Kingdom Hearts II

Cover von Kingdom Hearts II

Review

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Das Spiel

Vier Jahre nach der Veröffentlichung des eher misslungenen aber trotzdem erfolgreichen PS2 Action-RPG Kingdom Hearts von Tetsuya Nomura, erscheint nun endlich der lang erwartete zweite Teil. Der Beliebtheit des ersten Teils verdankend, waren die Erwartungen zu dem zweiten Teil der Serie sehr hoch und bevor es überhaupt erschien hörte man überall Lobeshymnen. Aber hat es das Spiel auch wirklich verdient? Ist es auf den gleichen Niveau wie der Vorgänger oder macht es all die unzähligen Fehler des ersten Teiles wieder wett?

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Die Story

Um die Antwort auf diese Frage zu finden, widmen wir uns erstmal der Story. Kingdom Hearts II schließt direkt an das Gameboy Advance Spiel Kingdom Hearts: Chains of Memories an, welches nach Kingdom Hearts spielt. Sora liegt in einem Tiefschlaf, um seine Erinnerungen zurück zu gewinnen und ahnt nichts von den Machenschaften einer Gruppe, die sich Organisation XIII nennt.
Das Spiel beginnt in der Rolle des Jungen Roxas, der mit seinen Freunden in Twilight Town allerlei Abenteuer erlebt. Doch eines Tages geschehen seltsame Dinge. Kreaturen tauchen aus dem Nichts auf und terrorisieren die Einwohner, Männer in schwarzen Umhängen streifen durch die Straßen und aus unerklärlichen Gründen taucht das Schlüsselschwert auf und findet in Roxas einen neuen Meister.
Fragen über Fragen werden zu Beginn aufgeworfen. Manch Spieler wird sich fragen was die ganzen Ereignisse mit den Vorgängern zu tun haben. Doch langsam aber sicher erfährt man im Laufe des Spieles immer mehr und wird das Mysterium hinter Roxas und Organisation XIII lösen können.

Der Plot von Kingdom Hearts II beginnt sehr tiefgründig und dramatisch, was für ein Kingdom Hearts Spiel ungewöhnlich ist. Erst wenn man nach gut vier Stunden wieder die Kontrolle über Sora erlangt, fällt das Spiel in seine bekannte Oberflächlichkeit zurück. Nichtsdestotrotz hat die Geschichte in Teil 2 viel mehr Abwechslung und Spannung zu bieten. Während es im ersten Teil nur zu Beginn und zum Schluss eine eigene Handlung gab und der Rest nur auf den einzelnen Geschichten der Disneywelten bestand, bringt Kingdom Hearts II die Disneywelten nun viel Stärker in den Verlauf der Geschichte ein. Die Storys der Disneywelten sind natürlich weiterhin vorhanden, aber nun viel intelligenter, liebevoller und nicht so gehetzt dargestellt.
Einziger Kritikpunkt: Ohne das Gameboy Advance Spiel gespielt zu haben, werden viele Szenen, vor allem zu Beginn, für den Spieler sehr verwirrend wirken.

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Gameplay

Das Gameplay ist im Grunde das Gleiche wie in Teil 1. Man reist per Gummischiff von Welt zu Welt und muss Schlüssellöcher versiegeln. Dabei wird auf ein schnelles Aktionskampfsystem gesetzt. Doch ein Unterschied besteht: Jeder einzelne Punkt im Gameplay wurde immens verbessert!
Angefangen bei dem Gummischifffahrten. Diese sind nicht mehr eintönig und nervig wie in Teil 1, sondern bieten viel mehr Action und Abwechslung. Abwechslung ist auch das Wort, welches auch für das Kampfsystem zutrifft.

