Ar Tonelico: Melody of Elemia

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Review

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Das Spiel

Ar tonelico: Melody of Elemia (japanischer Titel Ar tonelico: Sekai no Owari de Utai Tsuzukeru Shoujo) ist ein von Gust entwickeltes RPG, das im Januar 2006 von Banpresto in Japan veröffentlicht wurde und in konzeptioneller Hinsicht durchaus als spiritueller Nachfolger der Atelier Iris-Reihe angesehen werden kann. Über ein Jahr später, im Februar 2007, erschien es in den USA, mit NIS America als Publisher. Im Mai 2007 wurde Ar tonelico still und leise von 505 Games auch in Europa veröffentlicht, Informationen dazu sind allerdings genauso rar wie diese Version an sich.

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Die Story

Die Geschichte des Spiels beginnt, als Platina, die Heimatstadt von Lyner Barsett, von einer bisher unbekannten Form von Virus bedroht wird, der gegen normale Mittel scheinbar immun ist. Lyner, der entgegen des Willens seines Vaters lieber Krieger statt politischer Anführer bleiben will, wird daraufhin mit einer Eilmission betraut: Er soll einen legendären Hymn Crystal aus längst vergangenen Tagen ausfindig machen, mit dessen Hilfe der Virus besiegt werden kann. Doch der Flug in die untere Welt läuft nicht ganz wie geplant, Lyners Luftschiff stürzt ab und er muss einen Weg finden, seine Mission zu beenden.

Was zunächst wie ein Standardanfang aussieht, und auch ist, entwickelt sich jedoch recht bald zu etwas sehr Liebenswertem, das mit Klischees, Wortwitz, Situationskomik und nicht zuletzt auch sexuellen Anspielungen nur so um sich wirft. Eines der zentralsten Elemente des Spiels sind nämlich die Reyvateils: Das sind Wesen, die mit ihren Liedern Magie wirken können. Lyner begegnet zunächst zwei jener Reyvateils: Der introvertierten, etwas naiven Aurica Nestmile, und der extrovertierten Misha Arsellec Lune, die Lyner bereits zu kennen scheint. Unter anderem um an neue Zauber zu gelangen, muss sich Lyner enger an sie binden und ein gegenseitiges Vertrauen schaffen. Dementsprechend omnipräsent sind Dialogszenen mit den Reyvateils, sowohl inner- als auch außerhalb der Story, die zudem auch nicht selten einen gewissen Unterhaltungswert besitzen. Was das für die eigentliche Story bedeutet, ist recht offensichtlich: Diese rückt im Vergleich mit anderen Spielen etwas mehr in den Hintergrund, und es sind vor allem die unzähligen Dialoge mit den Reyvateils, die Ar tonelico hervorheben. Aber auch die einfach wunderschönen, großen Charakterartworks, die bei Dialogen eingeblendet werden, tragen dazu mit bei. Erwähnenswert ist auch, dass der Spieler an mehreren Punkten des Spieles den weiteren Handlungsverlauf nachhaltig beeinflussen kann, sodass insgesamt bis zu sieben mehr oder weniger unterschiedliche Endings erreicht werden können.

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Gameplay

Was uns nun auch schon direkt zum Gameplay und dazugehörigen Kampfsystem bringt. Zunächst muss zwischen zwei Typen unterschieden werden: Das sind einerseits die physischen Angreifer, die Frontkämpfer sozusagen, und andererseits die Reyvateils, die in der hinteren Reihe stehen und nur mit Magie angreifen oder die Party unterstützen. Entsprechend dieser Unterteilung unterscheidet sich die mögliche Ausrüstung. Die Frontkämpfer können insgesamt eine Waffe, eine Rüstung und ein Accessoire anlegen. Dazu hat jeder dieser Ausrüstungsgegenstände bis zu vier Slots, in die spezielle Kristalle gesteckt werden können, die eine große Vielfalt von unterschiedlichsten Auswirkungen haben. Reyvateils können ebenfalls eine Rüstung und ein Accessoire tragen, haben allerdings keine Waffe. An Stelle dieser kann man jedoch deren Kostüm wechseln, was nicht nur das Aussehen ändert, sondern auch Auswirkungen auf die Statuswerte, allen voran MP, hat. Zudem verfügen Kostüme auch über keine Kristallslots, was aber durch die Tatsache, dass jeder Zauber des entsprechenden Reyvateils ebenfalls vier Kristallslots hat, mehr als ausgeglichen wird.

