Xenoblade Chronicles

Cover von Xenoblade Chronicles

Review

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Das Spiel

Während die amerikanischen Videospieler weiterhin ausharren müssen und sich durch eine gemeinsame Fanaktion namens „Operation Rainfall” bereits jetzt einen Namen gemacht und für großes Aufsehen gesorgt haben - nicht nur bei Nintendo of America, sondern auch in allen anderen Teilen der Welt - erfreut man sich in Europa seit dem 19. August am für die Nintendo Wii meist herbeigesehnten Rollenspiel dieses Jahres: Xenoblade Chronicles. Zwar wurde der Verkaufsstart vorweg von einer Fehlermeldung getrübt, bei der es einigen Käufern nicht möglich war, das Spiel anstandsgemäss zum Laufen zu bringen auf älteren Wii Konsolen – dennoch scheint der Anfang von Erfolg gekrönt gewesen zu sein, denn bereits nach wenigen Tagen war die normale Version des Spieles als auch die Limited Edition, welchem ein zusätzlicher roter Classic Controller Pro beigefügt wurde, restlos ausverkauft. Selbst bei Amazon gibt es derzeit die Limited Edition nur zu einem erhöhten Preis.

Das von Monolith Soft entwickelte Videospiel, welches sich auch für die Xenosaga-Trilogie und zu Teilen auch Xenogears verantwortlich zeichnet, wurde 2009 zur E3 anhand eines Trailers vorgestellt und gewann in den Folgemonaten unter Rollenspielfans rasch an Popularität. Am 10. Juni 2010 erschien das Spiel unter dem Titel „Monado: Beginning of the World” im japanischen Handel. Schliesslich wurde es in der kommenden Zeit recht still um ein eventuellen Release in westliche Lande, bis im Frühjahr 2011 Nintendo Europe bekanntgab, dass das Spiel unter dem Titel „Xenoblade Chronicles” für den europäischen und australischen Markt lokalisiert wird.

Sowohl auf nationalem als auch internationalem Raum heimste das action-basierte Rollenspiel von der Fachpresse und Fanseiten durch die Bank durch Bestwertungen ein und wurde gar als „Final Fantasy-Killer” tituliert. Anhand eines Reviews zum Spiel, welches wir mit freundlicher Unterstützung von Nintendo für einen ausführlichen Test erhalten haben, wollen wir herausfinden, ob die weltweiten Lobeshymnen dem Spiel gerecht werden und es sich mit vergleichbaren, hochkarätigen Rollenspielen dieser Generation behaupten kann.

Xenoblade

Die Story

Zu einer Zeit, wo noch kein Leben existierte und lediglich ein schier endlos erscheinender Ozean vorhanden war, lieferten sich zwei gottähnliche Titanen in einem entscheidenen Schwertkampf ein Gefecht – Bionis und Mechonis. Beide waren sich von den Kräfteverhältnissen her ebenbürtig und keiner der beiden Parteien schien in diesem Kampf die Oberhand über den anderen gewinnen zu können, bis in einem finalen Schlagabtausch sich dann sowohl Bionis als auch Mechonis gleichzeitig ausser Gefecht gesetzt haben und der Kampf somit beendet war. Dies schaffte allerdings auch die Grundlage, das sich auf den Riesen mit der Zeit Leben entwickeln konnte.

Unzählige Jahre später scheint sich der Konflikt zwischen organischen und mechanischen Wesen fortzusetzen, als eine Armee der Mechon einzufallen droht und in einer unerbitterlichen Schlacht zahlreiche Homs ihrer Existenz beraubt – diese leisten zwar auf beste Art und Weise Widerstand aber ihre Waffen haben keine Wirkung auf die maschinenartigen Wesen, so dass lediglich die Flucht eine letzte Option darstellt.

Nur ein einzelner gestandener Mann scheint die nötige Macht in seinen Händen zu halten, um der Lage Herr zu werden und den Mechon mit Hilfe eines mysteriösen Schwertes, was lediglich als das Monado bekannt ist, Einhalt gebieten zu können. Damit konnte die große Schlacht letzten Endes gewonnen und die entscheidende Wende herbeigeführt werden, doch damit verbunden war auch ein gewisser Preis.
Ein Jahr später, weit fernab von jenem Ort, wo die große Schlacht zwischen Homs und Mechon stattfand, lebt ein sechzehnjähriger Junge namens Shulk in Kolonie 9, welches gänzlich umgeben von Gebirge ist und auf einem klaren See erbaut wurde.

