Atelier Iris 3: Grand Phantasm

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Review

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Das Spiel

Mit Atelier Iris - Grand Fantasm geht das Videospielunternehmen Gust nunmehr in die achte Runde der einzigartigen und erfolgreichen Alchemie-Rollenspielserie. Gust bleibt sich mit so manchen Elementen, die ein Atelier Spiel ausmachen, weiterhin treu - besticht aber mit dem jüngsten Ableger wieder mit so manchen Innovationen.

Atelier Iris 3 Cover Japan Atelier Iris

Die Story

In einer friedvollen Zeit, in der Alchemisten zu einer Rarität zählen, lebt ein Schwertkämpfer mit dem Namen Edge Vanhite mit seiner Kindheitsfreundin Iris Fortner zusammen, die zu der seltenen Gattung der Alchemisten gehört. Gemeinsam bestreiten sie ihren Alltag mit der Annahme von verschiedenen Aufgaben, die sie in der Gilde erhalten, und reisen mittels mysteriöser Portale in andere Welten.
Eines Tages erfahren sie vom Auftauchen einer geheimnisvollen Lichtsäule, von einem Buch, das angeblich die Macht besitzt, jeden erdenklichen Wunsch zu erfüllen, und Juwelen, die als Schlüssel des Buchs fungieren. Dabei finden sie heraus, dass Iris bereits im Besitz des sagenumwobenen Erusukuurario ist, das ihr einst hinterlassen wurde. Von Neugier getrieben macht sich das Duo auf die Jagd nach den Juwelen, begleitet von zahlreichen Abenteuern und bereit, das Rätsel zu entschlüsseln. Jedoch sind Edge und Iris nicht die Einzigen, die von dem mysteriösen Buch wissen, und so müssen beide zahlreiche Hindernisse überwinden und sich mit anderen Wettbewerbern und zwielichtigen Gestalten herumschlagen, die ebenfalls ein Auge auf das Buch geworfen haben und ihre eigenen Motive haben, es besitzen zu wollen.

Wer wird das Buch letztendlich in Händen halten dürfen, und wird es wirklich jeden Wunsch erfüllen können? Oder wird sich alles im Nachhinein nur als Mythos herausstellen? Ein neuer Abschnitt voller Mysterien, Abenteuer, Legenden und Magie beginnt - mit dieser Geschichte: Dem Buch der verborgenen Wahrheiten.

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Gameplay

Die Stadt, in der Edge und Iris ihr Zuhause haben, ist diesmal deutlich größer ausgefallen als das kleine Fleckchen Eden in Atelier Iris - Azoth of Destiny. Glücklicherweise helfen zahlreiche Wegweiser und eine übersichtliche Karte bei der Orientierung. Außerdem sind über die gesamte Stadt kleine Bootanlegestellen verteilt, wo euch ein NPC gegen geringes Entgelt zu den wichtigsten Ortschaften der Stadt transportiert. Den Mittelpunkt der recht gut bevölkerten Stadt stellt das Misutoruusu dar, welches als örtliche Gilde fungiert, wo das Duo seine Aufträge herbezieht, um über die Runden zu kommen. Die Aufträge sind hierbei bunt gemischt, mit allgemeinen Aufgaben wie der Suche nach einer weggelaufenen Katze, dem Verkuppeln eines Wald-Manageistes mit seinem Schwarm, dem Abliefern von Gegenständen bei Shop-Besitzern, welche ihr zuvor per Alchemie synthetisiert habt, oder dem Aufspüren von einzigartigen Gegnern, auf die ein Kopfgeld ausgesetzt wurde.

Neue Quests kommen mit dem Voranschreiten im Spiel dazu und es ist möglich, alle aktuell aushängenden Quests am schwarzen Brett in der Gilde gleichzeitig anzunehmen und zu erledigen. Die angenommene Aufgabe wird dann mit kurzen Informationen in euer Quest-Logbuch aufgenommen, wo ihr die wichtigsten Details nochmal entnehmen könnt. Die NPCs bei denen die Quests gestartet werden sind meist mit einem Quest-Symbol über ihrem Kopf markiert. Für die Absolvierung einer Aufgabe erhaltet ihr für die Auslieferungen von Gegenständen meist Geld und Items, bei allgemeinen Aufgaben bekommt ihr zusätzlich noch sogenannte Quest-Points. Hat man eine bestimmte Anzahl an Quest-Points angesammelt, erhöht sich der Rank, und meistens wird im Anschluss eine Mission gestartet.

