchen, indem er eine Spezialattacke ausführen kann, die 10 Punkte in der Volty Leisten verbraucht. Wenn die Leiste voll ist, sprich 100 Punkte, kann Jack einen besonders starken Voltyangriff starten, falls er einen erlernt hat. Die Art der Techniken hängt von der Waffe ab.

Es gibt mehrere Waffenarten im Spiel, die Jack benutzen kann: Schwert, 2-Hand Schwert, Lanze und Axt. Bei jeder dieser Waffengattungen erlernt Jack durch das Benutzen neue Angriffsmethoden, die er dann seinem Angriffsmuster hinzufügen kann. So kann Jack z.B. mit dem Schwerthieb am Anfang nur links und rechts Hiebe machen. Im Statusmenü kann Jack dann diese Hiebe einer Folge zuschreiben. Sortiert er 4 Linkshiebe hintereinander, wird Jack, wenn man im Kampf vier mal die Angriffstaste drückt, vier Linkshiebe ausführen. Mit der Zeit lernt Jack ausserdem noch mehrere Hiebe zu kombinieren, so dass bis zu 7 Angriffsmethoden für einen Angriff zur Verfügung stehen. Wenn Jack schliesslich alle Angriffsmethoden erlernt hat, bekommt er den speziellen Volty Angriff dieser Waffe.

Natürlich kämpft Jack in einem Kampf nicht alleine. Es stehen ihm bis zu drei andere Charaktere gleichzeitig zur Verfügung, die der Spieler aber nur indirekt kontrollieren kann. So kann Jack im Handel bestimmte Strategiebücher kaufen und benutzen. Dadurch erlernt er neue Kommandos, womit er den Mitstreitern Befehle erteilen kann. Eine weitere Möglichkeit die Mitstreiter zu kontrollieren, ist das Formationssystem. Mit höherem Level erlernt Jack immer neue Formationen, womit er die Charaktere in verschiedene Positionen bringen kann. Dies hat unterschiedliche Effekte. 
Wenn Jack z.B. die Line-Link Formation benutzt, stellen sich alle Charaktere nebeneinander. Wenn man dann einen Hieb ausführt, schiesst eine Energiewelle von allen Charakteren nach vorne. Radiata Stories bietet unzählige Formationen an, die sehr vielfältig sind.

Aber wie gesagt, legt Radiata Stories weniger Augenmerk auf das Kampfsystem, als auf die Interaktion mit den Bewohnern des Spieles. Radiata Stories bietet unglaubliche 177 Charaktere, die man in die Party nehmen kann. All diese Charaktere sind, wie in Suikoden, einzigartig, haben ein eigenes Aussehen und Verhalten. So lassen sich fast alle Charaktere im Spiel in die Party ziehen. Dabei läuft es storymässig nicht so ab, wie es bei Suikoden der Fall ist, dass man Leute für den Krieg rekrutiert. In Radiata Stories sucht man eigentlich nicht nach "Mitstreitern", sondern nach "Freunden". So kann es kommen, dass kleine Kinder Eure Freunde werden und Euch dann im Kampf aushelfen.

Die Aufnahme dieser 177 Charaktere ist noch um einiges schwerer als in ähnlichen Titeln, da die Handlungsabläufe der Einwohner von Radiata und Umgebung recht komplex sind. So besitzt Radiata Stories ein Zeitsystem, bei dem alle NPCs des Spiels einen eigenen Tagesablauf haben. Manche stehen morgens auf, trainieren etwas, gehen dann in die Kirche, um schließlich zur Arbeit zu gehen. 
So muss man öfter den richtigen Zeitpunkt erwischen, um den Charakter dazu zu bringen, Euer Freund zu werden. Die Macher haben aber einen extremen Aufwand betrieben, jeden Tagesablauf einzigartig und interessant zu machen. 
So kann der Spieler mehrere Stunden im Spiel damit verbringen, einfach anderen Charakteren nachzulaufen und zu schauen, was sie so alles anstellen. Es ist manchmal einfach unglaublich, wie viel Details in das Spiel integriert sind.
Um einmal wenigstens ein Beispiel dieser Detailverliebtheit zu nennen, hat fast jeder weibliche, der über 100 Charaktere in Radiata, in Ihrer Freizeit ein komplett anderes Outfit an als sonst am Tag. In Radiata Stories verbringt man also die meiste Zeit damit, die komplexe Welt mit ihren Einwohnern zu erkunden.

