Pandoras Tower

Cover von Pandoras Tower

Review

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Einleitung

Grad einmal 7 Wochen ist es her seit dem Release von The Last Story, schon beschert uns Nintendo gleich den nächsten Leckerbissen für die Nintendo Wii - Pandora's Tower. Dieser Action-RPG Titel ist bereits im Mai 2011 unter dem Titel Pandora no Tō: Kimi no Moto e Kaeru Made ( auch bekannt unter dem Titel Pandora's Tower: Until I Return To Your Side ) in Japan erschienen und entstammt der Feder der Spieleschmiede Ganbarion, welche hauptsächlich Spiele für Nintendo und Namco Bandai herstellen. Am meisten bekannt sind sie hierzulande für diverse Spiele der Anime TV-Serie One Piece oder Jump Star. Das Spiel befand sich nunmehr seit 2006 für 5 Jahre in Entwicklung und herausgekommen dabei ist eine düstere, obskure und nahezu unheimliche Geschichte aber auch begleitet von schönen Aspekten wie Liebe und Zusammenhalt in schwierigen Zeiten. Es ist die Geschichte eines Paares, dessen gegenseitige Zuneigung anhand einer schicksalhaften Tragödie auf eine mehr als nur harte Probe gestellt wird – eine Geschichte, in der man entgegen der eigenen Überzeugung handeln muss, wenn man überleben möchte. 

Anhand des folgenden Reviews schauen wir uns an, ob Ganbarion mit dem jüngsten Titel der Coup gelungen ist und damit zum Ende der Nintendo Wii ein krönender Abschluss darstellt. Äusserst herzlichst möchten wir uns beim Publisher Nintendo bedanken, die uns für diesen Test eine Limited Edition von Pandora's Tower zur Verfügung gestellt haben – vielen Dank an dieser Stelle!

Pandoras Tower Box Pandoras Tower CD
 

Story

Friedliche Stimmung herrscht in der Hauptstadt Helikon im Königreich Elyrien, welches auf einem Kontinent namens Imperia beheimatet ist – eine holde Maid namens Helena wurde als Sängerin dazu auserkoren, an dem zeremoniellen Erntedankfest aufzutreten. Eine ausgelassene und fröhliche Stimmung macht die Runde durch die Reihen des Publikums, die zu Scharen den Festlichkeiten beiwohnen. Unter ihnen ist auch ein junger Ritter namens Aeron, der das Geschehen mitverfolgt – jedoch wird dieser Frieden urplötzlich gestört. Auf dem Rücken von Helena brennt sich eine flächendeckende Tätowierung ein und alsbald macht sich Chaos, Unruhe und Hysterie unter der Bevölkerung breit. Aeron ergreift mit ihr und einer fahrenden Händlerin namens Mavda, die dem Volk der Westrier angehört die Flucht aus Helikon und vor den herannahenden Wachen der elyrischen Armee, welche Helena grösstenteils für die Geschehnisse verantwortlich machen.

Gemeinsam reisen sie nach Okanos, einem großen Ödland weit weg von der Hauptstadt wo kaum Leben vorhanden ist. Ihr Ziel ist "die Narbe" – eine kilometerbreite und unendlich tief scheinende Schlucht in deren Mitte eine Insel fast förmlich über dem schwarzen Nichts zu schweben scheint. Sie wird durch 12 Ketten, welche durch das Festland mit der Insel verbunden sind an der Oberfläche gehalten. Die besagte Insel beherbergt eine gigantische Festung, welche sich aus 13 einzelnen Türmen zusammensetzt, die alle miteinander verwoben zu sein scheinen.