Die Story selbst wird durch Missionen vorangetrieben, die ihr zu erfüllen habt, um weiterzukommen. In dieser Zeit könnt ihr keine Quests mehr annehmen, und alle bis dahin angenommenen Aufgaben werden kurzzeitig „auf Eis gelegt”, sodass ihr euch voll und ganz auf die Mission selbst konzentrieren könnt. Glücklicherweise müssen Edge und Iris nicht alle Gefahren alleine meistern - die 15-jährige Nel Eles schließt sich den beiden im Verlauf der Geschichte an, womit die Party auch schon komplett ist.

Natürlich darf, wie es sich für ein Atelier Spiel gehört, das Item Synthese System nicht fehlen. Wie schon in vorhergehenden Teilen könnt ihr euch hier durch das Kombinieren von verschiedenen Materialien Ausrüstungsteile und Items zusammenbrauen, was nur dann möglich ist, wenn man auch das benötigte Rezept dazu kennt. Diese könnt ihr euch in den örtlichen Shops kaufen, finden, oder durch Quests einheimsen. Solltet ihr über so manches Item nicht verfügen, könnt ihr durch Herumprobieren mit anderen Itemkombinationen vom Original-Rezept abweichen und so eventuell auch ganz neue Kreationen entwickeln. Für die Synthese ist ausschließlich Iris zuständig, die jedoch so begabt in der Kunst ist, dass keine Zuhilfenahme der berüchtigten Manageister erforderlich ist, wie in den beiden letzten Atelier Iris Spielen. Dieses Mal benötigt ihr ausschließlich die Materialien für eine erfolgreiche Synthese. Ausrüstungsteile könnt ihr nach der Synthese zusätzlich mit Fähigkeiten bestücken, die abhängig von den Materialien sind, die ihr genutzt habt. Neu hinzugekommen ist in diesem System ebenso ein Ranking in Form von Sternen. Wann immer Iris erfolgreich ein Item synthetisiert, füllt sich ein Balken an - ist er voll, so bekommt ihr einen leuchtenden violetten Stern (Anmerkung: Die genauere Bedeutung dieser Sache ist mangels Sprachkenntnisse noch unbekannt).

Die wohl zahlreichsten Neuerungen hat Atelier Iris - Grand Fantasm im Kampfsystem und in den eigentlichen Kampfgebieten erhalten - durch bereits vorangegangene Berichte ist erwähnt worden, dass Zeit eine tragende Rolle in Grand Fantasm spielt. Auf dem Feld findet man im rechten Bildbereich eine Sanduhrleiste, die Stück für Stück abläuft. Sobald alle blauen Sandkugeln verschwunden sind, ist die Zeit auf dem aktuellen Feld vorbei und ihr werdet in die Stadt zurückteleportiert. Es gibt lediglich zwei Möglichkeiten, die begrenzte Zeit aufzustocken beziehungsweise anzuhalten: Entweder durch das Besiegen von Gegnern oder durch das Auffinden von Sanduhren auf dem Feld. Diese liegen meistens lose herum oder verstecken sich in dichtem Gestrüpp, Fässern, Kisten etc. welche ihr mit Edges Schwert zerhacken könnt. Flieht ihr aus einem Kampf, wird euch ein Teil der Zeit abgezogen. Neben Items und Schatztruhen lassen sich auch farbige Kristalle finden, auf die in den kommenden Abschnitten noch näher eingegangen wird.