Neben seiner Vorliebe, inmitten von altem Metallschrott nach brauchbaren Dingen Ausschau zu halten, widmet er viel Zeit der Erforschung des Monado-Schwertes, dessen Funktion und Handhabung bis heute noch immer ein Rätsel zu sein scheint. Unterstützt wird er dabei von seinen Freunden Reyn und Fiora sowie Dickson, der vor einem Jahr Seite an Seite mit Dunban, dem einstigen Träger des Monado-Schwertes, gekämpft hatte.

Nachdem die drei Freunde einen scheinbar harmlosen Auftrag für die in der Kolonie stationierte Armee erfolgreich zum Abschluss gebracht haben, wird das friedliche Idyllenleben erneut auf eine harte Probe gestellt. Der ewige Konflikt zwischen Mensch und Maschine bricht erneut hervor und für Shulk und seine Freunde beginnt ein Abenteuer ungeheuren Ausmaßes. Wird Shulk in der Lage sein, die Geheimnisse des Monado zu entschlüsseln und seine Macht kontrollieren können?
Wer wird am Ende des seit Anbeginn der Zeit andauernden Kampfes als Sieger hervorgehen – Homs oder Mechon?

Die Welt

Die erschaffene Welt für Xenoblade Chronicles lebt – im wahrsten Sinne des Wortes. Man kann bedenkenlos sagen, dass Tetsuya Takahashi und sein Team hier etwas erschaffen haben, was man bei einem Final Fantasy XIII schmerzlich vermisst hatte: Riesige, abwechslungsreiche Landschaften zum Erkunden und Abenteuer erleben – das Gefühl von Freiheit empfinden.

Das Spiel versucht mit wenig Barrieren auszukommen, um dem Spieler soviel Freiraum für seine Expeditionen zu lassen wie nur möglich und die Grenzen erscheinen endlos. So müsst ihr beispielsweise nicht um einen großen See herumlaufen, um auf die andere Seite zu gelangen – ihr schwimmt hinüber. Ihr genießt grad die schöne Aussicht von einem höhergelegenen Plateau aus, aber der Rückweg zur Stadt würde Minuten dauern – springt einfach runter ins Wasser, um den Treppengang einzusparen. Ihr könnt wild durch die gut bewachsene Graslandschaft springen wie ein Feldhase oder an bestimmten Stellen von Efeu bewucherte Felswände hochklettern – alles ist möglich.
Auch die Zeit bleibt nicht willkürlich einfach so stehen – das Spiel bietet einen Tag- und Nachtwechsel und das wirkt sich sowohl auf die Monster als auch auf die Bewohner der Städte aus. Den NPC, den ihr am Tag vielleicht noch auf einer Bank habt sitzen sehen, ist bei Anbruch des Abends verschwunden. Genauso sind in der Nacht Monster unterwegs, die bei Sonnenaufgang sich gänzlich verziehen.

Was wäre die Welt im Übrigen ohne Sorgen und Nöte innerhalb der Bevölkerung? Zahlreiche Menschen verlangen nach eurer Unterstützung und Hilfsbereitschaft und so gilt es, verlorene Gegenstände ihren rechtmässigen Besitzern zu übergeben, die Monsterpopulation im umliegenden Gebiet zu verringern oder benötigte Materialien herbeizuschaffen. Weit über 500 Aufträge im gesamten Spiel gilt es, von euch erledigt zu werden. Anzumerken ist hierbei, das Quests von gewöhnlichen NPC's sich selbständig abschliessen, sobald die Kriterien erfüllt wurden, was bedeutet das ihr nicht extra wieder in die Stadt zurück müsst um Bericht zu erstatten. Ihr erhaltet gleich direkt auf dem Feld wie auf wundersame Weise eure versprochene Belohnung.

Lediglich angenommene Aufträge von Leuten mit Eigennamen werden auf die alte herkömmliche Weise abgeschlossen. Sollte man mal nicht weiterwissen oder den Überblick über die angenommenen Quests verloren haben, kann man nochmal im Missionsbuch nachschlagen. Hier könnt ihr auch einsehen, welche Missionen ihr bereits erledigt habt und welche Missionen ihr alsbald abschliessen solltet, denn manche Aufgaben sind zeitlich begrenzt. Ausserdem erfahrt ihr Genaueres zu euren Handlungsmissionen, welche die Story vorantreiben.