Helena's Stigma auf dem Rücken stellt sich laut Mavda als Fluchmal heraus und mit fortschreitender Zeit mutiert sie immer mehr zu einem Monster, es sei denn sie nährt sich von dem Fleisch der Bestien, die in den Türmen hausen. Jedoch hält dies den Fluch nur kurzzeitig in Schach und Helena in menschlicher Form, denn lediglich das Fleisch der Meister welche jeweils in den obersten Gemächern der Türme hausen, können Helena permanent vom Fluch erlösen. Da sowohl Helena als auch das Volk von Elyrien nach den Leitsätzen des Gottes Aios leben, worunter auch fällt keinerlei Tierfleisch zu verzehren muss sie ihre religiöse Überzeugung dem eigenen Leben gegenüberstellen und eine Entscheidung treffen, für die nicht allzuviel Zeit bleibt. Der mutige Ritter Aeron wagt sich für Helena's Schicksal in die finsteren Türme und bedient sich dabei der Orakloskette, die Mavda ihm zur Unterstützung mitgegeben hat, um den. Herausforderungen gegen die dämonischen Scharen Herr zu werden. Schafft Aeron es rechtzeitig, Helena von dem schrecklichen Fluch zu befreien und so gemeinsam einem glücklichen Zusammensein anstreben zu können oder hält das Schicksal eine grausame Wendung für das junge Paar bereit und erliegt sie dem Fluch und wird entgültig zu einer monströsen Gestalt?

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Gameplay

 

Nachdem man mitten in die Geschichte geschmissen worden ist, steuert man den männlichen Protagonisten Aeron durch die verzwickten und gefährlichen Türme und die hauptsächliche Aufgabe besteht darin, Helena vor der endgültigen Transformation zum Monster zu bewahren und ihr vor Ablauf des Zeitlimits Fleisch zu besorgen, um Zeit zu schinden bis ihr die Spitze jedes Turms erreicht, um dort euch mit dem jeweiligen Meister zu messen und ihm das Meisterfleisch mithilfe der Orakloskette zu entreissen. Der Ablauf des Spieles ist somit gleich von Beginn an recht linear gehalten – ausser den inneren Räumlichkeiten der Türme und dem Observatorium, wo ihr rasten und Vorbereitungen für eure anstehende Reise machen könnt, werdet ihr sonst nichts zu Gesicht bekommen – das ist aber nicht weiter schlimm, denn der Fokus liegt klar auf die Festung und allzuviel Drumherum würde nur von der eigentlichen Sache ablenken.

Euren Spielstand könnt ihr im Observatorium in einem Buch festhalten, euch mit Helena unterhalten und ihr zwischenzeitlich Geschenke machen, um die Zuneigung zu ihr zu erhöhen was entscheidend ist für den Ausgang des Spieles an sich – 6 Endungsmöglichkeiten möchten entdeckt werden. Manche Geschenke, die ihr Helena überreicht resultieren in zusätzliche Szenen, was richtig gut rüberkommt und letzten Endes auch mehr Sinn macht als die übliche plumbe Übergabe, ohne das irgendwas geschieht. Sie kann auch diverse Manuskripte übersetzen, die ihr im Laufe der Zeit aufsammelt, allerdings benötigen die etwas Zeit. Auch sonst ist die holde Maid ziemlich aktiv während des gesamten Tagesverlaufes. Abhängig von der aktuellen Uhrzeit hält sie sich woanders auf – mit etwas Glück kocht sie sogar für euch. Im Hinterzimmer trefft ihr Mavda an, welche als fahrende Händlerin mit euch die alltäglichen Geschäfte macht. Ihr könnt Sachen an- und verkaufen, sowie mittels diverser Materialien Gegenstände herstellen, reparieren oder verstärken.

Wenn man sich dann gründlich genug vorbereitet hat, macht man sich auf den Weg zu den Türmen, wo dann die Schwertkünste und insbesondere der Umgang mit der Orakloskette gefragt sind. Diese hilft euch über weit klaffende Abgründe, beseitigt verschiedene Hindernisse, legt Schalter um und kann weit entfernte Gegenstände, die sonst nicht zu erreichen sind in euren Besitz bringen oder ihr holt fliegende Dämonen vom Himmel. Ausserdem lassen sich damit Monster festketten so das ihr deren kurzfristige Schutzlosigkeit ausnutzen könnt, um Schwerthiebe auszuteilen oder sie sogar herumzuschleudern. Fortgeschrittene Spieler können ausserdem zwei Gegner aneinanderketten – schlagt ihr auf ein Monster ein, erleidet das andere ebenfalls denselben Schaden. Das Ziel der Kette visiert ihr mit der Wii Fernbedienung auf dem Bildschirm an. Ist ein potentielles Ziel gefunden, leuchtet das Zielkreuz rot auf.

