Alundra 2

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Review

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Spiel

Die Erwartungen der Fangemeinde von „Alundra” waren recht hoch, als uns im Juni 2000 der offizielle Nachfolger „Alundra 2: A New Legend Begins” serviert wurde. Ein Blick auf Bewertungen verschiedener Seiten zeigt schnell, dass viele Erwartungen leider nicht erfüllt wurden. Grund genug, den Gründen dafür auf den Grund zu gehen.

Als kleine Besonderheit bleibt noch erwähnenswert, dass das Spiel zusätzlich für Australien ebenfalls im Jahr 2000 lokalisiert wurde.

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Story

Die Geschichte von Alundra 2 beginnt mit den Abenteuern des jungen Piraten und Söldners Flint, dessen Story sich in einer Fantasy-Welt der ganz besonderen Art widerspiegelt. Die Regierung des Landes Varuna wird schrittweise durch Marionetten ersetzt. Sogar der König selbst wurde bereits gegen eine solche Puppe ausgetauscht. In Wahrheit ist der finstere Baron Dias an der Macht, der mit Hilfe des ehemaligen Hofzauberers Mephisto eine ganze Armee von sogenannten „Aufzieh-Marionetten” erschaffen hat, und jetzt die Sicherheit des ganzen Landes gefährdet. Entkommen konnte dem ganzen Debakel nur die Tochter des Königs, und jüngste Thronfolgerin, Prinzessin Alexia. Diese macht sich nun dazu auf, nach Flint, einem berüchtigten Tagelöhner, der besonders den hiesigen Piraten oft ein Dorn im Auge ist, zu suchen.

Während Alexia auf dem Weg ist, Flint zu finden, befindet sich unser Held auf einem gewaltigen Luftschiff und macht derweil kurzen Prozess mit einer Handvoll Piraten und Aufzieh-Marionetten. Das Glück ist ihm jedoch diesmal nicht so hold: Nach dem Kampf droht das Schiff unwiderruflich zu sinken. Durch eine Fügung des Schicksals (oder war es nicht viel mehr nur unverschämtes Glück?) wird Flint an den Strand eines idyllischen Dorfes gespült, wo er auf Prinzessin Alexia trifft. Was sie vorher noch nicht wusste ist, dass Flint eigentlich noch ein recht junger Knabe ist. So hegt sie sofort Zweifel an ihrer Wahl. Flint kann sie jedoch unter Einsatz seiner Schwertkünste und dem Erfolg vieler Missionen eines Besseren belehren. Die Prinzessin erzählt ihm von der kritischen Lage. Nach anfänglichem Gezimper der Prinzessin verbünden sich die beiden miteinander und suchen nach einem Weg, um die Schreckensherrschaft von Barion Diaz und seinen Spießgesellen zu beenden.

Die Story ist wahrlich sehr bunt gemischt und die Motive der Bösewichte sind nicht immer ganz einleuchtend. Besonders die Legende um einen Schatz hat das Interesse von Baron Diaz geweckt, und um seine Besitztümer zu vermehren geht er ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen. Im Laufe der Geschichte findet Flint selbst eine Menge über seine Vergangenheit heraus (wo man am Anfang eher im Dunkeln getappt hat) und muss lernen, damit fertig zu werden. Und selbstverständlich erfahren er und Alexia auch mehr über die dunklen Geheimnisse, die Varuna und vor allem den Hofmagier Mephisto und seine Marionetten zu umgeben scheinen.

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Gameplay

Alundra 2 ist in jeder Hinsicht anders als sein Vorgänger. Wo im ersten Teil doch stark auf die anspruchsvollen Rätsel gesetzt wurde, muss man hier nur noch kleinere Aufgaben lösen. Die meiste Zeit verbringt man bei diesem Spiel eigentlich nur noch damit, Steine zu verschieben, Steine herumzutragen und natürlich (wie nicht anders zu erwarten war) auf ihnen herum zu springen. Die Musik, die an einigen Stellen noch recht stimmungsvoll eingesetzt wurde, spielt dem Zuhörer eine heile Welt vor (fröhliche Themes wohin das Ohr auch hört), was auch recht gut zur 3D-Optik des zweiten Teils passt.