Der soziale Aspekt scheint ebensowenig im Spiel zu kurz zu kommen – Harmonie ist ein wichtiger Faktor im Spiel, sowohl zwischen euch und der Bevölkerung als auch unter den Gruppenmitgliedern untereinander.
Helft ihr vielen Leuten mit ihren Problemen, steigert das euren Ruf in dieser Region und ihr bekommt die Möglichkeit, bessere Aufträge zu erhalten mit ebenso besseren Belohnungen.
Auch eure Party profitiert voneinander, wenn sie harmonieren z.B. durch Verlängerung der Angriffskette oder das Freischalten von Harmoniegesprächen an speziellen Orten, die mit einem Herz gekennzeichnet sind. An diesen Punkten könnt ihr mit euren Mitgliedern besondere Gespräche führen, wo ihr mitunter auch schonmal die Wahl zwischen mehreren Gesprächsoptionen habt, welche die Harmonie senken oder erhöhen können. Ausserdem lernt ihr hin und wieder etwas mehr über die einzelnen Charaktere, deren Vorlieben und Sachen aus der Vergangenheit.

Das Spiel hat auch ein Herz für Sammler: Ihr könnt mit den Einwohnern Gegenstände tauschen, Trophäen erhalten für besondere Errungenschaften ( aus 200m Höhe ins Wasser fallen, bestimmte Anzahl an Monstern getötet, seltene Schätze gefunden etc. ) oder Sammel-Items auf offenem Felde finden und diese im Kollektionsbuch registrieren um diverse Belohnungen zu erhalten. Sammel-Items zeigen sich als bläulich schimmernde Kugeln und liegen überall verstreut herum – sogar auf der Wasseroberfläche.

Wenn ihr eure eigenen Ätherjuwelen schmieden wollt, um eure Ausrüstung zu veredeln und somit zusätzlich zu verstärken, könnt ihr Ätherkristalle an vorgesehene Kristalladern abernten.

Zahlreiche Möglichkeiten also, wo für jeden etwas dabei ist. Monolith Soft hat aber für die Spieler auch noch ein paar Dinge eingebaut, die es den Spielern ermöglicht, sich von dieser Welt in den Bann ziehen zu lassen und zu geniessen, ohne das es gleich in Schwerstarbeit ausartet und man zum zehnten Mal unzählige Kilometer von einer Region zur anderen rennen zu müssen. Da wäre zum einen die Schnellreisefunktion: Während ihr die einzelnen Karten erkundet, werdet ihr automatisch Reisepunkte finden, zu denen ihr euch ohne jegliche Kosten zurückteleportieren könnt. Wenn euer Rucksack also mal wieder sein Limit erreicht hat und ihr was verkaufen müsst, dann teleportiert ihr euch einfach auf den Marktplatz in der Stadt und bereitet euch auf euren nächsten Trip vor.
Lediglich in besonderen Ausnahmesituationen wird euch die Schnellreisefunktion verwehrt, so dass ihr dann doch auf Schusters Rappen marschieren müsst.

Auch immer noch relativ untypisch für ein JRPG ist der Wegfall von Speicherpunkten – ihr könnt jederzeit euren Spielstand vom Menü aus speichern oder laden. Vorbei sind die Zeiten, wo ihr stundenlang durch ein Dungeon spazieren musstet, nur um am Ende an einem Boss zu scheitern und nochmal von vorne zu beginnen.
Ihr macht Jagd auf ein nachtaktives Monster, aber es ist grad erst mal Mittagszeit? Auch das stellt kein Problem dar, denn das Spiel besitzt im Menü eine eigene Uhr, welche ihr nach Belieben verstellen könnt, so das ihr selber praktisch Gewalt habt über die Tageszeit.

Natürlich stellt sich nun die Frage, inwieweit durch diese Erleichterungen das die Herausforderung aus dem Spiel nimmt – schliesslich wird man durch Versagen an einem harten Gegner nicht so dermassen bestraft wie in den herkömmlichen Rollenspielen. Man lädt einfach den Spielstand neu und versucht sich erneut daran. Vielmehr ist es eher so, das dem Spieler die ersparte Zeit geschenkt wird um die vielen Facetten, die das Spiel bietet, geniessen zu können und dadurch minimal nur an Spielspass einbüßen zu müssen und dies ist Xenoblade Chronicles durchaus positiv anzurechnen.

