Harvest Moon

Cover von Harvest Moon

Review

 
Tritt näher, junger Mann.
Weißt wohl nicht so recht, wo du anfangen sollst.
Mache dich zunächst mit den Werkzeugen vertraut. Das Buch im Schuppen wird Dir helfen.
Die Floristin erzählt Dir etwas über Blumen, der Viehhändler weist dich in die Kunst der Viehhaltung ein.
Überanstrenge dich nicht!
Wenn du fertig bist, gehe nicht zu spät ins Bett. Ein gesunder Körper ist die Basis.
So wirst du ein erfolgreicher Farmer.

 

Das Spiel

Der erste Teil von Victor Interactive Softwares mittlerweile recht umfangreicher Reihe rund um das Leben eines einfachen Farmers.

Harvest Moon Cover
 

Die Story

Eine wirkliche Story gibt es in Harvest Moon eigentlich nicht. Die Eltern des Farmerjungen (der keinen vorgegebenen Namen hat) sind irgendwo hingegangen, und er übernimmt die heruntergekommene Farm seines Großvaters. Nun hat er bis zur Rückkehr seiner Eltern nach 2 ½ Jahren Zeit, zu tun und zu lassen, was immer er will.
Er kann die Farm verschönern, Gemüse anpflanzen, Tiere kaufen oder aufziehen, sich mit den Bewohnern der nahegelegenen Stadt unterhalten, die Berge erkunden, Beziehungen zu den Junggesellinnen der Stadt aufbauen, heiraten und Kinder bekommen oder Junggeselle bleiben, an lokalen Festen teilnehmen... Oder er kann die gesamte Zeit damit verbringen, jeden Tag direkt nach dem Aufstehen wieder ins Bett zu gehen.
Die Entscheidung liegt allein beim Spieler, fast alle Aktionen, die man unternehmen kann, sind freiwillig. Von daher ist es weniger so, dass es eine Geschichte gibt, der man folgt, als vielmehr, dass man seine eigene Geschichte schreibt.

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Gameplay

Zentrales Element der Harvest Moon Reihe ist das Aufbauen, Verwalten und Erweitern der eigenen Farm.
Zu Beginn des Spiels hat man nichts als ein völlig verwildertes Feld, einige alte Werkzeuge und genug Geld, um seine ersten Samen zu kaufen. Ziel des Spiels ist es, aus der heruntergekommenen Farm einen florierenden Bauernhof zu machen und sich um das persönliche Glück seines Bauersburschen zu kümmern.
Hauptaufgabe auf der Farm stellt dabei das Anpflanzen und Ernten von verschiedenen Gemüsearten dar. Später im Spiel kommen noch weitere Aufgaben wie das Mähen von Gras, sowie die Aufzucht und Pflege von Nutzvieh (Hühner und Kühe) hinzu.
Abgesehen von der eigenen Farm gibt es zum einen noch das Gebirge, wo man die Handwerker treffen, sowie verschiedene Pflanzen zum Verkauf finden kann, um seine Einnahmen etwas zu erhöhen, und zum anderen die Stadt, in der man die meisten Waren kaufen (Samen, Werkzeuge, Vieh), sowie die verschiedenen Stadtbewohner treffen kann. Besonders hervorzuheben sind hierbei die 5 Junggesellinnen, die man im Spielverlauf umwerben und schließlich sogar heiraten kann. 
Für all diese Aufgaben hat man 2 ½ Ingame-Jahre Zeit, wobei ein Jahr aus 4 Jahreszeiten zu je 30 Tagen besteht, also insgesamt 300 Tage. Ein Tag wiederum beginnt um 6 Uhr morgens und endet sobald man ins Bett geht, spätestens allerdings um 6 Uhr abends, weil die Uhr ab diesem Zeitpunkt nicht mehr weiterläuft (d.h. es bleibt 6 Uhr, bis man ins Bett geht).

Ein typischer Tag in Harvest Moon sieht so aus, dass man zunächst die reifen Pflanzen von den Feldern erntet und sein Vieh versorgt, dann den Rest des Tages mit dem Einsammeln von Pflanzen im Gebirge und/oder mit Gesprächen mit den Stadtbewohnern verbringt (wobei sich die Junggesellinnen auch über Geschenke immer freuen), und Abends schließlich vor dem Zubettgehen das Gras mäht, die Felder umgräbt, neues Gemüse anpflanzt und alles bewässert. Gebremst wird die Arbeitswut des Bauern dabei durch seine begrenzte Energie, die er zum Einsetzen seiner Werkzeuge benötigt Zwar gibt es auch andere Wege, diese zu regenerieren, am Effektivsten ist es allerdings, irgendwann ins Bett zu gehen.
Immer wieder wird der gleichmäßige Tagesablauf durch besondere Ereignisse unterbrochen. So finden an bestimmten Tagen des Jahres in der Stadt Feste statt, und dann gibt es noch besondere einmalige Ereignisse, die im Spielverlauf stattfinden.

Das wohl unangenehmste Merkmal von Harvest Moon stellt der mit der Zeit verflachende Schwierigkeitsgrad dar. Während man am Anfang gerade genug Geld hat, um seine ersten Samen zu kaufen, und man mit der Arbeit kaum hinterherkommt, pendelt sich dies, sobald man die ersten regelmäßigen Einnahmen durch eigenes Gemüse hat, recht bald ein.
Damit beginnt dann die Hauptphase des Spiels, in der der Spielfluss am flüssigsten ist. Es kommt immer wieder zu Erfolgserlebnissen. Samen auf mehrere Tage im Voraus kaufen zu können, das erste Huhn, Ausbau des Hauses, die erste Kuh, das Umwerben des Herzblatts, der Erhalt von besseren Werkzeugen, die die Arbeit erleichtern...
Doch irgendwann erreicht man die Endphase des Spiels, wenn man im Prinzip alles, was das Spiel bietet, gesehen hat. Man ist verheiratet mit einem oder zwei Kindern, hat die besten Werkzeuge, die Ställe sind randvoll mit Vieh, und auf dem Konto sammelt sich das Vermögen, das man nicht mehr ausgeben kann, weil man schon alles Interessante erworben hat. An diesem Punkt (der je nach Spielweise früher oder später erreicht werden kann) stellt sich eine gewisse Monotonie ein. Es gibt nichts mehr, auf das man hinarbeiten kann. Man führt jeden Tag dieselben Aktionen durch, gelegentlich unterbrochen durch eines der Feste, bis das Spiel schließlich irgendwann endet.

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Fazit

Harvest Moon ist ein typischer Fall von "Liebe es oder hasse es". Es ist kein klassisches Spiel, das man einfach "durchspielt", und dabei einer mehr oder weniger vorgegebenen Handlung folgt. Vielmehr ist es ein Spiel für zwischendurch, bei dem man einen oder zwei Ingame-Tage spielt und es dann wieder beiseitelegt, um es bei anderer Gelegenheit fortzusetzen, ohne sich mühsam wieder hineinfinden zu müssen. Dies bedeutet nicht, dass das Spiel das, was es tut, schlecht macht, es ist nur kein Spielprinzip, das jedem Spieler ohne weiteres zusagen dürfte.

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