Essentiell ist sie auch bei der Beschaffung von Bestienfleisch, welches in verschiedenen Variationen daherkommt und unterschiedlich Wirkung bei der Schmälerung des Fluchs, der auf Helena lastet zeigt. Damit ihr an dieses begehrte Gut kommen könnt, müsst ihr den Feind erst zu Boden knüppeln und dann die Kette nutzen, um an der regungslosen Kreatur zu reissen. Tötet ihr Monster auf herkömmliche Art und Weise, kommen meist andere Gegenstände zum Vorschein, welche von Münzen bis hin zu Heilgegenständen und Materialien reichen. Nebenher sammelt ihr durch das Besiegen der Ungeheuer auch noch Erfahrungspunkte, womit ihr eure Stufe steigern könnt und somit auch eure Attribute. 
Während ihr die Gewölbe eingehend erforscht, müsst ihr immer den Zeitbalken unten links im Auge behalten, denn der gibt Auskunft darüber wie stark der Fluch Auswirkungen bei Helena hinterlässt. Ist der Balken erst einmal leer, ist für euch das Spiel zu Ende und ihr bekommt den Game Over Screen präsentiert – Gleiches gilt ebenso für den Fall, das Aerons LP auf Null sinken.

Letzteres kann etwas geschmälert werden, wenn ihr innerhalb der Türme sogenannte Meilensteine erreicht, welche einem Checkpoint ähnlich sind. Sterbt ihr dann im weiteren Verlauf, landet ihr wieder am letzterreichten Meilenstein. Eine Menükarte hilft euch ein wenig bei der Orientierung – Ziel eines jeden Turmes ist eine riesige Tür, die jedoch mit Ketten verriegelt ist. Man könnte meinen, man hätte sich sowohl hier als auch bei anderen Elementen an die Zelda-Serie angelehnt – während man dort für die Bosstür ein Schlüssel brauchte, müsst ihr hier die Verankerungen von den Ketten finden und zerstören – diese findet man meist an entfernte Stellen. Hat man das geschafft, erhält man das Privileg gegen den Meister des Turms antreten zu können, die in ihrer Schwierigkeit relativ unterschiedlich ausfallen aber zumindest nicht gänzlich langweilig sind und ein wenig an imposante Kämpfe aus Shadow of the Colossus erinnern. Jeder lässt sich mit einer bestimmten Taktik besiegen und gibt euch die Möglichkeit, zum Ende des Kampfes hin das heissbegehrte Meisterfleisch zu entreissen. Wenn Helena davon gegessen hat, bekommt ihr Ausschnitte präsentiert, mit denen nach und nach Storylücken gefüllt werden. Daraufhin wird ein neuer Turm freigeschaltet und wartet darauf von euch erklommen zu werden.

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Grafik & Musik

 In den zahlreichen Zwischensequenzen, welche die Geschichte vorantreiben macht Pandora's Tower eine richtig gute Figur – anhand von Helena's Gestik und Mimik kann man gut ablesen, wie sehr sie unter diesem Fluch leidet und der Spieler fühlt unter Umständen mit der weiblichen Protagonistin mit. Das Observatorium, so klein wie es auch im Gesamten sein mag, versprüht einen gewissen Charme und mit den Geschenken, die man Helena machen kann hat man sogar die Möglichkeit die Inneneinrichtung bis zu einem gewissen Grad mitzugestalten und optisch zu verändern, damit es sich so angenehm wie nur irgend möglich leben lässt. 

Auch die Aussicht auf das Zentrum der Narbe im Aussengelände beeindruckt ungemein und versprüht nahezu eine geheimnisvolle und finstere Aura. Auf dem Dach fliegen Tauben durch die Luft, sobald man sich nähert. Innerhalb der Türme allerdings lässt die Optik ein wenig nach – die Texturen sehen teilweise unschön aus und auch Kantenflimmern war mit von der Partie. Songtechnisch wurde eine gute Wahl getroffen – mit Chorgesängen, Orgelklängen und Musikstücke, die Endzeitstimmung verbreiten gibt das den Rundgängen durch die zahlreichen Türme den entsprechenden Flair. Auch die englische Sprachausgabe kann sich durchaus sehen lassen – Mavda und Helena sind gut vertont sowohl in den Zwischensequenzen, als auch in herkömmlichen Textdialogen. Lediglich Aeron ist sehr wortkarg und redet nur selten – und obwohl er in den Dialogen mehr Text hat, hat man sich dort für entschieden keine Sprachausgabe für ihn einzubauen, aber stille Helden machen ja glücklicherweise noch lange kein schlechtes Spiel aus.