Screenshot 3

Das Kampfsystem

Für das Spiel stehen euch zwei Optionen zur Verfügung, mit denen ihr mit euren Charakteren das Abenteuer bestreiten könnt: Einmal auf herkömmliche Art und Weise mit der Wiimote in Kombination mit dem Nunchuk, zum anderen mit dem Classic Controller Pro, welcher von Nintendo zur Limited Edition beigefügt wurde und auch empfohlen wurde, mit Selbigem das Spiel zu spielen und ebenfalls an die Wiimote angeschlossen wird. Auch wenn man mit Ersterem besser bedient ist, wenn man sich in der nunmehr 7. Konsolengeneration schon lange von sämtlichen Gamepads distanziert hat, die nach wie vor kabelgebunden sind, so merkt man schon nach kurzer Zeit, das sich Xenoblade Chronicles ohne ausgiebige Übung nicht so leicht spielen lässt, da es offensichtlich auch an Tasten mangelt und demzufolge diverse Kombinationen genutzt werden müssen, um dies ausgleichen zu können. Wer noch kein derartiges Gamepad besitzt, der sollte für ein paar Euro mehr als gute Alternative in die Limited Edition investieren für mehr Komfort – im Übrigen ist anzumerken, das das Spiel nicht in Verbindung mit einem an die Nintendo Wii angeschlossenem Gamecube-Controller möglich ist.

Nach dem Intro und den ersten Spielszenen finden wir uns gleich inmitten einer großen Schlacht und steuern Dunban, Träger des Monado-Schwertes, der alles daran setzt, den Stützpunkt zu halten und gegen die einfallenden Mechon zu verteidigen. Gleichzeitig wird man mit hilfreichen Tutorialeinblendungen ins Kampfsystem und anderen Spielmechaniken allmählich herangeführt und setzt diese gleich in die Praxis um. Da die Hilfstexte grad zu Beginn in einem eher schnellen Tempo dem Spieler vorgesetzt werden, hat man glücklicherweise jederzeit die Möglichkeit, einzelne Rubriken im Menü nochmal nachschlagen zu können.

Das Kampfsystem läuft in Echtzeit ab: Ihr visiert einen Gegner an, zieht eure Waffe und normale Angriffe eurer Charaktere werden automatisch ausgeführt, wenn ihr nicht zu weit von eurem Gegner entfernt steht. Dies lässt einen schon in gewisser Weise an Final Fantasy XII erinnern. Besondere Techniken und Spezialangriffe wählt ihr aus einer Leiste am unteren Bildschirmmenü aus. Nach erfolgreicher Ausführung befindet sich die genutzte Technik in einer Aufladephase. Hierbei wird das zugehörige Symbol zur Technik grau hinterlegt und ihr könnt sie erst dann wieder nutzen, wenn die dafür nötige Zeit zum Aufladen verstrichen ist.

Zu Kampfbeginn könnt ihr stets ein Angriffsruf vollführen – hierbei seht ihr einen blauen Kreis im Mittelpunkt des Bildschirmes und einen großen roten Kreis der sich schnell und immer kleiner werdend auf den blauen Kreis zubewegt. Wenn es euch gelingt, den B-Knopf zu drücken wenn der rote Kreis den blauen Kreis überdeckt, dann könnt ihr die Mutleiste eurer Gefährten steigern.

Ein hoher Mutwert sorgt dafür, das ihr öfter kritische Treffer erzielt und weniger mit eurer Waffe das Ziel verfehlt. Verfehlt ihr doch mal das Ziel oder erleidet kritischen Schaden, habt ihr während des Kampfes gelegentlich die Möglichkeit durch Zurufen auf gleichem Wege den Mut zu steigern.

Die Nutzung von Gegenständen und heilenden Tränken im Kampf fällt komplett weg, so dass euch lediglich übrig bleibt, auf Techniken zurückzugreifen, die eure Gesundheit wiederherstellen können.
Gefallene Kampfmitglieder können selbständig wiederbelebt werden unter der Vorraussetzung, dass eure blaue Gruppenleiste mindestens einen gefüllten Balken aufweist.