Eben jene Zauber, beziehungsweise Song Magic, sowie auch die Kostüme werden über ein sehr unübliches System erworben. Der Spieler muss hierbei in der Rolle von Lyner in einem Diveshop in die Tiefen der Psyche des jeweiligen Reyvateils eindringen, in die sogenannte Cosmosphere, und ihnen dabei helfen, ihre Ängste und Probleme erfolgreich zu überwinden. Dies geschieht meist über die Abrechnung von nach Kämpfen erworbenen DP (Dive Points), aber auch anhand von Entscheidungen, die der Spieler trifft. Die Cosmosphere eines jeden Reyvateil ist zudem in verschiedene Ebenen unterteilt, von denen die meisten optional sind, und zu denen der Zugriff über ein Talksystem geregelt ist. Das heißt, es muss vorher eine bestimmte Anzahl von bestimmten Gesprächen mit dem jeweiligen Reyvateil geführt worden sein, um auf eine tiefere Ebene zugreifen zu können.

Soviel zu den Randbedingungen der Kämpfe. Der grobe Kampfablauf lässt sich ein wenig mit dem CTB von Final Fantasy X vergleichen: Es gibt am oberen Bildschirmrand eine Anzeige, in welcher die Reihenfolge steht, wer als nächstes agieren darf, wobei unterschiedliche Aktionen unterschiedliche Wartezeiten haben. Zu Beginn eines Kampfes kann man zunächst auswählen, welche Song Magic vom Reyvateil gesungen werden soll, bevor das eigentliche Kampfgeschehen beginnt. Das Schema ist dabei relativ simpel: Der Reyvateil singt, die anderen Charaktere greifen an oder beschützen den Reyvateil. Hat die Burstrate (prozentuale Stärke der Zauber) das gewünschte Niveau erreicht oder sind die MP ausgegangen, wird die Song Magic aktiviert und die Gegner sind tot. Schaut man genauer hin, gibt es verschiedene Faktoren, die das alles beeinflussen. Am wichtigsten ist hierbei der Harmonicslevel. Dieser bezeichnet, wie gut die Frontkämpfer mit dem Reyvateil harmonieren. Das wird durch eine Leiste am unteren Bildschirmrand symbolisiert, auf der sich zwei Balken zueinander bewegen. Der blaue Balken der Frontkämpfer vergrößert sich durch physische Angriffe oder durch Skills, und der rosafarbene des Reyvateils füllt sich fortlaufend mit der Zeit. Treffen beide Balken aufeinander, erhöht sich der Harmonicslevel, der mehrere Auswirkungen hat. Zum einen steigert sich bei höherem Level die Burstrate der Zauber schneller, zum anderen können die Frontkämpfer Skills eines höheren Levels einsetzen. Und schließlich erhält man mehr und bessere Items nach einem Kampf. Im Übrigen verringern sich die Balken nach gegnerischen Angriffen auch wieder, wobei der Harmonicslevel ebenfalls zurückgeht, sollte ein Balken ganz verschwunden sein.

Die Angriffe der Gegner beschränken sich im Regelfall nur auf die vorderen Charaktere, aber auch der Reyvateil kann angegriffen werden. In fast allen Fällen bedarf dies jedoch einer Vorbereitungsrunde des Gegners, bei der der Spieler sieht, dass er jetzt besser zum Beschützen übergehen sollte. Nach dem Kampf erhalten alle, auch nicht am Kampf teilgenommene, Charaktere und Reyvateils EXP und DP, wobei letztere anhand der maximalen Burstrate und des maximal ausgeteilten Schadens ermittelt werden. Items gibt es jeweils bis zu vier Stück gleichzeitig pro Gegner, wobei diese in vier Level unterteilt sind. War der Harmonicslevel des Spielers am Ende des Kampfes drei, so erhält man Items der Level eins, zwei und drei, aber nicht vier; eine recht logische Verteilung demnach.

Wer in den Kämpfen gerne ein wenig großzügiger austeilen möchte und wem die Händlerausrüstung zu schwach ist, der kann in Ar tonelico auch selbst Hand anlegen. Dazu gibt es das Grathmelding, ähnlich der Alchemy in Atelier Iris. Mit Grathmelding kann man eine Vielzahl von Gegenständen und Ausrüstung herstellen, von denen manche auch für Fortschritte in der Story oder Cosmosphere benötigt werden. Dazu braucht man zunächst eine Rezeptkarte, ohne diese geht nichts. Hat man diese, braucht man nur noch die benötigten Items und kann den Gegenstand herstellen. Je höher die Qualität der verwendeten Zutaten, umso höher auch die Qualität des Endproduktes, was einerseits den Preis erhöht, zu dem man den hergestellten Gegenstand verticken kann, andererseits aber auch dafür sorgt, dass man bessere Kristalle daraus herstellen kann. Das Spiel ist allerdings nur äußerst selten so fordernd, dass das wirklich benötigt wird, es macht aber nicht zuletzt auch durch die Dialoge mit den Reyvateils, die dabei entstehen, einigen Spaß.