Im Gegensatz zu den letzten beiden Teilen könnt ihr die Gegner nun auf dem Feld sehen, was den Vorteil einbringt, dass man selbst entscheiden kann, ob man sich einem Gefecht aussetzen möchte oder nicht. Hierbei ist auf die Farbe des Gegners zu achten: Weiß stellt die schwächste Kategorie dar, wobei die roten beziehungsweisen riesigen Monsterchen die stärkste Einheit bilden. Zusätzlich gibt es auch welche mit der Farbe blau. Diese haben den besonderen Effekt, dass man sie einfach mit Edges Schwert zeteilen kann und sie sogar eventuell noch Zufall-Items hinterlassen, was bei den andersfarbigen Gegnern nicht möglich ist.
Hindernisse auf dem Feld wie zum Beispiel Steintrümmer und Eisblöcke lassen sich mit Hammer und anderem Werkzeug aus dem Weg räumen - dieses muss jedoch erstmal gefunden werden. Am Anfang steht euch nur Edges Schwert zur Verfügung. Wechseln könnt ihr die entsprechenden Hilfsmittel mit der L1- und R1-Taste. Über die Start-Taste könnt ihr die Karte aufrufen, wo ihr eine gute Übersicht darüber habt, wie die Abschnitte alle miteinander verbunden sind. Quest-Details werden in Kurzform am unteren Kartenrand angezeigt und verschiedene Symbole kennzeichnen eure Karte und geben beispielsweise Aufschluss darüber, wo ihr die Möglichkeit habt, Sachen zu pflanzen oder gar zu fischen. In der Tat, in Grand Fantasm ist die Möglichkeit zum Angeln gegeben - das System hierbei ist weder schwer noch bedarf es irgendwelcher Anforderungen. Ihr schmeißt einfach eure Angel ins Wasser und wartet, bis etwas anbeißt. Sobald sich ein Fisch an eurem Haken verfangen hat, blinkt eine Anzeige auf und ihr müsst versuchen, den sich schnell bewegenden Balken in den Success Bereich zu bekommen. Je nach Seltenheit des Fisches wird der Balken schneller oder der Success-Radius kleiner - manches Mal muss man sich ebenso auf Zufallskämpfe mit Monstern einstellen.

Das Kampfsystem selbst hat auch eine kleine Veränderung erlebt. Zusätzlich zur bereits bekannten Skill Gauge ist eine weitere am unteren Bildschirmrand hinzugekommen - die Burst Gauge. Diese füllt sich bei normalen Angriffen auf die Gegner und der Benutzung von Skills, die wie üblich natürlich auch Skill Points kosten und von der Skill Gauge abgezogen werden. Ist die Burst Gauge bis zum Anschlag gefüllt, erhaltet ihr einen massigen Vorteilsbonus in zweierlei Hinsicht. Zum einen füllt sie eure Skill Gauge bis zum Anschlag auf neun und zum anderen richtet ihr im Burst Mode massiven Schaden an, welcher auch vonnöten ist, da so mancher Gegner schon am Anfang mit hohen HP-Zahlen in die Tausende aufwartet. Heftige Angriffe seitens der Gegner sorgen für eine Abnahme der Burst Gauge. Ansonsten seht ihr wie üblich im oberen Bereich stets in Form von Karten (mitunter ein Grund, weshalb man das Battle System ACCB = Active Cost Card Battle genannt hat), wann ein Gegner oder ein Charakter am Zug ist. Den Gegnern könnt ihr für größeren Schaden mit kritischen Waffenhieben zusetzen oder sie sogar kurzzeitig mit einem Break Schlag lähmen. Manche ausgelöste Effekte wie eines von Edges Schwertfähigkeiten dauern über mehrere Kampfrunden an. Als Beispiel wäre zu nennen, dass Edge sein Schwert in seine Einzelteile zerlegt und den Griff davon wie einen Boomerang auf seine Gegner schleudert, welcher dann noch für drei Kampfrunden auf seine Gegner eindrischt, bevor er in Edges Hände zurückkehrt.

Die Alchemie Geister wirken zwar in Grand Fantasm nicht mehr in der Synthese selbst mit, aber Iris ist in der Lage, sie für so manchen nützlichen Effekt oder Angriff im Kampf zu beschwören, während Edge und Nel dank des Blade Master Systems in der Lage sind, mit ihnen zu fusionieren und neue Waffen-Fähigkeiten zu lernen - außerdem verändern sich vereinzelt Statuswerte und das Outfit. Nach erfolgreichem Kampf erhaltet ihr wie so oft Erfahrungspunkte, Geld, gedroppte Items und eine geringfügige Anzahl an BP. Wenn Edge und Nel genügend BP angesammelt haben, lernen sie eine neue Waffen-Fähigkeit. Außerdem werdet ihr mit kleinen Boni belohnt, wenn ihr die Kämpfe mittels eines „Fast Kills” schnell beendet - dies wirkt sich dann in etwas mehr Erfahrungspunkten und Geld aus. Ist die Zeit auf dem Feld, auf dem man sich gerade befindet, abgelaufen, wird man wieder zur Stadt zurückteleportiert (man kann sich auch manuell über das Statusmenü herausteleportieren). Vorher bekommt man aber noch eine Tabellenübersicht mit verschiedenen Geheimnissen, die man auf jenem Feld erfüllen kann, zum Beispiel eine Mindestanzahl von zu fangenden Fischen und andere Kleinigkeiten. Für das Erfüllen der Konditionen gibt es Punkte - hier kommen nun auch die mehrfarbigen Kristalle zur Sprache, die man neben den Sanduhren und Schätzen auf offenem Gelände finden kann. Diese geben nochmal zusätzlich Punkte - bei tausend Punkten gibt es eine Belohnung in Form von Items. Weitere Belohnungen gibt es bei dreitausend, fünftausend, siebentausend und zehntausend Punkten.