Die blaue Gruppenleiste füllt sich wenn ihr kritische Treffer beim Gegner landet oder Techniken verwendet, die Zusatzeffekte haben. Shulk als Beispiel besitzt schon recht früh eine Technik, welche die physische Abwehr des Feindes senkt, sofern ihr den Gegner von der Seite damit trefft.
Zusätzlich wichtig ist die Gruppenleiste, damit ihr sogenannte Angriffsketten ausführen könnt – hierbei könnt ihr Techniken eurer Gruppe miteinander verketten und direkt hintereinander ausführen, ohne dass der Gegner euch dabei in die Quere kommt – von Vorteil dabei ist es, Techniken einzusetzen, von denen die dazugehörigen Symbole die gleiche Farbe besitzen, denn so könnt ihr unter Umständen die Kette verlängern und eure Techniken effektiver einsetzen.
Darüberhinaus spielt hier auch der Harmoniewert unter den einzelnen Gruppenmitgliedern eine Rolle.

Nach gewonnener Schlacht erhaltet ihr Erfahrungspunkte, Technik- und Talentpunkte sowie eine Schatzkiste in drei verschiedenen Ausführungen (Holz, Silber und Gold), deren Inhalt von monsterspezifischen Gegenständen bis hin zu Ausrüstungsteilen reichen.

Technikpunkte setzt ihr ein, um damit eure Techniken aufzubessern und somit Schaden zu erhöhen und benötigte Aufladezeit zu verkürzen. Talentpunkte werden für einzelne Talente in 3 Kategorien aufgeteilt automatisch verwendet, je nachdem welchen Zweig ihr grad ausgewählt habt. Im späteren Spielverlauf habt ihr die Möglichkeit, erlernte Talente mit euren Gruppenmitgliedern unter Zuhilfename von Harmoniemünzen zu verknüpfen.

Wird der von euch gesteuerte Charakter kampfunfähig und ihr habt weniger als einen gefüllten Balken in eurer Gruppenleiste, so dass eure Gefährten den Versuch unternehmen können euch wiederzubeleben, dann endet das Spiel an dieser Stelle – nicht. Ihr werdet dann einfach zum letztbesuchten Reisepunkt zurückkehren und werdet nicht mit einem gnadenlosen Game Over Bildschirm bestraft.

Da sich das Spiel wie bereits gesagt um das Monado handelt, wird es für den Kampf selber auch wichtig, denn das Schwert ist nicht nur die einzige Waffe, die gegen Mechon direkten Schaden anrichten kann, sondern übermittelt dem Träger auch Visionen von Ereignissen, die in der Zukunft geschehen werden und diese gilt es unter Einsatz der gesamten Gruppe abzuwenden. Dafür steht euch der Visionsbalken zur Verfügung. Anhand diesem könnt ihr ablesen, welches Ziel sich euer Gegner ausgesucht hat und wieviel Schaden er mit welchem Angriff hinterlassen wird. Dabei läuft ein blauer Balken von links nach rechts rüber und es liegt an einem selbst, sich auf den Angriff dementsprechend vorzubereiten oder die Attacke auf ein Gruppenmitglied umzulenken, der die Attacke besser wegstecken kann.
Zudem könnt ihr eure Gefährten vorab vor dem bevorstehenden Angriff warnen, was eine gefüllte Leiste eurer Gruppenleiste verbraucht.

So gesehen wartet das Kampfsystem von Xenoblade Chronicles zwar mit Elementen auf, die an diverse Onlinerollenspiele erinnern – zeitgleich bietet es aber auch innovative Funktionen und somit gewinnt das Monadoschwert nicht nur storytechnisch sondern auch während der Kämpfe stark an Bedeutung.

Grafik & Musik

Grafisch gesehen hält Xenoblade Chronicles einige Leckerbissen parat für das verwöhnte Auge – viele Landstriche und Ortschaften laden förmlich zum Sightseeing ein und es kann häufiger schonmal passieren, das man einfach mal an einem Punkt stehenbleibt und sich am Ausblick in die weitläufige Spielwelt erfreut. Grashalme bewegen sich, wechselnde Tageszeiten sowohl der gekonnte Einsatz von Sonne und Mond sowie zusätzliche Wettereffekte wie Blitzgewitter machen das Spiel richtig lebendig.

Lediglich bei den Charakteren selbst geht das Spiel wieder einen Schritt zurück – spätestens in den recht zahlreich daherkommenden Storysequenzen macht sich die doch bereits veraltete Technik der Nintendo Wii bemerkbar und stellt fest, das diese teilweise matschig wirken und unsauber ausgearbeitet. Auf der anderen Seite gibt das dem Spiel aber seinen ganz eigenen persönlichen Charme.

