Parasite Eve (roh)

Cover von Parasite Eve (roh)

Review

Im Jahr 1998, ein Jahr nach der Veröffentlichung von Final Fantasy VII, erblickte Parasite Eve das Licht der Welt. Das Spiel, welches sich an dem gleichnamigen Roman, erschienen in „Kadokawa Horror Bunka“, von Hideaki Sena anlehnt, versucht klassische Rollenspielelemente mit den Charakteristika eines Survival Horror Spiels im Stile von Resident Evil zu vereinen. Oft wird daher Parasite Eve auch als eine Symbiose zwischen Final Fantasy und letzterem klassifiziert. 

Die Grundthematik des Spiels, dass hoch entwickelte Mitochondrien von menschlichen und tierischen Körpern Besitz ergreifen, diese zu horrenden Wesen mutieren lassen, und schließlich die Weltherrschaft an sich reißen wollen, knüpft an die Geschehnisse des gleichnamigen japanischen Filmes aus dem Jahr 1997 an. Weihnachtsabend 1997: die junge NYPD Polizistin Aya Brea genießt mit ihrem Freund eine Opernaufführung in New York. Star der Vorführung ist die Opernsängerin Melissa Pearce. Während der Veranstaltung, beginnen plötzlich alle Zuschauer zu brennen - alle bis auf Aya und Melissa. Das Chaos ist perfekt und nachdem der Saal leer ist, konfrontiert Aya Melissa mit ihrer Waffe. Melissa beginnt daraufhin eine skurrile Metamorphose durchzumachen, in deren Ergebnis sich ihre Form ändert, die Arme länger werden, Klauen verzieren ihre Hände, und ihre Füße schmelzen zu einem klumpigen schwanzartigen Etwas zusammen. Ab sofort nennt sie sich „Eve“ und beteuert Aya, dass ihre Mitochondrien auch bald erwachen, und sie zu einer höheren Lebensform wandeln. Die überzeugte Polizistin Aya tut dies zunächst als Geschwätz ab und verfolgt „Eve“, um ihrem Vorhaben ein Ende zu setzen. Die Verfolgung führt sie durch Abwasserkanäle, den Central Park, historische Museen und ein Krankenhaus, in dem Aya mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert wird. Von ständigen Rückblicken und verdrängten Erinnerungen geplagt, beginnt sie sich bewusst zu werden, dass nur sie „Eve“ aufhalten und somit eine Herrschaft der Mitochondrien verhindern kann. 

Die Ereignisse des Spiels finden an insgesamt 6 Tagen in der amerikanischen Metropole New York statt. Zunächst ist man sehr beschränkt in der Wahl, gewisse Orte zu besuchen. Im Laufe des Spiels werden aber neue Schauplätze anwählbar, wenn diese storyrelevant sind. Die Hintergründe einer Szene sind alle vorgerendert und sehr hübsch anzusehen. Wechselnde Kameraperspektiven vermitteln dem Spieler zudem eine gewisse Omnipotenz, fesseln ihn aber gleichzeitig an das Geschehnis. Die Charaktere, von denen Aya der einzig spielbare ist, bestehen aus einer sehr begrenzten Anzahl Polygone, was zwar aus heutiger Sicht nicht mehr so ästhetisch anmuten, aber sich dennoch gut in das Gesamtbild einfügen. 

Um der Geschichte um „Eve“ und die Mitochondrien mehr Nachdruck zu verleihen, setzte man im Hause Squaresoft auf hochwertige, gar filmreife FMV-Sequenzen (FMV = Full Motion Video). Die Quantität der Filmchen (über 30 Stück) rechtfertigt die 2 CDs. Besonderes „Schmanckerl“ stellt das Intro dar, welches ein kurzes Preview über die verschiedenen Etappen im Spiel bietet. 

Die Kämpfe laufen in Echtzeit ab, man kann sich also in dem Terrain frei bewegen. Jede beteiligte Figur hat dabei eine AT-Leiste, die sich während des Kampfes auflädt. Ist selbige voll, so kann Aya eine Aktion durchführen. In Analogie zu klassischen Rollenspielen, in denen der Gebrauch von Magie sehr vertreten ist, kann Aya so genannte „Parasite Energy“ benutzen. Diese lädt sich ausschließlich während des Kampfes auf, wenn man z.B. von einem Gegner Schaden erleidet. Mithilfe dieser Parasitenkräfte kann sie sich heilen, eine Barriere um sich aufbauen, oder den Gegner stark verlangsamen. 

Gewinnt man einen Kampf, erhält man RPG-typische Erfahrungspunkte und mit etwas Glück erreicht man mit der gewonnenen Anzahl den nächsten Level. Neben diversen Statuswerten und den Parasitenkräften, die Aya mit einem höheren Level erreichen kann, wird sie weiterhin mit einer überschaubaren Anzahl an Bonuspunkten belohnt. Diese kann man dann auf Statuswerte von Waffen und Rüstungen verteilen, oder aber man erhöht den Item- Speicher. Als dritte Möglichkeit kann man den AT-Balken schneller machen, so dass man im Kampf schneller zum Zug kommt. Weitere individuelle Verteilung von Attributen ist mit sogenannten Werkzeugen möglich, die man im Spielverlauf oft in Kisten findet. Wendet man ein Werkzeug an, so kann man Effekte und Parameter einer Waffe/Rüstung zu einer anderen transferieren. Erstere geht dabei allerdings verloren. 

Auf der Jagd nach „Eve“ erhält Aya viele Waffen, die sie benutzen kann. Zu ihrem Arsenal gehören Pistolen, Schrotflinten, Granatenwerfer, sowie die altbewährte NYPD-Keule. Waffen zeichnen sich durch unterschiedliche Attribute aus. Dazu gehören unter anderem die Reichweite sowie die Durchschlagskraft. Zusätzlich kann eine Waffe noch Spezialeffekte vorweisen, z.B. 3 Schuss pro Zug, oder Handfeuerwaffen mit der Durchschlagskraft einer Flinte. Bei Westen verhält es sich ähnlich, bloß dass hier verteidigungsbezogene Werte zählen. 

Einziger Wermutstropfen stellt die sehr kurze Spielzeit dar. Selbst ein ungeübter Spieler schafft es bis zum Endgegner in gut 10 Stunden vorzudringen. Hat man das Spiel einmal beendet, bleibt aber noch die Option, noch einmal von vorne mit den aktuellen Waffen und Gegenständen zu beginnen. Im so genannten EX-Modus kann man den härtesten aller Dungeons betreten, und einem optionalen Boss gegenübertreten. Bis auf diesen EX-Mode ist das Spiel vom Schwierigkeitsgrad nicht sehr anspruchsvoll. Ab und an hängt man etwas bei einem Endgegner, aber hat man sich mit den Fähigkeiten Ayas vertraut gemacht, sollte man auf keine großen Herausforderungen treffen. 

[B]Fazit: [/B]Parasite Eve ist (und bleibt) ein faszinierendes Spiel. Squaresoft gelingt es, die Athmosphäre der Thematik sehr gut an den Spieler weiterzugeben. Die tollen FMV-Sequenzen runden das Erlebnis ab, so dass das Rollenspiel, obwohl es Elemente bekannter Horrorspielserien aufweist, dem, von Squaresoft auf die Rückseite des Covers gedruckten, Titel „The Cinemativ RPG“ durchaus gerecht wird. Eine Perle, die trotz einiger Mängel problemlos weiterempfohlen werden kann.