HP und MP heißen hier TP (Trefferpunkte) und EP (Elementpunkte). Das Kampfsystem ist dem von Alundra nicht unähnlich (es wird auf die Gegner gedroschen und mit Magie um sich geworfen), bietet jedoch keine nennenswerten Neuerungen, dafür aber eine Vielzahl an Beschränkungen, wenn man auf den ersten Teil zurückblickt. Das Menü ist etwas umständlicher gemacht als beim Vorgänger. Fortan erscheint kein komfortables Menü mehr zum Aufklappen (wie es auch im Zelda-Stil der Fall war), in dem man sich durch diverse Objekte spezielle Fähigkeiten aneignen kann. Hingegen erscheint es in einem dieser netten Pal-Fenster und dient eigentlich nur noch der Ausrüstung mit Objekten (Heilobjekte, Status-Verstärker) und Elementringen, mit denen man kraftvolle Elementstrahlen abschießen kann, was einem nicht nur im Kampf weiterhelfen wird. Mit ihnen können auch (abhängig von der Menge an EP beim Verbrauch) die vier Elementwächter beschworen werden. Wie auch schon im Vorgänger gibt es wieder eine Tasche, in der man mindestens zwei Objekte verstauen kann, um diese sofort benutzen zu können, wenn man im Spiel die Dreiecktaste drückt, anstatt sie umständlich über das Menü zu suchen.

Eine Neuerung sind hingegen die Kombo-Attacken, die man sich beim Schwertmeister im Austausch gegen eine gewisse Menge an Puzzleteilen (wie die Goldenen Falken bei Alundra auch wieder im ganzen Spiel verteilt) beibringen lassen kann. Die Aktion mit dem Schwert erhöht sich hier schrittweise immer nur um einen Schwerthieb. Die Gegner sind im Gegensatz zum ersten Teil idiotenhaft leicht. Das Einzige, was sie gefährlich macht, ist ihre berserkerhafte Art, sofort auf einen zuzurennen wenn man ihnen ins Blickfeld läuft (das machen vor allem die Aufzieh-Marionetten mit Vorliebe). Minispiele finden in diesem Titel auch an völlig unerwarteten Gegenden statt, so zum Beispiel in einem Dungeon selbst, wo man vor einem Minotaurus, der sich zu einer Kugel zusammengerollt hat, davonrennen muss. Ein ähnliches Minispiel gibt es in einer anderen Höhle, wo man eine spektakuläre Lorenfahrt in Manier von „Indiana Jones und der Tempel des Todes” mitmachen darf. Geld findet man bei Alundra 2 praktisch an jeder Stelle, wo auch Gras wächst, oder für gewöhnlich ein Tonkrug herumsteht (Initiative: Zerdeppern). Flint kann dabei bei seinen Aktionen laufen, springen, eine Gleitattacke oder eine Sturzattacke zum Besten geben, die zu seinen Standardfähigkeiten zählen.

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Trailer

 

Fazit

Wir waren uns eine ganze Weile unschlüssig darüber, wer Alundra 2 nun verbr..., nein, ich meine natürlich hergestellt beziehungsweise mitproduziert hat. Entwickelt wurde dieses Spiel letztendlich von Contrail in Zusammenarbeit mit Activision. Matrix Software, der Entwickler des ersten Teils, hatte hier leider keine Finger mehr mit im Spiel und auch Working Designs soll sich ja angeblich geweigert haben, dieses Spiel in den USA unter ihrem Namen zu vertreiben. Da kommt natürlich die Frage auf, warum? Denn Alundra war zur damaligen Zeit ein absoluter RPG-Knaller und ein derartiger Kassenschlager, dass man noch eine ganze Menge Profit aus einem Nachfolger gewonnen hätte. Warum sollte sich eine Firma weigern, so einen bekannten Spieletitel nicht mehr unter ihrem Namen zu vertreiben? Die Antwort findet ihr in der „Meine Meinung” Rubrik. Wer allerdings überzeugter Alundra 2 Fan ist, sollte ab hier aufhören zu lesen. Zu seinem eigenen besten.

