Bahamut Lagoon (roh)

Cover von Bahamut Lagoon (roh)

Review

Das Spiel

Anno 1996, genau ein Jahr nach dem Release von „Front Mission”, versuchte sich Square erneut an einem rundenbasierten Strategie Spiel. Bei der Programmierung von „Bahamut Lagoon” standen jedoch ebenso die Aspekte eines RPGs, sowie diverse Fantasy-Elemente im Vordergrund. So benutzte man für den Titel eine der bekanntesten Summons aus der „Final Fantasy” Reihe: „Bahamut”. Selbiger bekleidet hier das Amt des „Heiligen Drachens”, welcher sich im ewigen Schlaf zu befinden scheint.

Das Spiel an sich ist relativ linear aufgebaut. Man kämpft sich durch 27 Kapitel, bestreitet dabei je ein Szenario, erhält vom Gegner neue Items, und steigt (genügend EXP Punkte vorausgesetzt) schließlich einen Level auf. Kommt man einmal nicht weiter, weil man zum Beispiel zu schwach für die aktuelle Mission ist, so kann man beliebig viele Sidequests erfüllen, die sich alle, weitab von der eigentlichen Storyline, durch das bloße Besiegen der jeweiligen Gegner auszeichnen. Vor dem Kampf stellt man verschiedene Gruppenformationen zusammen (je vier Personen). Das Besondere hierbei: Jeder Einheit ist ein Drache zugeordnet, den man im Kampf allerdings nur indirekt steuern kann. Einfluss auf die Drachen kann man anhand von drei „mündlichen” Befehlen ausüben. Gibt man die Anweisung „Come!” ein, so folgt der Drache der zugehörigen Truppe, und attackiert naheliegende gegnerische Einheiten. Mit „Go!” gibt man ihm zu verstehen, er könne alleine losziehen und selbst zu einem Gegner am anderen Ende der Karte fliegen. Das hat jedoch den Nachteil, dass er dann unter Umständen ganz alleine gegen eine Schar von Monstern kämpfen muss. Der dritte Befehl, schlicht und einfach mit „Wait!” bezeichnet, veranlasst den Drachen sich dezent im Hintergrund zu halten, und bei Bedarf eventuell die Gruppe zu heilen. Ist ein Kampf gewonnen, so ist es des Spielers Aufgabe, die Drachen zu füttern. In diesem Aspekt liegt auch der größte Reiz des Spiels: Je nachdem, wie man zu dem Drachen steht, und was man ihm zu futtern gibt, wird selbiger sich weiterentwickeln. Dabei ändert der Drache meistens Form und Farbe, sowie bei drei Special Formen auch die Fähigkeiten. Dieses System ist so komplex, dass jeder Drache mindestens 25 verschiedene Entwicklungen durchmachen kann. Einige davon sehen aus, als entstammen sie einer Freakshow mittelalterlicher Horrorgeschichten. Der Spieler wird wohl kaum alle verschiedenen Formen beim einmaligen Durchspielen zu Gesicht bekommen.

Eine weitere Innovation ist das Agieren mit dem Terrain, in dem man kämpft. Spricht man zum Beispiel einen Feuerzauber auf ein Waldgebiet, so fängt dieses an zu brennen, und jede sich dort befindliche Einheit erleidet Schaden durch Waldbrand. Oder aber man friert einfach einen Fluss ein, der vorher unüberwindlich zu sein schien. Fortan ist gleicher problemlos passierbar. Sollte man einmal knapp an HP sein, und sich weder durch Items noch durch Magie heilen können, so postiert man sich am Ende der Runde auf einem Gebäude (wenn vorhanden), und man erhält am Anfang des nächsten Zuges acht Prozent der maximalen HP zurück. Dies kann sich zu einem unverzichtbaren Vorteil, jedoch unter Umständen auch zu einem großen Nachteil entwickeln. Gerade deshalb zählt das Kampfsystem zu den interessantesten, die je für ein Squarespiel entwickelt wurden.

Auch wenn es den meisten eigenständigen Spielen zu Unrecht anhaftet, so muss man bei „Bahamut Lagoon” einfach die Parallelen des großen Bruders „Final Fantasy” berücksichtigen. Es kommt zwar kein weiterer Cid im Spiel vor, und nach Moogles oder Chocobos sucht man auch vergebens, jedoch sind die Einflüsse nicht von der Hand zu weisen. Angefangen bei „Bahamut”, welcher ursprünglich eine Beschwörung aus „Final Fantasy” darstellt (und hier im Prinzip fast das selbe darstellt), über die bekannte Jobklasse des Summoners, bis zu kleinen seltsamen Gestalten, ähnlich der Moogles (hier: Mini Devils).

„Bahamut Lagoon” hat den Sprung über den Pazifik leider nie geschafft, doch dank einer gelungenen Fan-Übersetzung ist diese Perle Squaresofts nun auch westlichen Fans mit weniger guten Japanischkenntnissen zugängig.

Fazit

Mit „Bahamut Lagoon” schuf Squaresoft ein wirklich innovatives Strategiespiel, welches gleichzeitig auch ein gutes RPG ist. Eine interessante Story und die dreißig (!) spielbaren Charaktere machen das Spiel zu einem echten Genuss. Wer „Front Mission” zu schätzen weiß und sich „Final Fantasy Fan” schimpft, sollte unbedingt einen Blick auf „Bahamut Lagoon” werfen.

-by sp