Xenosaga II (roh)

Cover von Xenosaga II (roh)

Review

Einleitung

Xenosaga Episode II: Jenseits von Gut und Böse ist der direkte Nachfolger von Xenosaga: Der Wille zur Macht, und führt die Geschichte an dem Punkt weiter, an dem der erste Teil aufgehört hat. Mit Epsiode II kam der Schock für alle Xenosaga-Fans. Der Macher der Saga, Takahashi, der Komponist Mitsuda und weitere Mitarbeiter, die den ersten Teil zu einem Meisterwerk machten, wurden aus dem Team genommen. Als Begründung lieferte der Entwickler Monolith, dass man mit den Spielen mehr den Massenmarkt ansprechen möchte, und deshalb mehr auf Action setzt. Damit starb die Xeno-Saga, und Monolith brachte einen alternativen Storystrang raus.

Die Geschichte

Das Spiel beginnt ein paar Jahre vor der eigentlichen Handlung und zeigt den Konflikt auf Old Militia. Hier taucht auch zum ersten Mal Shions Bruder, Jin Uzuki, auf. Zusammen mit Chaos versucht er die Geheimnisse des Konfliktes auf Old Militia zu ergründen. Dieser Prolog dauert aber nicht lange, und schon bald spielt man wieder die exakt gleiche Party aus Teil 1 auf Second Militia. Hier nimmt die Geschichte ihren weiteren Lauf.

Im Vergleich zum Vorgänger ist das Spiel nicht so storyintensiv, eher im Gegenteil. Die Geschichte ist im zweiten Teil ein eher unwichtiger Aspekt. Man verbringt Stunden am Spiel, ohne einen Dialog, und die wenigen Szenen die es doch gibt, dauern nur wenige Minuten. Auf der kurzen ersten Disk ist dies aber nicht der Fall. Zu Beginn gibt es nämlich noch reichlich Szenen, welche die Geschichte fortsetzen, was hauptsächlich daran liegt, dass das Orginalscript des Erfinders der Saga teilweise übernommen wurde. Diese bieten Tiefe und den wunderbaren Stil des ersten Teil, aber mit Beginn der zweiten Disk wendet sich das Blatt.

 

Gameplay

Von der Grafik her hat sich wieder einiges getan. Die meisten Charaktermodelle wurden neu modelliert, und machen einen eher realistischeren und erwachsenen Eindruck. Das vollkommen in 3D gehaltene Spiel beinhaltet wunderschöne Umgebungsgrafik, und detailierte Charaktere im Animestil. Positiv auffällig sind vorallem die Spezialeffekte während der Kämpfe.

Das Gameplay ist sehr zwiespältig. Zum einen bietet es ein sehr tiefes Kampfsystem, das dem Spieler sehr viel Möglichkeiten bietet. Gleichzeitig ist das Kampfsystem sehr träge (die durchschnittliche Kampfdauer beträgt rund 10 Minuten), und der Schwierigkeitsgrad ist sehr unausgewogen.

Wie im ersten Teil finden die Kämpfe auf einem extra Bildschirm statt, nachdem der Gegner einen berührt hat. Vom Aufbau her sieht alles aus, wie im ersten Teil. Unten rechts findet sich wieder die Aktionsleiste, die anzeigt, welcher Charakter, oder Gegner wann am Zug ist. Daneben gibt es wieder die Slots. Diese Slots beinhalten spezielle Symbole, wie kritische Treffer, oder mehr Skill Punkte, und wechseln mit jedem Zug. Startet man zum Beispiel einen Angriff während eines Spielzuges, bei dem der kritische Treffer Slot aktiviert ist, steigt die Chance dieses Angriffes auf einen sehr starken Treffer.

Auch der Boost ist wieder mit von der Partie:wWenn man einen Angriff ausführt, füllt sich die Boost Leiste, welche schliesslich einen Boost ermöglicht (bis zu drei Boosts sind auf normale Art zu erreichen). Durch diesen kann ein Charakter zum Zug kommen, der eigentlich nicht dran gewesen wäre.

Die wichtigste neue Eigenschaft des Kampfsystem ist das Combo-System. Wenn Charakter A einen Angriff startet, und direkt ein Charakter B geboostet wurde und ebenfalls angreift, entsteht eine Combo. Diese Combo alleine ist aber nicht besonders effektiv. Zum Angriff stehen jedem Charakter unterschiedlich viele Angriffsarten zu. Grob kann man die meisten aber in Attacken der Klasse B, und der Klasse C einteilen. Diese helfen dem Spieler Extraschaden beim Gegner zu verursachen: jeder Gegner hat nämlich eine Schwachstelle, die durch eine bestimmte Kombination von B, oder C Klasse Angriffen aktiviert wird. Ein Kampfteilnehmer kann zwei Attacken pro Zug starten. Wenn er sich vorher gesammelt hat anstatt anzugreifen, kann er im nächsten Zug eine Attacke mehr ausführen. Dadurch ist es möglich, dass ein Kämpfer die Schwachstelle eines Gegners aktiviert, die z.B. aus B-C-C besteht. Wenn nun der Gegner eine B Klasse Attacke ausführt, gefolgt von zwei C Klassen Attacken, dann ist die Schwachstelle aktiviert. Diese wird im nächsten Zug jedoch wieder deaktiviert.