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Grafik & Musik

Ansonsten ist das Meiste beim Alten geblieben. Gust ist weiterhin bei der animierten Knuddelgrafik geblieben, während Ken Nakagawa und Daisuke Achiwa sich wieder für die Hintergrundmusik betätigt haben, welche wieder einmal gelungen und absolut stimmig zu den jeweiligen Ereignissen ist. Ebenso haben die Voice Actors, wie man es bereits gewohnt ist, bei der Synchronisation erstklassige Arbeit geleistet - die Stimmen passen gut zu den einzelnen Charakteren. Bei den Gesprächssequenzen wird oftmals zu den Charakterportraits geschaltet, welche die Stimmung/Emotion der Charaktere gut herüberbringen.

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Trailer

Fazit

Obwohl Atelier Iris - Grand Fantasm einige neue Sachen bereithält, hat es auch seine Schattenseiten. Vorbei sind die Zeiten, wo man zwischen mehreren Party-Mitgliedern wählen konnte - Edge, Iris und Nel sind alle, die euch zur Verfügung stehen. Dafür wurde das Blade Master System eingeführt, welches Edge und Nel erlaubt, die Klassen vom Attacker zum Supporter oder Magier zu wechseln. Mit einer Anzahl von acht Manageistern in Atelier Iris - Grand Fantasm stehen beiden fünf Klassen zur Verfügung. Würde man Iris also mitzählen, hättet ihr aus der Sicht betrachtet elf Charaktere.

Die vertonten Sequenzen sind dank der professionellen Arbeit der Voice Actors gut geworden. Leider beschränken sich die Vertonungen lediglich auf Kapitelanfänge und den Start einer Mission - sehr schade, denn gerade zwischen diesen beiden fließt massig Text und da hätte eine Synchronisation sicher keineswegs geschadet. Es macht den Eindruck, als hätte Gust nicht genügend Geld oder Zeit gehabt, alles zu synchronisieren. Animierte Filmsequenzen werdet ihr in Atelier Iris - Grand Fantasm mit der Lupe suchen - es gibt nämlich mit Ausnahme des Openings keine. Als nächster Punkt wären die einzelnen Orte und Dungeons zu nennen. Zwar dürft ihr euch durch insgesamt sechs Welten kämpfen, und diese werden mit Fortschritt im Spiel noch erweitert - jedoch sind die Areale insgesamt nicht wirklich dermaßen riesig, als dass man nach einiger Zeit die Gänge im Schlaf durchlaufen könnte, ohne dabei in ein Monster zu rennen. Lediglich die mehr als hundert verschiedenen Aufgaben, die es zu bewältigen gilt, sorgen für gewisse Abwechslung.

Trotz all dieser Punkte - wer bereits mit den beiden vorhergehenden Atelier Iris Spielen seine helle Freude hatte wird durch die zahlreichen Neuerungen, das recht zügige Kampfsystem, die Quest-Einlagen, in denen auch die Shopkeeper wieder ein wenig mit einbezogen werden (jedoch kein Vergleich zu Atelier Iris: Eternal Mana), manche humorvolle Dialoge und die bereits bekannte Item Synthese nicht von Grand Fantasm enttäuscht sein. Bei Spielabschluss erwarten euch im Übrigen noch Boni in Form von Listen (Monster, Items, Quests etc.), dem kompletten Soundtrack, den ihr euch anhören könnt sowie ein paar kurzen Einlagen von den Voice Actors der Charaktere.

Dieses Review bezieht sich auf die am 29.06.2006 erschienene Japan-Version. Seit August 2007 ist auch eine von Koei vertriebene PAL-Version erhältlich.

-by Seldio