Positiv anzumerken ist hingegen, das neu angelegte Ausrüstungsteile auch den jeweiligen Charakter dementsprechend aussehen lassen und man somit diesen dann in neuem Gewand bewundern kann.

Nicht nur visuell, auch akustisch wird der Spieler zuhause durchweg verwöhnt – ganze 91 Lieder wurden für Xenoblade Chronicles verwendet, von denen einige in mehrere Varianten genutzt werden. Während man am Tage um Kolonie 9 herum zu rythmischen Klängen Exkursionen unternimmt, die zeitweise vielleicht ein wenig an Stücke aus der Chrono-Reihe erinnern, so lauscht man zur Nachtzeit dem Lied nochmal in ruhigen Klängen. Der Soundtrack wurde von Yasunori Mitsuda (Chrono Trigger / Cross, Xenogears, Xenosaga), Yoko Shimomura (Legend of Mana, Kingdom Hearts, Radiant Historia), Manami Kiyota und ACE+ gemeinsam konzipiert und es ist ihnen gelungen, dem Spiel ein qualitativ hochwertigen und stimmungsvollen Soundtrack einzuflössen. Auch die japanische und englische Vertonung der gesprochenen Dialoge muss sich nicht unbedingt verstecken – passende deutsche Untertitel gibt es ebenfalls, wahlweise auch in Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch.

Die Soundeffekte sind recht vielfältig, jedoch während eines Kampfes wird es schon mal chaotisch wenn die Charaktere sich gegenseitig wild Textpassagen zuwerfen, so das das eine oder andere schon mal im Eifer des Gefechtes untergeht.

Fazit

Xenoblade Chronicles erfindet in mancherlei Hinsicht das Rad nicht neu, aber es weiss durchaus zu überzeugen mit einer riesigen, eindrucksvollen und nahezu frei begehbaren Spielwelt, zur Atmosphäre passender Musik und einer teilweise spannenden und dramatischen Erzählung einer Geschichte um ein mysteriöses Schwert, dessen besondere Funktionen geschickt ins Kampfsystem eingewoben worden sind für ein abwechslungsreiches und intuitives Spielerlebnis.

Da das Spiel darauf ausgelegt wurde, mit einem Classic Controller Pro gespielt zu werden, empfiehlt es sich auch für ein paar Euro mehr sich gleich die Limited Edition zuzulegen, sollte man dieses Gamepad noch nicht besitzen. Es ist durchaus auch nach etwas Übung mit der Wiimote und Nunchuk gut spielbar, allerdings spielt es sich mit Gamepad wesentlich angenehmer.

Abseits der Haupthandlung warten über 500 Aufgaben, die von euch gelöst werden wollen und an die 200 Rekorde und besondere Auszeichnungen wollen entdeckt werden, so dass man durchaus mit vielen Spielstunden rechnen kann, wenn man wirklich alles aus dem Spiel rausholen möchte.

Vereinfachungen wie beispielsweise die Schnellreisefunktion und die Möglichkeit, jederzeit den Spielstand speichern und laden zu können, sorgen dafür, dass anstelle von Frust lediglich Lust aufkommt und die Zeit sinnvoll damit verbracht werden kann, in die Welt von Xenoblade Chronicles abzutauchen. Auch wenn die Charaktere vom grafischen Aspekt her nicht so eine tolle Figur machen wie die imposanten Landschaften, macht das Spiel insgesamt viele Sachen richtig, in welcher andere Vertreter des Genres enttäuscht haben, so dass man kleinere Mankos am Spiel durchaus verzeihen kann.

Einziger Kritikpunkt am Spiel ist das Kräfteverhältnis zwischen dem Spieler und den Monstern im späteren Verlauf des Spieles, denn oftmals tut man sich schwer im Kampf wenn Charakterlevel und das vom Feind zu weit auseinander liegen. Schon eine Differenz von 2-3 ist ausreichend für den Gegner, um euch wenig Spielraum und Chancen zu lassen, so dass ihr meist darauf angewiesen seid, im Level nachzuziehen oder eure Ausrüstung immer wieder zu optimieren.

Das Spiel verdient definitiv eine Kaufempfehlung für die schon recht bald ausrangierte Nintendo Wii, die mit Xenoblade Chronicles und den im nächsten Jahr erscheinenden „The Last Story” und „Pandora's Tower: Until I Return To Your Side” den Zenit im Rollenspielbereich erreicht hat – fürwahr also ein gelungener Abschluss für die bereits 5 Jahre alte Heimkonsole.