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Trailer

Fazit

Pandora's Tower ist zu grösstem Anteil ein Action-Adventure, was Standardkost bietet unter Hinzunahme einiger RPG-Elemente, welche eher als Mittel zum Zweck herhalten sowie dem Einsatz der Wii Bewegungssteuerung mit der Fernbedienung und dem Nunchuk – wahlweise ist auch das Spielen mit einem Classic Controller möglich, was aber nicht getestet werden konnte. Die Story präsentiert sich recht gut und man wird schnell neugierig, was es mit dem Fluch auf sich hat – zwar stellt die Geschichte für den Spieler am Anfang in etwa ein Buch mit sieben Siegeln dar, aber mit der Zeit arbeitet man die lückenhafte Geschichte zu einem ganzen Puzzle auf. Helena jedes Mal zuzuschauen, wie sie gegen ihren Willen in das widerliche Fleisch reinbeisst, nur um ein wenig länger als Mensch leben zu können zerreisst einem geradezu das Herz und man ist ständig darum bemüht, sie so wenig wie nur irgend möglich zum Monster mutieren zu lassen. Leider setzt das zur Folge, das man bei Spielfortschritt desöfteren mal Backtracks einlegen muss und die Exkursion im Turm abbricht. Auch der relativ schnell prallgefüllte Rucksack, welcher zu Beginn 30 Plätze hat ist relativ ungeeignet für jene, die gerne alles Mögliche an Gegenständen sammeln. Gegen das entsprechende Kleingeld lässt sich dieses zumindest erweitern.

Content Artbook
Aus grafischer Sicht kann das Spiel insgesamt nicht mit den beiden vorangegangenen Wii-Titeln mithalten, aber Ganbarion hat hier dem Anschein nach auch gar nicht so den Schwerpunkt darauf gelegt, es zu einem optischen Bombastfeuerwerk auszuarbeiten. So kommt das Spiel relativ oldschoolmässig rüber und erinnert manches Mal an gute Zeiten aus der PS2- oder Gamecubeära. Die Steuerung ist teilweise doch recht hakelig und bis man den flüssigen Umgang mit der Kette, die für so ziemlich alle Situationen unabdingbar ist gemeistert hat kann schon etwas Zeit vergehen wenn man nicht grad der Geschickteste ist. Mit vollster Präzision das Ziel zu verfehlen kann also schonmal an der Tagesordnung sein und aufgrund von nicht frei drehbarer Kamera kann einem das zum Verhängnis werden. In der Hektik werden auch gerne schonmal die Tasten verwechselt, bei zahlreichen Gegnern verliert man schnell den Überblick und zusätzlich wirkt Aeron recht klein. Hier hätte vielleicht noch etwas Feintuning gut getan – aber insgesamt ist das Zusammenspiel zwischen erzählter Geschichte, den Charakteren, die geschaffene Atmosphäre sowie der Hintergrundmusik recht gut gelungen. 6 verschiedene Endmöglichkeiten laden zum erneuten Spielen ein und es existiert auch ein New Game+ Modus, wo man auch einige Sachen in einen neuen Spielstand übernehmen kann. Wer auf actionreiche Kämpfe steht und eine tragische, emotionsgeladene Geschichte erleben möchte ist mit Pandora's Tower sicherlich gut bedient. Empfehlenswert abschliessend an dieser Stelle sei natürlich aber noch die limitierte Edition des Spieles, welches neben einer stabilen Box mit ansehnlichem Cover auch ein tolles Steelbook und ein 34-seitiges Hardcoverartbook im Querformat bietet für wenige Euro mehr gegenüber der Standardvariante.