Um den Humor des Spiels auch in das Gameplay zu bringen, findet Jack Gegenstände in Eimern, Schränken etc., nicht einfach durch untersuchen. Nein, Jack kann per Knopfdruck Sachen treten und so an Items gelangen. Dies mag zwar noch nicht lustig sein, aber wenn man anfängt Menschen und andere Lebewesen zu treten, kann dies schon zu unerhofft humorvollen Einlagen führen. Meistens führt ein wiederholtes Treten einer Person unweigerlich dazu, dass Ihr Euch im Kampf wiederfindet.

Die Haupthandlung des Spiels wird auch etwas anders vorangetrieben, als in anderen RPGs. So muss man in Radiata Stories nicht zu einem bestimmten Ort, oder einer bestimmten Person reisen um die Handlung in Gang zu bringen, sondern muss meistens in sein Bett schlafen gehen. Wenn man also nicht will, dass die Story weiter geführt wird, weil man z.B. noch ein paar Charaktere holen will, die nach einem bestimmten Event nicht mehr zur Verfügung stehen, so sollte man einfach nicht schlafen gehen. 
In Jacks Zimmer, wo dieses Bett steht, ist außerdem einer der wenigen Speicherpunkte des Spiels. Dies ist aber nicht weiter schlimm, da die wenigen Dungeons im Spiel (2-3) meistens in 10 Minuten geschafft sind. Sollte es mal einen längeren Aufenthalt an einem Ort geben, so wird immer ein Speicherpunkt angeboten. Zwischen den einzelnen Handlungssträngen, kann sich Jack in der Gilde optionale Missionen abholen, um an Geld, Items oder Charaktere zu gelangen.

Grafisch spielt das Spiel in einer höheren Liga. Das Design ist sehr farbenfroh und nutzt den sogenannten Anime/Mangastil. Die Charaktere sind ziemlich einfallsreich designt und unterscheiden sich stark voneinander, was bei der Menge von spielbaren Charakteren nicht gerade unwichtig ist. Alle Charaktere sind gut texturiert und bis ins kleine Detail animiert. 
Die Umgebung führt den comicähnlichen Stil weiter, und bietet schöne weite Landschaftsbilder, in deren Hintergrund Riesenbüffel, Dinosaurier und sonstige Tiere herumlaufen. Unzählige Insekten, Vögel und Schmetterlinge durchstreifen die Umgebung von Radiata während zig Ratten, Mäuse und Spinnen im Inneren von Radiata selbst hausen. Das Spiel legt, wie bei den Charakteren, auch in der Umgebung auf sehr viele Details wert, um eine wirklich glaubhafte Welt zu erzeugen.

Der Soundtrack stammt von Iwadare und ist, genau wie das Spiel selbst, zum größten Teil sehr humorvoll. Es fehlen zwar die wirklich epischen Stücke, wie in anderen RPGs, aber die wären in Radiata Stories sowieso fehl am Platz. Der Soundtrack birgt zwar keine wirklichen Blockbuster, erfüllt aber seinen Zweck, das Spiel sinngemäß zu untermauern, perfekt.

Fazit: Alles in allem ist Radiata Stories ein grossartiges Rollenspiel, welches dem Spieler eine kleine Pause von all den epischen Rollenspielen gibt. Eine wundervolle Grafik, ein spassiges Gameplay, eine glaubwürdige und detailierte Welt, sowie die witzige und interessante Story machen Radiata Stories zu einem grossartigen Rollenspiel.