.hack//Infection

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Review

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Das Spiel

Rund ein Jahr nach der Veröffentlichung in den USA hat das Spiel .hack, dank Publisher Atari, auch Europa erreicht. Das Einzigartige an dem Spiel ist, dass es sich bei .hack um ein MMORPG (Massively Multiplayer Online Role-Playing Game) handelt, welches man offline spielt. Klingt zuerst verwirrend, ist aber im Prinzip ganz einfach. Es handelt sich nämlich dabei um ein simuliertes Online-Game. Man spielt sozusagen jemanden, der ein Online-Game spielt.

Die komplexe .hack-Saga umfasst die drei Anime-Serien Sign, Liminality und Legend of the Twilight Bracelet, die dreiteilige Manga-Serie Dusk, verschiedene Romane, eine Playstation 2 Spielreihe und das Card Game Enemy. Zusätzlich sind noch zwei weitere Titel erschienen, G.U. und Fragment, bislang allerdings noch nicht in Europa. Die Playstation 2 Spiele erstrecken sich über vier Teile, Infection, Mutation, Outbreak und Quarantine, in denen sich je eine Folge des Animes .hack//Liminality befindet. In diesem Review wird der erste Teil, Infection, behandelt.

.hack//Infection US Cover DVD
 

Die Story

2010: Mit über 20 Mio. Spielern weltweit wurde das Online-Spiel „The World” zum erfolgreichsten Spiel aller Zeiten ernannt. Unter dessen Spielern befindet sich Kite, ein junger Schüler, der von seinem Freund Orca zum Spiel eingeladen wird. Doch kaum hat Kite einen Fuß in das Spiel gefasst, passieren auch schon mysteriöse Dinge um ihn herum: Zuerst fällt sein Freund Orca in der realen Welt ins Koma, nachdem er von einem Monster im Spiel angegriffen worden ist, und dann erscheint auch noch ein Mädchen in weiß, welches Kite ein Armband mit mysteriösen Kräften übergibt. Gejagt von der System-Administration versucht Kite mit BlackRose, einer Spielerin, die ihm helfen will, die Geheimnisse von „The World” aufzudecken.

Die Story von .hack ist ziemlich komplex und gut durchdacht. Je weiter man spielt, desto spannender und rätselhafter wird die Geschichte. Leider gibt es keine wirklichen Wendepunkte im Spiel, durch die sich die Story komplett umkrempeln könnte. Doch lässt sie dennoch so manches RPG für die Playstation 2 blass aussehen, was nicht zuletzt an den sehr interessanten Spielelementen wie dem Hacken liegt. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Kite, wodurch, ähnlich wie in Final Fantasy X, kleine Kommentare seinerseits gegeben werden.

Während des Spieles trifft man auf viele unterschiedliche Charaktere, insgesamt 21 spielbare gibt es in .hack//Infection. Das Design der Spieler ist wirklich detailreich und fantasievoll. Selbst die NPCs, die normalerweise eher unauffällig sind, wurden sehr schön gestaltet. Unter den Hauptcharakteren gibt es viele verschiedene Persönlichkeiten, die auch recht ausgereift sind. Doch wirklich tiefgründig sind eigentlich nur die Persönlichkeiten der sieben Protagonisten, wobei von denen nur vier eine wirkliche Entwicklung durchmachen. Ein interessantes Feature ist, dass man durch E-Mails etwas vom Real Life der verschiedenen Party-Mitglieder erfährt. Je nach Antwort, die man gibt, kann sich der Inhalt der nächsten E-Mail ändern.

Screenshot 1 Screenshot 2

 

Gameplay

Das Gameplay von .hack ist nicht sonderlich komplex. Sobald man das Spiel startet, landet man auf seinem Desktop. Dort kann man unter einzelnen Menüpunkten nach seinen E-Mails sehen, News empfangen, Wallpaper und Hintergrundmusik ändern, speichern und „The World” starten. Durch letzteren Menüpunkt erreicht man den Startbildschirm von „The World”, in dem man sich das Boardforum angucken - und sich natürlich in das Spiel einloggen kann. Es existieren insgesamt fünf Server. Zwei davon kann man schon in Infection betreten, und mit jedem neuen Teil kommt immer ein weiterer dazu. Man landet nach dem Einloggen in einer so genannten Root-Town, die je nach Server anders aussieht und andere Gegenstände zum Verkauf anbietet. Nur durch das Chaos-Gate, welches in jeder Root-Town steht, kommt man zur „Außenwelt” des Spiels. Nach der Eingabe von drei Schlüsselwörtern entsteht schließlich ein Feld, in das man sich nun teleportieren kann.