Nach erfolgreichem Beenden des Spiels und anschließendem Speichern wird zudem im Hauptmenü ein neuer Menüpunkt freigeschaltet, der Unmengen an diversen Goodies enthält. Die Kostümartworks der Reyvateils mitsamt Kommentaren des Designers, Bildergallerien und Konzeptzeichnungen, der komplette Soundtrack, die Animesequenzen und vieles mehr.

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Dungeon crawling

Das Erkunden von Dungeons ist gewohnter Standard, man muss sich meist schlicht durch eine Reihe von kleineren Untergebieten finden. Dazu lässt sich auch eine sehr schematische Karte ins Bild einblenden, die bei der Orientierung ein wenig hilft, indem sie bereits besuchte Gebiete und Ausgänge zu den meisten neuen Untergebieten anzeigt - aber auch nur zu den meisten, entsprechend sollte der schatzsuchende Spieler auch immer ein wenig die Augen selbst offen halten. Eine kleine Besonderheit im Dungeondesign gibt es aber dennoch: Die meisten Dungeons sind untereinander über verschiedene Wege miteinander verbunden, es ist prinzipiell also möglich, den gesamten Ar tonelico Tower zu durchlaufen, ohne dabei die Weltkarte zu nutzen. Ein weiterer Aspekt ist, dass man die Gegnerpopulation in einem Dungeon für den Zeitraum, in dem man sich darin aufhält, ausrotten kann. In der rechten unteren Ecke des Bildschirms wird eine Leiste angezeigt, die nicht nur farblich vermittelt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für einen Kampf ist, sondern auch anzeigt, wie viele Gegner noch verblieben sind. Ist diese Leiste leer, kommt es zu keinen weiteren Zufallsbegegnungen, sofern man den Dungeon nicht neu betritt oder neu lädt.

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Grafik & Musik

In anderen Bereichen unterscheidet sich Ar tonelico ebenfalls von vielen zeitgenössischen Spielen anderer Entwickler: So ist die Grafik bis auf eine Ausnahme reines 2D, mit allem, was dazugehört. Charaktersprites, vorgezeichnete Hintergründe, feste Kamerawinkel und dergleichen. Die erwähnte Ausnahme ist dabei die Weltkarte, die vollständig in 3D gehalten, nicht jedoch frei erkundbar ist; stattdessen lassen sich die einzelnen Reisestationen anwählen. Selbiges gilt auch für Städte: Es gibt eine Gesamtansicht des jeweiligen Ortes, und anhand einer Liste möglicher Stationen kann dann ausgesucht werden, welches Gebiet man betreten will, sei es ein Einkaufsladen oder der Stadtpark.

Einige Worte zur akustischen Begleitung sollen an dieser Stelle auch nicht fehlen. Zunächst sei angemerkt, dass an vielen Stellen die Dialoge sprachunterlegt sind, wahlweise kann hier Englisch oder Japanisch angewendet werden. Für die Audiophilen sei erwähnt, dass das Intro in einer wunderschönen Dolby Digital 5.1 Version vorhanden ist; wer ein entsprechendes Setup zu Hause hat, sollte sich das sicherlich nicht entgehen lassen. Der Soundtrack des Spiels wurde vom Gust Sound Team komponiert, wobei bei den Hymmnos-Liedern auch die Sängerinnen mit Hand anlegten. Unter eben diesen Hymnen sind auch einige Perlen dabei, die eine besondere Erwähnung wert sind, so z.B. EXEC_CHRONICLE_KEY/. oder EXEC_HARMONIOUS/..

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Trailer

 

Fazit

Ar tonelico ist kein massentaugliches Spiel. Wer jedoch ein Freund der 2D-Optik ist, kein Problem mit dem Fehlen jeglicher Dynamik in Storyszenen hat und sich lieber an den Artworks erfreut, über einige klassische Klischees hinwegschauen kann und sich nicht an dem recht niedrigen Schwierigskeitsgrad stört, der sollte dem Spiel sicherlich mal eine Chance geben. Denn Ar tonelico macht einfach Spaß, und daher schließe ich mit den Worten: Good job, Gust.

-by Gestahl