Alundra 2 ist mit Abstand das schlechteste RPG, das mir je untergekommen ist. Dabei hatte ich meine Erwartungen schon so hoch gestellt, dass mich der Nachfolger genauso zufriedenstellen und fesseln würde wie der erste Teil der Alundra-Spielereihe. Leider kam alles anders. Kritik äußere ich allein schon am Namen. Denn das ist ja wohl die einzige Gemeinsamkeit, die sich Alundra 2 noch mit seinem Vorgänger teilt. Zu meiner großen Enttäuschung und sicher auch der vieler anderer Fans hatte der sympathische Hauptheld Alundra im ersten Teil seinen letzten Auftritt. Flint ist einfach kein Ersatz für ihn. Er ist schlicht und ergreifend nicht so interessant wie Alundra. Unverschämt finde ich es deshalb, dass sich das Spiel Alundra 2 nennen darf. Ein „The Adventures of Flint” wäre treffender gewesen.

Die Story ist einfach nur billig gemacht, und die Sprachausgabe unter aller Sau. Da helfen auch die teilweise recht witzigen Dialoge der Personen nicht mehr, die Klischeehaftigkeit dieses Spiels zu bessern. Kenner des ersten Teils werden mit dem Nachfolger im wahrsten Sinne des Wortes von Alpträumen geplagt sein (Melzas schlägt zurück! Har har!). Die Geschichte reißt einen einfach nicht mehr mit, und alles klingt irgendwie so fade. Besonders negativ ist es, dass man schon am Anfang weiß, wer die Bösewichte sind, und daher der so von mir geliebte Überraschungseffekt in diesem Spiel gar nicht auftritt. Mephisto und Baron Diaz haben als Bösewichte die Charaktere von langweiligen und im Voraus zu durchschauenden Ölsardinen. An den grausamen Dämon Melzas oder den kalten Killer Zorgia aus dem ersten Teil kommen sie nicht einmal ansatzweise heran. Dazu sind ihre Charakterzüge und vor allem auch ihre Denkweisen zu sehr offengelegt und vereinfacht worden. Die Geschichte ist sehr kitschig und lächerlich einfach zu kapieren - die Handlung dabei so schlecht, dass ich das Gefühl hatte, ich spiele hier ein Stück aus der „Augsburger Puppenkiste” nach (den Eindruck bekommt man schon wegen der vielen Aufzieh-Marionetten, die eine Schlüsselrolle in dem Spiel zugeteilt bekommen).

Das Schlimmste an Alundra 2 ist wohl die Grafik. Denn die macht alles kaputt, was an dem Spiel noch halbwegs zu retten gewesen wäre, und zeugt letzten Endes auch von dem Niveau des Spiels. Sie ist wirklich so schlecht, dass ich schon nach einigen Stunden des Spielens am liebsten den Controller in die Ecke geworfen und das Spiel beendet hätte. Mittlerweile liegt es bei mir schon verschlossen im Schrank unter einer dicken Staubschicht. Unter einer sehr dicken! Das Charakterdesign ist ja wohl der Hammer! Kantig und eckig, sodass man es nur noch als klobig bezeichnen kann. Da habe ich die 2D-Engine von Alundra mit seinen bunten und kräftigen Sprites doch viel lieber gehabt. Auch die manuelle Kamerasteuerung ist ein sehr nervtötendes Unterfangen bei diesem Spiel. Bis man dann endlich mal den richtigen Blickwinkel gefunden hat, dauert es meistens etwas.

Kurz gesagt - die Programmierer haben sich wirklich selbst übertroffen! Vielleicht haben sie sich ja selbst so einen Aufziehschlüssel in den Rücken gerammt, der sie auf diese grandiose Idee gebracht hat? Ich bezweifle nicht, das Alundra 2 auch seine Fans haben wird, denn einige der Minispiele haben mir schon Spaß bereitet. Außerdem machen die vereinfachte Story und die Jump & Run Einlagen dieses Spiel ideal für Kinderhände. Hartgesottene Fans des Vorgängers werden sich hier jedoch voller Abscheu von dem Spiel abwenden, und das rate ich auch allen nicht-Alundra Fans!