Durch Annähern an magische Portale, die überall in den Feldern und Dungeons verstreut sind, erscheint nun entweder eine Schatzkiste, oder ein Monster. Die Kämpfe in .hack sind sehr einfach zu schlagen. Bei passender Reichweite kann man durch Drücken des X-Knopfes den Gegner mit der Waffe angreifen. Natürlich können die Charaktere auch Skills und Zauber benutzen. Die kann man durch Öffnen des Menüs anwählen und auf einen Gegner zaubern, der im Sichtfeld ist. Da die Kämpfe in Echtzeit ablaufen, kann man die anderen Party-Mitglieder nicht selbst steuern. Man kann ihnen jedoch durch ein spezielles Menü Anweisungen geben. Dies ist vor allem für die Magier wirklich wichtig, da sie ohne Befehle nicht angreifen. Gelevelt wird ganz normal durch Besiegen von Gegnern und Sammeln von Erfahrungspunkten. Das Praktische bei .hack ist, dass man, egal ob mit nur einem oder drei Charakteren, immer dieselben Erfahrungspunkte bekommt.

Anders als bei vielen RPGs lernt man die Skills nicht. Man kann sie nur durch die entsprechende Ausrüstung verwenden. Wenn man also eine neue Waffe ausrüstet, kann man nicht mehr die Skills der alten Waffe benutzen, aber dafür kann man über die Skills und Zauber der neuen Waffe verfügen. Dies ist jedoch kein wirkliches Problem, weil die besseren Ausrüstungen in der Regel auch bessere Fähigkeiten besitzen. Je nach Klasse kann man andere Rüstungen tragen. Zum Beispiel kann ein Wavemaster (Magier) nur die leichtesten Sachen tragen, während ein Heavy Axeman (Axtkämpfer) alle Rüstungen tragen kann. Jedoch benutzt jede Klasse nur eine bestimmte Art von Waffen. Leider darf man die Klasse von Kite nicht selber aussuchen und muss einen Twin-Blade spielen, für den man nicht so leicht Ausrüstung bekommt. Die NPCs in .hack sind in diesem Fall Spieler von „The World”, mit denen man reden und sogar handeln kann. Durch das Handeln mit Items kommt man sehr leicht an gute Ausrüstung, wohingegen die Shops nur mittelmäßige Ware verkaufen.

Minispiele sind in .hack nur rar. Man kann zum Beispiel ein Grunty (ein schweineähnliches Reittier) züchten, um mit ihm durch die Felder zu reiten oder Rennen zu bestreiten. Außerdem kann man noch mit Goblins Tag spielen, wobei es sich aber auch nur um einen sehr schnellen Gegner handelt, den man versuchen muss zu töten.

Das besondere Feature in .hack sind die beiden Skills Daten-Entzug und Tore-Hacken. Durch den Daten-Entzug kann man, wenn der Gegner geschwächt ist und das „OK” für den Daten-Entzug erscheint, die Daten der Gegner überschreiben, und sie somit schwächen. Dadurch werden die Kämpfe zwar einfacher, aber man erhält dann nur wenig Erfahrungspunkte und schwache Items. Mit dem Virus infizierte Monster haben meist unendlich HP, wodurch man sie nicht besiegen kann. Doch wenn man Daten-Entzug benutzt, wird der Daten-Bug entfernt, und das Monster wird zu einem normalen Gegner.

Nach einer bestimmten Anzahl an erfolgreichen Daten-Entzügen kann man eines der acht Ryu Bücher bekommen. Dank diesen kann man nach dem Erfüllen bestimmter Bedingungen, Bonus-Gegenstände erhält, wie zum Beispiel Desktopbilder, Hintergrundmusik, Filme und Erweiterungen des Daten-Entzugs. Doch beim mehrmaligen Benutzen von Daten-Entzug steigt die Virusausbreitung des Charakters, wodurch er beim Daten-Entzug von unnatürlichen Zuständen befallen wird. Dies kann bis zum Level Verlust und sogar bis zum Game Over führen. Doch indem man mit Kite normale Gegner ohne Daten-Entzug besiegt, sinkt die Virus Ausbreitung auch wieder.

Mit der zweiten Fähigkeit, Tore zu hacken, kann man durch Benutzen bestimmter Viruskerne geschützte Gebiete betreten. Viruskerne erhält man durch Daten-Entzug bei bestimmten Monstern, doch es ist nicht immer sicher, dass man auch einen Viruskern kriegt, deshalb kann die Suche danach sehr anstrengend und nervtötend sein.