Kingdom Hearts bot im ersten Teil ein langweiligen Hack & Slash Kampfsystem, in dem man ohne viel Denken durch ganze Horden von Gegner metzeln konnte. Nur die Bosse brachte etwas Abwechslung in das Spiel. In Teil 2 ist dieses Problem gelöst. Die Bosse machen weiterhin so viel Spaß, wenn nicht sogar mehr, aber auch die normalen Kämpfe sind nun viel abwechslungsreicher.
Dies geschieht vor allem dank der Reaktionsbefehle. Wenn bestimmte Bedingungen im Kampf gegen einen Gegner existieren, wie z.B. auf einer bestimmten Distanz zum Gegner stehen, oder einen Angriff blocken, erscheint ein Befehl über der Kommandobox. Durch ein gute zeitlich abgestimmtes Drücken auf die Dreieckstaste, lassen sich spektakuläre Angriffe ausführen, die von Gegner zu Gegner variieren.
Dazu kommen die eindrucksvollen Driveformen. Dabei kann Sora mit einem seiner Mitstreiter fusionieren. Nicht nur, dass Sora dadurch Kraft und Schnelligkeit erlangt, kämpft er nun auch mit zwei Schlüsselschwertern gleichzeitig und hat neue beeindruckende und stilvolle Fähigkeiten. Soras Schnelligkeit ist außerdem so hoch, dass er teilweise minutenlang durch die Luft schlagen kann, ohne den Boden zu berühren und ohne auch wirklich Fliegen zu können.
Diese zwei neuen Aspekte und die Möglichkeit erneut Disneyfiguren im Kampf zu beschwören bietet schon sehr viel Abwechslung. Aber wem das noch nicht genug ist, der kann auch auf Limits zurückgreifen. Dies sind Spezialattacken, die einiges an Zeit andauern und von Charakter zu Charakter, mit dem man das Limit verwendet, sehr unterschiedlich sind.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Das Gameplay ist also das gleiche wie im ersten Teil nur um ein vielfaches verbessert.

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Grafik & Musik

Die Grafik ist erneut sehr farbenfroh und kitschig. Die Charaktere sind sehr gut modelliert und texturiert und die Umgebung ist wie gewöhnlich kahl. Es gelingt dem Spiel perfekt das Aussehen der Disneyfilme zu kopieren. Der Spieler hat teilweise das Gefühl tatsächlich durch den Film zu laufen. Das Design der Figuren, welches von Nomura stammt, ist nun um einiges erwachsener, und das Aussehen aller Figuren wurde sehr stark auf „coolness” getrimmt, wenn nicht sogar schon zu stark.

Die Musik von Yoko Shimomura ist sehr gut gelungen. Die Kingdom Hearts II eigenen Stücke sind sehr liebevoll und flott gespielt, so wie es für Shimomura üblich ist, während die aus Disneyfilmen stammenden Lieder sehr passend umgesetzt worden sind. Das Titellied „Passion” von Hikaru Utada ist ebenfalls ausgezeichnet gelungen und bietet J-Pop vom Feinsten.

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Trailer

 

 

Fazit

Insgesamt ist Kingdom Hearts II in seinen Grundzügen gleich geblieben, jedoch wurden so gut wie alle Aspekte verbessert. Selten hat man ein Gefühl wie bei diesem Spiel, dass sich die Entwickler die Kritiken an dem Vorgänger zu Herzen genommen haben. Wer also Teil 1 mochte wird dieses Spiel lieben. Selbst Hasser des ersten Teiles könnten sich mit dem Zweiten anfreunden.
Doch trotz all positiver Worte in dieser Review, muss gesagt werden, dass Kingdom Hearts II weiterhin kein konventionelles RPG mit tiefer Story und überzeugender Charaktere ist. Es ist und bleibt ein Spiel für die jüngeren Spieler, die sich leicht von Coolness und Action überzeugen lassen und die von vielen Verwirrungen in den Dialogen auf einen ausgearbeiteten Plot schließen. Es ist und bleibt ein Spiel, in dem man vorwiegend die Disneywelten besucht und die Geschichten aus den Filmen in aller kürze wiedererzählt bekommt. Doch nichtsdestotrotz holt Kindgom Hearts II alles raus was in dem eben genannten Rahmen möglich ist.