Von daher sollte man einen Charakter boosten, bevor der nächste Spielzug stattfindet. Der geboostet Charakter führt dann, wie bereits erwähnt, eine Combo aus, und fügt dem Gegner einen viel höheren Schaden zu, dadurch, dass dessen Schwachstelle aktiviert wurde. Dies ist aber noch nicht alles im Combo System. Man kann den Schaden noch weiter erhöhen. Ein paar Charaktere haben Attacken, die den Gegner hoch in die Luft schleudern, oder zu Boden bringen. Die darauf folgenden Angriffe fügen dann noch zusätzlichen Schaden zu. Natürlich sollte man vor jeder Combo mehr als nur einen Boost zur Verfügung haben. Dadurch können mehrere Charaktere erhöhten Schaden zufügen, während der Gegner in der Luft schwebt, oder am Boden liegt, und seine Schwachstelle aktiviert ist. Das Kampfsystem ist zu Beginn etwas kompliziert, was sich aber dank der sehr langen Kämpfe schnell erledigt.

Neue Fähigkeiten können die Charaktere durch das Skillsystem erlernen. Bei diesem sind jeweils 4 Fähigkeiten (sei es passiv, aktiv, oder ausrüstbare) in einer Kategorie enthalten. Diese Kategorien sind wiederum in Level zusammengefasst. Zu Beginn hat man z.B. nur 1 oder 2 Level zur Verfügung, wenn man aber genug Skills erlernt hat, werden die folgenden ebenfalls frei. Um einen Skill zu erlernen, muss man erst einmal die Kategorie freischalten. Dazu braucht man CPTs, die man im Kampf erhält. Wenn nun eine Kategorie geöffnet wurde, können die Fähigkeiten durch SPTs, die man ebenfalls im Kampf erhält, erlernt werden.

Kommen wir nun zu den negativen Aspekten: das Spiel beinhaltet keine Ausrüstungsgegenstände, keine Waffen und keine Händler, bei denen man Items kaufen kann. Die Heilitems sind aus diesem Grunde sehr stark beschränkt, da man sie fast ausschliesslich nur von Gegnern bekommt.

Ein weiterer, teilweise, negativer Aspekt ist die GS Campaign. Dies sind Sidequests, die Euch am Schluss Items einbringen. Leider sind diese immer nur auf einen bestimmten Zeitpunkt eingeschränkt, wodurch man immer gezwungen ist sie zu machen, auch wenn man erst einmal mit der Handlung fortfahren will.

Das Gameplay hat also im großen und ganzen sehr gute Ansätze, setzt sie aber leider sehr schlecht um. Diese Fehler sollen angeblich im 3. Teil korrigiert werden.

Musik

Nun zum letzten Punkt: die Musik. Xenosaga Episode I war berühmt für den anspruchsvollen Soundtrack, der Massstäbe gesetzt hat. Der Komponist Yasunori Mitsuda (Chrono Trigger, Chrono Cross, Xenogears) verliess aber das Team, und an dessen Stelle kam Yuki Kajiura (Noir, .hack) eine bekannte Komponistin aus der Anime Szene. Ihre Arbeit am Soundtrack des Spieles hat sie sehr gut ausgeführt, und bietet einen überdurchschnittlichen OST, wenn da nicht zwei schwerwiegende Fehler begangen worden wären.

Zum ersten wird die Musik extrem leise eingespielt, und das Spiel bietet leider nicht die Möglichkeit die Sprachausgabe und Sounds runterzustellen. Dadurch fallen dem Spieler leider nur sehr wenige Lieder auf, was wirklich schade ist. Zum zweiten hat Kajiura nur die Musik für die Zwischensequenzen erstellt. Für den Rest war ein Kollege zuständig, der miserable Arbeit geleistet hat, und manche Spieler durch nervige Aufzugsmusik dazu zwingt, den Ton des Spieles ganz auszustellen

Fazit

Zum Schluss kann ich das Spiel trotz der vielen Macken weiterempfehlen. Der Xenosaga-Fan mag durch diesen Teil zwar erzürnt werden, dies trifft aber auf die meisten Deutschen nicht zu, da der erste Teil nicht in Europa erschien. Wenn man nicht weiss, was den Spieler ansonsten erwartet hätte, wenn das ursprüngliche Team dabei gewesen wäre, kann man sehr viel Spaß an dem Spiel haben.