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Grafik & Musik

Im Punkt Grafik hat .hack nicht sehr viel vorzuweisen. Es ist nicht die allerbeste Grafik, aber reicht auf jeden Fall aus. Es gibt nur insgesamt zwei Darstellungsformen. Einmal die Spiel-Grafik, die wie der Name schon sagt, fast im ganzen Spiel und bei unwichtigen Dialogen benutzt wird. Die zweite Form ist die Zwischensequenz-Grafik, wobei hier erwähnt werden muss, dass es sich dabei nicht um FMV Sequenzen á la Final Fantasy VIII handelt. Wahrscheinlich ging sehr viel Speicherplatz für die Dungeons (insgesamt gibt es bis zu 2100 Stück!) drauf. Die Zwischensequenz-Grafik ist etwas besser als die normale Spiel-Grafik. Die Charaktere bewegen sich freier und haben auch Mimiken. Das Spiel ist in einer kompletten 3D-Umgebung programmiert und besitzt eine drehbare Kamera.

Die Ereignis-Musik von .hack ist, wie im Anime .hack//Sign, recht atmosphärisch und passt immer sehr gut zur Situation. Ab und zu gibt es ein paar ziemlich penetrante Stücke, die einem sehr auf die Nerven gehen können, wie zum Beispiel die Feld-Musiken. Bei den 8-Phasen Kämpfen hört man im Hintergrund einige Techno-Elemente, die sehr gut zum Kampf passen. Besonders schön fallen die Aura Lieder aus, da sie sehr dramatisch und melancholisch klingen.

In Europa wird .hack mit englischer Sprachausgabe verkauft. Wahlweise kann man die Sprache auch auf Japanisch umstellen. Fast jede Szene wurde synchronisiert, wodurch man ein besseres Bild von den Emotionen der Helden hat. Die Synchronisation ist sehr gut ausgefallen, obwohl sie ab und zu mal ein wenig übertrieben rüberkommt.

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Der Anime

In jedem Playstation 2 Spiel gibt es eine Folge der vierteiligen Anime Serie .hack//Liminality, die sich parallel zum Spiel in der realen Welt abspielt. In Liminality geht es um drei junge Spielerinnen von „The World” und einem Ex-CCCorp. Mitglied, die zusammen die Ursache für die ins Koma gefallenen Spieler von „The World” ergründen wollen. Die Serie spielt zeitgleich zu den Playstation 2 Spielen und erzählt die Ereignisse in der realen Welt. Jede Figur in Liminality ist sehr individuell und hat ihre eigenen Gründe, das Geheimnis von „The World” lüften zu wollen.

Das Design von Liminality ist nicht so ausgefallen und bunt wie das von .hack//Sign, da Liminality ausschließlich in der realen Welt spielt. Dadurch sehen die Figuren auch sehr schlicht und normal aus. Der Anime soll wahrscheinlich eine Art Kontrast zum Spiel sein. In den Spielen sind die Gebäude und Figuren sehr bunt und fantasievoll gestaltet, während Liminality sehr alltäglich und fast schon steril wirkt.

Die Musik ist wirklich sehr gut gelungen und passt perfekt zur Situation. Die Gesangs- und Geigeneinlagen sind sehr entspannend, aber auch dramatisch und tiefgründig. Die Sprachausgabe ist gut gelungen und wirkt nicht gestellt, sondern sehr natürlich, was die Charaktere viel glaubwürdiger macht.

Die Story ist sehr gut und spannend, allerdings sollte man das Spiel zuerst durchgespielt haben, um das Ende des Animes verstehen zu können.

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Trailer

 

Fazit

.hack hätte ein sehr gutes RPG sein können, da es eine innovative Story und ein nettes Design besitzt, wären da jedoch nicht die sich immer wiederholenden und langweiligen Dungeons und das lästige Sammeln der Viruskerne. Ein weiterer Kritikpunkt sind die Kosten für das Offline MMORPG. Man muss nämlich jeden Teil der vierteiligen Saga für ca. 40-50€ einzeln kaufen.

Zudem bietet .hack nicht unbedingt viele Möglichkeiten für Entdecker. Es werden nur vier Bonus-Dungeons angeboten, und dadurch, dass das Spiel keine zusammenhängende Welt ist, entdeckt man nicht viel Neues. Ich möchte .hack bei weitem nicht schlecht reden, da mir das Spiel selber sehr gefallen hat. Doch bin ich auch ein sehr geduldiger Mensch und kann mit den langen Dungeons leben. Ganz persönlich fand ich die Story gut und im Zusammenhang mit den anderen .hack Medien doch sehr interessant. Wer sich durch die Kosten und das sich teils wiederholende Gameplay nicht stören lässt, sieht in .hack sicher einen lohnenden Kauf.